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Rendsburg : 26-Jährige kämpft für einen Blindenhund

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nicht blind genug: Ihre Krankenkasse will einer Rendsburgerin keinen Blindenführhund finanzieren - mit fünf Prozent Sehkraft sieht sie noch zu gut.

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erstellt am 18.Feb.2014 | 11:49 Uhr

Rendsburg | Aktuell scheitert sie an einer Fünf-Prozent-Hürde. Und diese Hürde bedeutet eine gewaltige Einschränkung im Alltag. Kristin Ewert ist beinahe blind. Fünf Prozent Sehkraft hat die 26-jährige Rendsburgerin – aber nur auf dem rechten Auge. Doch weil sie diesen Rest an Sehkraft noch hat, lehnt ihre Krankenkasse die Übernahme der Kosten für einen Blindenführhund ab.

Seit ihrem dritten Lebensjahr leidet Kristin Ewert an Diabetes. Ihre Sehschädigung ist eine Folgeerkrankung, die sich vor sechs Jahren erstmals bemerkbar machte. Seitdem ist ihr Sehvermögen kontinuierlich schlechter geworden. Mittlerweile begibt sie sich – wenn überhaupt – nur noch in Begleitung in die Rendsburger Innenstadt. Mit dem Jack-Russell-Terrier „Halo“, der bei ihr und ihrem Freund lebt, dreht sie mit aller Vorsicht ab und an noch eine Runde ums Haus. Wirklich sicher bewegt sie sich nur noch in der gewohnten Umgebung ihrer eigenen vier Wände. „Ich brauche den Hund, um im Alltag mobil zu bleiben und ohne Angst von A nach B zu kommen“, sagt die 26-Jährige.

Den ersten Antrag auf Kostenübernahme eines Blindenführhundes stellte Kristin Ewert Mitte November 2013. Einen ärztlichen Befundbericht reichte sie nach. „Kurz vor Weihnachten bekam ich auch einen Anruf von der AOK, dass die Kosten übernommen werden“, berichtet Ewert. Mitte Januar erhielt sie jedoch ein Schreiben, in dem die Kostenübernahme abgelehnt wurde. Die AOK, von der am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen war, hatte eine Empfehlung vom Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenkassen (MDK) eingeholt. Darin heißt es, dass eine Restsehfähigkeit „grundsätzlich eine Kontraindikation zur Versorgung mit einem Blindenführhund“ darstelle – und zwar vor allem, weil der Hund bei einem Menschen mit Sehrest anders reagiert als bei einem vollständig erblindeten.

Das Problem: Der MDF formulierte seine Empfehlung offenbar ohne sich zuvor mit der Situation der Frau vor Ort vertraut gemacht zu haben. Renate Kokartis ist Leiterin der Führhundhaltergruppe im Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH). „Es ist durchaus fragwürdig, dass seitens des MDK eine Empfehlung ausgesprochen wird, ohne dass sich jemand direkt mit der Lage von Frau Ewert auseinandersetzt. Die Begründung kann ich rein sachlich aber nachvollziehen.“ Es sei schon ein Unterschied, ob der Hund eine noch sehende oder eine blinde Person führen solle. Wie geht der Hund damit um, wenn die zu führende Person ihn zu Unrecht korrigiert, weil sie einerseits noch sehen kann, ein Hindernis aber nicht wahrnimmt, das das Tier umgehen will? „Wenn man im Gespann unterwegs ist, dann muss man zu 100 Prozent in Gedanken bei dem Weg und dem Hund sein“, erklärt Renate Kokartis. Den Wunsch von Kristin Ewert nach einem Blindenführhund kann Renate Kokartis vollkommen verstehen. Ein Blindenführhund sei für Blinde und hochgradig Sehbehinderte da: „Mit der noch vorhandenen Sehkraft liegt Frau Ewert in einem Grenzbereich.“

Für den MDK ist die Lage klar. Pressesprecher Jan Gömer betont: „Es muss nicht zwingend einen persönlichen Besuch geben. Die Empfehlung, die wir aussprechen, kann auch nach Aktenlage erfolgen, wenn sie eindeutig ist. Die Entscheidung fällt aber die Krankenkasse“. Der Versicherten bleibe die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen und ihre Argumente erneut vorzubringen.

Diesen Weg möchte Kristin Ewert gehen und will noch nicht aufgeben. „Mir ist klar, dass es da um eine Menge Geld geht. Aber einen Blindenführhund beantrage ich ja auch nicht einfach so zum Spaß.“

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