20 Register, 726 Pfeifen - alles in Handarbeit

An der Drechselbank fertigt Ulrich Babel die Registerknöpfe.
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An der Drechselbank fertigt Ulrich Babel die Registerknöpfe.

Seit einem Jahr arbeiten die Gettorfer Orgelbauer Kirsten und Ulrich Babel an der Owschlager Orgel. Jetzt machte sich der Kirchenvorstand ein erstes Bild von dem Instrument.

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24. Juli 2009, 09:54 Uhr

Gettorf/Owschlag | Rund 140 000 Euro wird die neue Orgel für die Erlöserkirche kosten, zum 1. Advent soll das Instrument erstmals in der Kirche erklingen und eingeweiht werden. Gebaut wird die Orgel in Gettorf in der Werkstatt von Ulrich und Kirsten Babel. Mitglieder des Owschlager Kirchenvorstands besuchten in dieser Woche die Werkstatt der beiden Orgelbaumeister und konnten sich so ein Bild von den Arbeiten machen und bereits einen Blick auf die Orgel werfen.

Wie Architekten haben die Babels mit dem Auftrag begonnen. Auf einem großen Plan wurde die Orgel und die Position der 726 Pfeifen im Maßstab 1:1 vorgezeichnet. Rund 2000 Arbeitsstunden stecken in der Orgel, die größtenteils aus Fichtenholz gefertigt wird. "Aufgrund der langen Fasern schwingt das Holz besser und der Klang ist wärmer", erläuterte Kirsten Babel den Besuchern die Besonderheit des Materials, das schon seit rund 15 Jahren gelagert wird. Davor lag es schon einige Jahre beim Händler. "Das Holz wird natürlich getrocknet, so kann es arbeiten und Risse werden vermieden", sagte die Orgelbaumeisterin, die zurzeit eine Zusatzausbildung zur Orgelrestauratorin macht.

Auf das Material kommt es auch bei den Pfeifen an. Während die 110 hölzernen Pfeifen von den Babels in filigraner Handarbeit angefertigt werden, formt ein Pfeifenbauer in Süddeutschland die Metallpfeifen. Die Legierung von 60 Prozent Zinn und 40 Prozent Blei haben die Babels dabei vorgegeben. "Je höher der Bleigehalt, desto weicher der Klang", so Kirsten Babel. Die längste Pfeife ist knapp drei Meter lang, die kürzeste gerade einmal zwölf Millimeter. 20 Register zählt die neue Orgel und gehört damit schon zu den besonderen Aufträgen der Babels. Neubauten seien selten, erzählt Ulrich Babel. Etwa zehn seien sie in den 20 Jahren, in denen sie in Gettorf tätig sind, gewesen.

Doch an das Projekt vor gut zehn Jahren reicht das Owschlager Instrument nicht heran. 1998 bauten die Babels die Orgel der St.-Nicolai-Kirche in Kiel um. "Dafür mussten wir extra eine neue Halle bauen", berichtete Ulrich Babel. 48 Register mit 3000 Pfeifen hatte die Orgel, zwölf Meter hoch war die längste Pfeife gewesen, 120 Kilogramm wog sie.

Rund 140 000 Euro wird der Neubau kosten. "Der Kirchenvorstand stellt 60 000 Euro zur Verfügung, über 50 000 Euro sind an Spenden bislang eingegangen", berichtete Volkhart Meyer aus dem Kirchenvorstand. Die fehlenden 30 000 Euro sollen unter anderem durch Patenschaften eingenommen werden. "Ähnlich wie beim Schleswiger Dom können Interessierte Patenschaften für die Orgelpfeifen übernehmen", so Meyer. Zwischen 30 und 600 Euro soll eine Patenschaft kosten. Ein Konzept ist in Arbeit.

Während der Erweiterung der Kirche habe man das Projekt "neue Orgel" vorerst ruhen lassen. Bei den Bauarbeiten in der Erlöserkirche war Ulrich Babel eng mit eingebunden, um den optimalen Standort für das Instrument zu finden. In der dafür vorgesehen Mauereinsparung werden regelmäßig Messwerte, wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit ermittelt, um sicher zu stellen, dass der Standort auch ein Jahr nach Fertigstellung der Kirche noch geeignet ist. Der Einbau der neuen Orgel wird etwa sechs Wochen dauern.

Die alte Owschlager Orgel hat Babel in Zahlung genommen. Von einer Folie bedeckt, wartet sie in der großen Halle noch auf einem Abnehmer. "Wahrscheinlich wird sie nach Indien gehen", meint der Orgelbaumeister.

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