Büdelsdorf : 230 Kinder auf Tuchfühlung mit der klassischen Musik

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Auf Einladung der Rendsburger Service-Clubs: Öffentliche Orchesterprobe begeisterte Schüler.

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16. Juli 2015, 14:35 Uhr

„Ist das da? Gehen die anderen Kinder auch dahin?“ Diese Fragen stellten sich die Schüler der Streicherklasse der Schule Neuwerk. Noch einmal über die Straße – dann waren sie auf dem Gelände der NordArt angekommen: Großzügige, gepflegte Rasenflächen, darauf riesige Kunstwerke. „Hier ist also die ACO- Thormannhalle.“ 230 Schüler mit ihren Lehrerinnen hatten gestern die Einladung der Rendsburger Service-Clubs angenommen, um an einer Probe der Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals teilzunehmen.

„Eine seltene Gelegenheit, dabei zu sein, wie ein junges Orchester in dieser Qualität ein Werk aufführungsreif vorbereitet.“ Dieses Ziel war für Heidi Fauth, bis Ende Juni Präsidentin des Rotary-Clubs Mittelholstein, der Anlass, alle Service-Clubs um Unterstützung zu bitten. Sie überzeugte die Rotary-, Inner-Wheel- und die Lions-Clubs Rendsburg und Rendsburg-Königsthor sowie den Round-Table-Club, das Projekt „Schulklassen in die Orchesterprobe“ in Zusammenarbeit mit dem Musikverein und der Netzwerkstatt zu unterstützen. Das Probe-Werk dieses Vormittags war die Komposition „Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky. Keine einfache Musik. Vor 102 Jahren entstanden, war schon die Uraufführung ein Skandal. Auch heute noch wehrt sich ein schöne Klänge suchendes Publikum gegen die teils brutalen Ausbrüche einer Musik, die den Opfertanz eines Mädchens beschreibt. Es muss sich zu Tode tanzen, damit der Frühling wiederkommt. So glaubte man seinerzeit im heidnischen Russland.

In den Wochen vor dem Probenbesuch wurden die Kinder von Mitgliedern des Musikvereins auf den Inhalt des 1913 vollendeten Werkes vorbereitet. Sie kannten die Geschichte hinter der Musik und waren von der Gewalt und Schönheit vieler Passagen beeindruckt. Junge Musiker auf der Bühne, keine edle Steifheit wie bei Bach oder Mozart. Das passte. Dazu ein Dirigent mit wilder Frisur in Turnschuhen, umgekrempelten Jeans und Polohemd: Da fiel es leicht, eine Stunde still sitzen zu bleiben und mit Krzysztof Urbanski Strawinskys Musik in der Entstehung zu sehen, zu hören und zu fühlen.

Wie sehr Musikmachen in bester Qualität faszinierte, verwunderte die Lehrerkollegen am meisten. „Ein toller Abschluss für unsere Streicherklasse“ freuten sich Anne Gayed und Janne Wiegand von der Schule Neuwerk. „Das war ein tolles Erlebnis für unsere Schüler, die von dieser Musik sonst nicht so viel mit bekommen“, sagte Martina Schulz-Pfafferodt, Schule Obereider. „Wunderbar, wie hier die letzten Feinheiten herausgekitzelt wurden. Ich habe immer noch eine Gänsehaut“, gestand Karin Schön, Musiklehrerein der Schule Mastbrook. Christine Zahrnt vom Helene Lange-Gymnasium brachte es auf den Punkt: „Das war großartig. Ich habe das sehr genossen. Es ist sensationell, was der Rendsburger Raum zu bieten hat. Man muss nur die Augen und Ohren aufmachen!“

„Die Kinder waren total begeistert!“ freute sich Heidi Fauth zum Schluss. Darauf kam es an. Ihr Engagement hat sich gelohnt.

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