Hobby-Meteorologe Michael Green : 2011 - Polarlichter und Platzregen

Polarlichter über Büdelsdorf: Am 6. August 2011 gelang Michael Green diese spektakuläre Aufnahme. Foto: Michael Green
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Polarlichter über Büdelsdorf: Am 6. August 2011 gelang Michael Green diese spektakuläre Aufnahme. Foto: Michael Green

Michael Green (48) betreibt die private Wetterstation in Büdelsdorf. Er spricht über das Jahr 2011 - mit seltenen Himmelserscheinungen und zu nassen Sommermonaten.

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05. Januar 2012, 07:19 Uhr

Büdelsdorf | Er sammelt Zahlen zum Wetter, 1440 Datensätze jeden Tag, mehr als eine halbe Million jedes Jahr. Doch die vergangenen zwölf Monate fasst Michael Green in nur vier Worten grob zusammen: "Zu mild, zu nass."
Der Betreiber einer privaten Wetterstation in Büdelsdorf hat für das Jahr 2011 Bilanz gezogen - und die weist einige seltene Gegensätze auf. Einerseits gab es keinen einzigen heißen Tag. Davon sprechen Wetterkundler erst bei Erreichen der 30-Grad-Marke. Der höchste in Büdelsdorf gemessene Jahreswert betrug 29,5 Grad (26. August). Andererseits wurde ein ausgesprochen später Temperaturrekord erzielt: Mit 26,3 Grad am 1. Oktober registrierte Green den höchsten Monatswert seit 1998, seinem ersten Jahr als Freizeit-Wetterchronist. "Auch bundesweit war es der wärmste Oktobertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen", so Green. Insgesamt fiel das Jahr 0,2 Grad zu mild aus, der Mittelwert beträgt 9,6 Grad.
Ungleichmäßig verteilte Sonnenstunden
Und die Sonne? Was wir längst ahnten, kann Green durch Zahlen untermauern: auf sie war kein Verlass. Es wurde heiter, als keiner damit rechnete. Nur nicht im Sommer. "Die Sonnenstunden waren ungleichmäßig verteilt", bestätigt Green (48), der als Beamter beim Geo-Informationsdienst der Bundeswehr beschäftigt ist und die Piloten des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 in Hohn in Wetterfragen berät. "Das Frühjahr, besonders der April, war sonnig, der Sommer dagegen nicht", sagt Green. Die gesamte Sonnenscheindauer bewegte sich trotz der Sprünge im langjährigen Mittel: 1615 Stunden stehen zu Buche - üblich sind 1612 Stunden.
Dass nicht alle Jahreszeiten nach Plan verliefen, belegt auch ein Blick in die Bilanzen der Niederschläge. "Insbesondere der August war viel zu nass", so Green. Mit 268 Millimetern pro Quadratmeter erreichte die Regenmenge in jenem Monat 229 Prozent des langjährigen Mittelwerts. Die höchste Tagessumme, 61,7 Millimeter, fiel am 21. August während eines ungewöhnlich starken Gewitters. Von diesem Platzregen hat Green ein spektakuläres Zeitraffer-Video angefertigt:

Polarlichter am Nachthimmel
Der Blick gen Himmel lohnte sich auch an anderen Tagen. Denn auch astronomisch hatte das Jahr einiges zu bieten. Das zeigt Green ebenfalls anhand von Fotos sowie bewegten Bildern seiner Webcam. Erstmals seit Jahren waren am Nachthimmel über dem Raum Rendsburg wieder teils deutlich ausgeprägte Polarlichter zu sehen. Die faszinierenden Himmelserscheinungen entstehen, wenn von der Sonne ausgestoßene Teilchen als Sonnenwind die Erdatmosphäre erreichen und in großer Höhe mit Luftmolekülen zusammenstoßen. "Im April, August und September gab es Nordlichter", sagt Green, dem eine eindrucksvolle Aufnahme am 6. August gegen Mitternacht gelang - aus dem Dachfenster seines Hauses mit Blickrichtung Hüttener Berge.

Green, der seit 2002 wie ein Profi Daten zu Wind und Wetter sammelt, sich selbst jedoch weiter als Amateur bezeichnet und kein Geld mit seinem Hobby verdient, hat noch zwei weitere Extreme aus dem abgelaufenen Jahr parat. An die eine dürften sich viele Gartenbesitzer unliebsam erinnern: Noch am 3. Mai, also ungewöhnlich spät im Jahr, legte sich strenger Nachtfrost über Büdelsdorf und Umgebung. Minus fünf Grad am Boden sind in Greens Tabellen verzeichnet. Die niedrigste Temperatur des gesamten Jahres fiel dagegen vergleichsweise mild aus: Am 28. Januar wurden gerade einmal minus 9,3 Grad gemessen. Kein Vergleich zu 2010, als der Tiefstwert minus 17,6 Grad betrug.

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