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Rückkehr zum alten Programm : 140.000 Euro für neue Software: Teurer Reinfall für Rathaus in Rendsburg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kontrolleure warnten die Behörden vor dem neuen PC-Programm. Die Stadt kontert: Die Probleme waren erst im „Echtbetrieb“ zu erkennen.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 09:44 Uhr

Rendsburg | Ein neues Computerprogramm sollte dem Rathaus helfen, auf die kaufmännische Buchführung umzusteigen, tatsächlich entpuppte es sich für die Stadt Rendsburg als Reinfall. 140.000 Euro für Kauf und Wartung mussten dennoch an die Herstellerfirma gezahlt werden – Vertrag ist Vertrag. Im Rathaus ist man zur alten Software zurückgekehrt. Hätte das Geld ganz oder teilweise gespart werden können, indem man rechtzeitig die Notbremse gezogen hätte?

Im jetzt veröffentlichten Abschlussbericht für das Haushaltsjahr 2015 macht das Rechnungsprüfungsamt deutlich, dass es bereits vor der Einführung des Programms erhebliche Bedenken bezüglich der Software geäußert habe, zuletzt mit Schreiben vom 8. Oktober 2015 an Bürgermeister Pierre Gilgenast. Knapp zwei Wochen später ging das von Computerspezialisten entwickelte Produkt in den sogenannten „Echtbetrieb“.

Es dauerte nicht lange, dann traten die Probleme offen zutage. Anfang 2016 verschickte die Stadt die Hundesteuerbescheide, doch ein Großteil erwies sich als fehlerhaft. Die Stadt sah die Ursache bei der Software. Gilgenast betont, dass die sich durch das Programm ergebenden Probleme erst im regulären Betrieb erkennbar waren. Dies bestätigt Kämmerer Herwig Schröder. Man habe sich vor der Umstellung auf das Programm mit den Bedenken des Rechnungsprüfungsamtes auseinandergesetzt. Dabei sei der Fachdienst Finanzen zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der negative Eindruck der Prüfer nicht mit den Erkenntnissen der Finanzfachleute deckte. Schröder verhehlt nicht, dass das neue PC-Verfahren in der Verwaltung umstritten war: „Es gab in einem Fachdienst durchaus kritische Stimmen, ein anderer Fachdienst war dagegen von der neuen Software sehr angetan.“

Die Rechnungsprüfer beanstandeten auch, dass der Wechsel mitten in einem Haushaltsjahr erfolgt sei. Doch dies geschah auf ausdrücklichen Expertenrat der Lieferfirma, wie Kämmerer Schröder sagt. Die Beamten der Stadt hatten dabei im Hinterkopf, dass ihre Buchführung ursprünglich zum 1. Januar 2017 auf die kaufmännische Buchführung (Doppik: Doppelte Buchführung in Konten) umgestellt werden sollte. Um die erforderlichen Jahresabschlüsse zu erarbeiten, sei eine rechtzeitige Programmumstellung erforderlich gewesen. Schröder: „Auch im Nachhinein war das die richtige Entscheidung.“ Wegen der Computerprobleme und der sich daraus ergebenden Verzögerungen haben die städtischen Gremien die Einführung der Doppik mittlerweile auf den 1. Januar 2019 verschoben.

Einigkeit besteht zwischen Rechnungsprüfern und der Verwaltungsspitze darin, dass die Rückkehr zum alten Computerprogramm die richtige Entscheidung war. Sie fiel günstiger aus, als im Februar 2016 von Kämmerer Schröder befürchtet. Damals hatte er im Finanzausschuss erklärt, dass die Rückübertragung aller Daten vom neuen ins frühere System etwa 100.000 Euro kosten könnte. Tatsächlich kam man mit 20.000 Euro aus. Allerdings muss die alte Software noch aufgerüstet und damit „Doppik“-fähig gemacht werden. Das wird 50.000 Euro kosten.

Bürgermeister Gilgenast weist darauf hin, dass man das wieder ausgemusterte Programm nach einer europaweiten Ausschreibung gekauft habe. Nach den Ausschreibungsrichtlinien habe man keine andere Wahl gehabt, als die betreffende Software zu erwerben. Gilgenast formuliert eine schmerzliche Erkenntnis: „Der günstigste Anbieter muss nicht zwangsläufig das Produkt bieten, das für uns am besten geeignet ist.“

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