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Borgstedt : 162 Kilo Biomüll von jedem Einwohner

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit einem Jahr sind Biotonne oder Kompost Pflicht. Mehr als 90 000 Tonnen hat die AWR verteilt. Die Bioabfallmenge steigt, Restmüll sinkt.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 06:00 Uhr

Nach einem Jahr Regel-Biotonne fällt die Bilanz für die Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde positiv aus. „Inzwischen liegt die Anschlussquote bei 90 Prozent“, sagt AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschutz-Schmidt. In den Vorjahren hatte nur jeder zweite Haushalt die braune Tonne bei sich stehen. Bereits nach Ende des dritten Quartals wurden in der Bioabfallbehandlungsanlage (BBA) mehr als 43  000 Tonnen Biomüll verarbeitet sowie rund 170  000 Tonnen Kompost gewonnen. 2014 waren es nur rund 35  000 Bioabfall

Zum 1. Januar 2015 haben alle 120  000 Haushalte im Kreis Rendsburg-Eckernförde eine Biotonne erhalten. Hintergrund ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz, nach dem spätestens ab 1. Januar 2015 Bioabfälle getrennt zu sammeln sind. Bereits im Sommer 2014 hat die AWR mit der Umsetzung begonnen und die ersten 50  000 Tonnen ausgeteilt. Von einem „Kraftakt“ sprach Hohenschurz-Schmidt damals. Eine Gebühr wurde zu dem Zeitpunkt noch nicht erhoben. Bis September 2015, so berichtet Hohenschurz-Schmidt, wurden 76  216 120-Liter-Biotonnen und 14  388 240 Liter-Biotonnen ausgegeben. Zudem gebe es 462 so genannte Nachbarschaftstonnen. Hier teilen sich 924 Haushalte eine Tonne und die 2,50 Euro an monatlichen Gebühren.

Bei 2615 Haushalten hat die AWR eine Befreiung von der Tonnenpflicht erteilt. „Hier konnte plausibel dargelegt werden, dass die Menschen auf ihrem Grundstück kompostieren können“, so der Geschäftsführer. Pro Person wurden im vergangenen Jahr etwa 162 Kilogramm Bioabfall pro Person gesammelt, 2014 waren es noch 130 Kilogramm.

Neben den Bioabfällen aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde werden bei der AWR in Borgstedtfelde jetzt auch rund 20  000 Tonnen aus dem Nachbarkreis Schleswig-Flensburg sowie 5000 Tonnen – Übermengen aus Neumünster– verarbeitet. „Ab 1. März werden weitere 8000 Tonnen aus dem Kreis Plön bei uns angeliefert“, berichtet Hohenschurz-Schmidt. „Daher werden wir unsere Anlage auf 80  000 Tonnen erweitern“. Dazu werden neue Fermenter und neue Intensiv-Rotteboxen in einem eigenen Anlagenbereich errichtet. Auf dem Gelände in Borgstedtfelde werden diese Mengen zu Strom und Wärme sowie Kompost umgewandelt.

Erreicht wurde im Zuge der Regel-Biotonne auch ein Rückgang des Restmülls denn hier landete der wertvolle Biomüll oftmals. „Der Bioanteil im Restmüll, das hätten Sortieranalysen ergeben, betrug etwa 40 Prozent“, so Hohenschurz-Schmidt. Ökologisch und ökonomisch sehr bedauerlich. Denn zum einen sei die Entsorgung des Restmülls in der Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) deutlich teurer als die Verwertung des Bioabfalls und zum anderen könne aus dem Biogut Biogas und damit Strom und Wärme produziert werden. Der Restmüll konnte nun von 41  700 Tonnen in 2015 auf 39  200 Tonnen reduziert werden. „Der Restmüll ist jetzt organisch freier“, so der AWR-Chef, das sei sowohl optisch als auch olfaktorisch festzustellen. Für dieses und die nächsten Jahre rechnet er noch mit einer weiteren Verbesserung des Trennverhaltens.

Noch überwiegen in der Biotonne die Pflanzenreste, doch Ralph Hohenschurz-Schmidt wünscht sich mehr Abfälle aus der Küche in der brauen Tonne. Denn gute Biogaserträge sind nur dann möglich, wenn geeigneter Bioabfall für die „Arbeit“ der Mikroorganismen zur Verfügung gestellt wird. Zu diesem Zweck ist es sehr wichtig, die Biotonne richtig zu befüllen. Denn Biogas entsteht durch Gärung, dem Abbau von organischer Substanz durch spezielle Mikroorganismen unter Luftabschluss. Dazu zählen haushaltsübliche Mengen an gekochten Speiseresten, Fleisch oder auch Frittenfett. Aus Kantinen und Restaurants nimmt die AWR keine Bioabfälle entgegen. Um die Entsorgung in der Tonne angenehmer zu machen, können die Abfälle in Küchenrollen- oder Zeitungspapier eingewickelt werden.

Aber auch schädliche Pflanzen wie Bärenklau oder das Jakobskreuzkraut können bedenkenlos in der Biotonne entsorgt werden. Die Samen werden ebenso wie die Eier der Miniermotte in der Behandlung abgetötet

Als zusätzlichen Service bietet die AWR einen Tonnenwaschdienst für 12,50 Euro für die 120- und 240-Liter-Tonne an. Außerdem gibt es es Biofilterdeckel gegen unangenehme Gerüche für 12,50 Euro beziehungsweise 25 Euro.

Mit den Minusgraden droht ein Gefrieren des Biomülls in der Tonne. Das meiste löste sich durch den Rüttelvorgang an den Fahrzeugen. Sollten doch am Tonnenboden Abfälle gefrieren, empfiehlt Hohenschurz-Schmidt feuchte Lebensmittel einzupacken oder mit Pflanzenöl einzureiben. Auch eine Kartonage auf dem Boden könne Abhilfe schaffen. 

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