Froschkönigbrunnen in Rendsburg : 250.000-Euro-Brunnen ohne Wasserzulauf

Dr. Martin Westphal, Chef der Museen im Kulturzentrum, mit dem über 100 Kilogramm schweren Frosch, den ein Kleinlaster vom Sockel gestoßen hat. Der Fahrer flüchtete anschließend.
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Dr. Martin Westphal, Chef der Museen im Kulturzentrum, mit dem über 100 Kilogramm schweren Frosch, den ein Kleinlaster vom Sockel gestoßen hat. Der Fahrer flüchtete anschließend.

Dem Froschkönigbrunnen in Rendsburg fehlen zwei elementare Zutaten: Der Frosch und das Wasser. Ein Lkw rammte die steinerne Amphibie vom Sockel - und wie der Künstler den Brunnen plätschern lassen wollte, ist unklar.

shz.de von
02. Mai 2015, 11:19 Uhr

Rensburg | Der Froschkönigbrunnen im Innenhof des Arsenals wird auf einen Wert von 250.000 Euro geschätzt. „Und das ist nicht zu hoch gegriffen“, sagt der renommierte Kunstexperte der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen, Dr. Thomas Gädeke. Der Brunnen trägt die Handschrift des 2013 verstorbenen Bildhauers Klaus Kütemeier. Die Arbeit daran hatte sich über zehn Jahre erstreckt. Was Gädeke bedauert: Der Brunnen ist unvollendet, es fehlt ein Wasserzulauf. Und jetzt offenbarte sich ein weiteres Problem: die exponierte Lage des Werks. Ende März rammte ein Kleinlaster den Brunnen und stieß den Frosch vom Sockel. „Der erste wichtige Schritt muss nun die Sicherung des Brunnens sein“, sagt Gädeke.

Das aus Granit gehauene Tier befindet sich derzeit in den Räumen des Druckmuseums, etwa 20 Meter von seinem angestammten Platz entfernt. Museumschef Dr. Martin Westphal hat es selbst dorthin gewuchtet. Mehr als 100 Kilogramm wiegt die Skulptur. „Das war nur mit einer Sackkarre zu schaffen“, erklärt Westphal. In der kommenden Woche soll ein Steinmetz den Frosch wieder auf den Sockel setzen und befestigen. 1000 Euro wird das wohl kosten. Eine Versicherung kommt für den Schaden auf. Der Fahrer, der den Brunnen gerammt hatte, ist flüchtig.

Weitaus teurer würde es jedoch werden, wenn man den im Oktober 2012 im Innenhof aufgestellten Brunnen mit Wasser versorgen wollte. Von bis zu 25.000 Euro ist die Rede, doch das wollen weder Gädeke noch Westphal bestätigen. Fakt ist jedoch, dass der Brunnen keine Bohrungen für die Wasserzufuhr enthält. Diese müsste man erst schaffen, zudem fehlt es an einem Schacht für die Brunnentechnik, um diese im Winter vor der Kälte schützen zu können. Eine Wasserleitung gibt es ebenfalls nicht. Allerdings sind sich die Experten nicht einig darin, ob der Brunnen tatsächlich mit Wasserspiel geplant war. Westphal ist im Besitz der Original-Konstruktionsunterlagen: „Darin findet man nichts über eine Wasserzufuhr“. Gädeke entgegnet: „Ich habe mit Kütemeier genau darüber gesprochen.“ Der Künstler habe geplant, dass das Wasser durch die Brunnenmitte nach oben gedrückt wird. Keinesfalls sei eine Leitung durch den Frosch beabsichtigt gewesen.

Die Frage ist nun: Wer übernimmt die Kosten? Eberhard Goll, Vorsitzender des Rendsburger Kulturkreises, will Kunstinteressierte dazu ermutigen, Geld zu spenden. Das hält Bürgermeister Pierre Gilgenast für den einzig gangbaren Weg angesichts leerer öffentlicher Kassen. Allerdings weist er darauf hin, dass der Brunnen nicht der Stadt gehört. Stattdessen handelt es sich um eine Dauerleihgabe von Kütemeier. Nach dessen Tod trat seine Frau Ilse das Erbe an. Sie hat jedoch in einem Schreiben an Museumschef Westphal versichert, dass der Brunnen eine Dauerleihgabe bleiben soll – zumal ihr Mann von dem Standort so begeistert war.

Für Rendsburg wäre das aus Sicht der Kunstexperten ein Glücksfall. Thomas Gädeke spricht von einem „einzigartigen Werk an einem hervorragenden Ort“. Martin Westphal stößt ins gleiche Horn: „Wir sind stolz darauf, hier eine solche Arbeit zu haben.“

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