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Landeszeitung

21. November 2017 | 17:00 Uhr

Aktion : 150 Schüler treten für Europa ein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Frieden, Währungsunion, offene Grenzen: Viel beachtete Aktion von Herder-Gymnasiasten am gestrigen Tag des Kriegsendes.

von
erstellt am 09.Mai.2017 | 11:41 Uhr

In der Mitte ihres Plakats prangt das Wort „Gemeinschaft“. Kimberley Pillich, Kira Pahl, Svenja Koch und Lorenzo Oviedo haben darüber und darunter jeweils eine Reihe von Strichmännchen, die sich an den Händen halten, und die Flaggen der europäischen Staaten gemalt. „Wir wollten die Flaggen von Europa zeigen, nicht nur der EU. Wir sind eine Gemeinschaft, da sollten wir nicht differenzieren“, erläuterte Oviedo.

Gestern sind erstmals Kinder und Jugendliche der Herder-Europaschule in Rendsburg für eine Demonstration auf die Straße gegangen. Etwa 150 Schüler der Jahrgänge 5 bis 11 stellten sich ungefähr 20 Minuten lang mit Transparenten zum Thema „Mein Europa“ in der Hohen Straße auf. Der Politik- und Geschichtslehrer Jan Winkelmann hatte dazu aufgerufen. „Das Motto lautet nicht ‚Meine EU‘. Es geht nicht um ein politisches Bekenntnis für die EU, sondern um die Frage: Was empfinde ich für Europa?“, erläuterte er. Bewusst hatte Winkelmann die Aktion auf den 8. Mai gelegt, den Tag des Kriegsendes 1945. „Die Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs ist heute in vielen Ländern Europas auch mit den Gedanken eines geeinten, friedlichen Europas verbunden, und dieser Gedanke ist uns wichtig“, betonte er.

Ein Interview mit einem Politikprofessor im Deutschlandfunk hatte Winkelmann zu der Aktion angeregt. Der Dozent habe dazu aufgerufen, angesichts zunehmender Kritik an der europäischen Idee Stellung zu beziehen. In einem Aufruf an die anderen 41 Europaschulen in Schleswig-Holstein zur Ausrichtung ähnlicher Aktionen hatte Winkelmann betont: „Es ist an der Zeit, jenen die Stirn zu bieten, die auf Nationalismus statt auf Gemeinschaft und Solidarität setzen. Es ist an der Zeit, dass wir zeigen, dass es in der Gesellschaft Menschen gibt, die von der Kraft der Internationalität und der Idee Europas überzeugt sind.“ Leider habe er von den anderen Schulen keine Resonanz erhalten.

In Rendsburg beteiligten sich freiwillig fünf Klassen. Lehrer gaben den Schülern im Politik-, Geschichts-, Biologie-, Mathematik- und Kunst-Unterricht Zeit zum Gestalten von Plakaten.

Antonia, Tayna, Jonas, Malin und Fee aus der Klasse 8c hatten auf ein blaues Plakat die Sterne der Europaflagge aufgeklebt. In die Mitte schrieben sie die Worte „Wir sind Europa“ und „Frieden“. „Wir wollen Frieden erhalten und da, wo kein Friede ist, dafür sorgen“, sagte Antonia. Nadia Grünau, Elif Kobiela und Merle Dittmer schrieben auf ihr Schild: „Für die Zukunft unserer Kinder – keine rechten Spinner“. „Rassismus hat in Deutschland und Europa keinen Platz“, betonte Nadia.

Passanten reagierten. Oviedo berichtete: Als eine Schülergruppe die Aufforderung „Denke nicht so wie der Nazi-Opa“ hochhielt, stellte ein älterer Herr fest: „Ich denke gar nicht so.“ Er habe den Schülerprotest aber begrüßt. Der Schüler Timon Kalinowski zog als Fazit: „Es war wichtig zu zeigen, dass Europa ein Thema ist, für das wir uns Zeit nehmen, uns mit anderen Klassen zusammensetzen und demonstrieren.“ Die Uhrzeit sei ungünstig gewesen, weil nicht besonders viele Menschen in der Stadt waren. „Aber die Aktion war gut“, sagte er.

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