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Kreis Rendsburg-Eckernförde : 114 Mal war der Lappen weg

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

2013 wurden so wenige Führerscheine eingezogen wie selten zuvor. Vor der Flensburger Punktereform sind die Autofahrer unsicher.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Die Autofahrer im Kreis werden immer sparsamer – und zwar mit ihrem Flensburger Punktekonto. Darauf deutet die jüngste Statistik der Führerscheinstelle des Kreises hin. Schon lange nicht mehr musste sie so wenige Verwarnungen aussprechen und Aufbauseminare für Verkehrssünder anordnen wie im vergangenen Jahr. Auch ihre schärfste Waffe – den Entzug der Fahrerlaubnis – wendete die Behörde viel seltener an.

114 Mal hieß es 2013: „Der Lappen ist weg.“ Dabei mussten im Jahr 2012 noch 325 Fahrer ihren Führerschein abgeben, vor sechs Jahren waren es mit 429 sogar fast vier Mal so viele wie 2013. Auch die Zahl der Verwarnungen ist gesunken: 463 Hinweise an Autofahrer mit bedrohlichem Punktestand gingen im vergangenen Jahr raus. 2012 waren es noch 541 und vor fünf Jahren 629. Auch die Zahl der Autofahrer, die an einem Aufbauseminar teilnehmen mussten, sank mit 289 Fällen auf ihr niedrigstes Niveau. 2012 mussten das noch 351 tun.

„Wir können uns den Rückgang überhaupt nicht erklären. Vor allem, weil wir mehr Bußgelder denn je haben“, sagt Günter Wischnewski, Leiter des Fachdienstes Verkehr im Kreishaus. Insgesamt nehmen die Verkehrsdelikte also nicht ab. Doch die Vergehen waren offenbar nicht so schwer, dass sie mit Punkten geahndet werden mussten. Wer 18 Punkte erreicht hat, muss seinen Führerschein abgeben. Bei 14 Punkten ordnet die Behörde ein Aufbauseminar an. Damit können Verkehrssünder noch keine Punkte abbauen. Im Gegenteil: Nehmen sie nicht teil, wird der Führerschein eingezogen. Erst nach dem Aufbauseminar können sie durch ein freiwilliges Seminar ihren Punktestand mindern. Auf diese Möglichkeit weist die Führerscheinstelle mit einer Verwarnung bereits bei neun Punkten auf dem Konto hin. Das freiwillige Seminar können Fahrer aber nur einmal in fünf Jahren buchen.

Fahrlehrer Wolf Mahler aus Rendsburg gibt seit Jahren diese Kurse. Viele seiner Kunden nehmen jetzt noch teil, bevor die „Aufbauseminare für Punkteauffällige“ durch die Reform des Flensburger Verkehrszentralregisters zum 1. Mai in „Fahreignungsseminare“ geändert werden. „Es herrscht Unsicherheit vor der Reform“, sagt Wolf Mahler. Viele wissen ihm zufolge nicht, wie ihr Konto aussieht, wenn das System von maximal 18 auf acht Punkte umgestellt wird. Dann gibt es zwar für einzelne Vergehen weniger Punkte, aber es lässt sich mit einem Seminar auch nur noch ein Punkt abbauen – bisher sind es zwei bis vier.

Die meisten Teilnehmer kommen nicht freiwillig zu Wolf Mahler. Einige haben bereits Punkte und haben sich nach einem weiteren Vergehen zum Seminar angemeldet, um ihren Kontostand zu senken, bevor die nächsten Punkte dazukommen. Andere wollen ihren Kindern das Begleitete Fahren ab 17 ermöglichen. Die Begleitperson darf jedoch nur drei Punkte haben. „Da kommt der eine oder andere Papa in Schwierigkeiten“, sagt Mahler.

Das Seminar besteht aus vier Sitzungen und einer Testfahrt. „Dabei geht es um Selbsterkenntnis“, so Mahler. Die Teilnehmer beurteilen ihre Fahrstile untereinander. Die meisten seiner Teilnehmer haben ihre Punkte durch zu schnelles Fahren, telefonieren am Steuer und zu geringem Abstand zum nächsten Auto aufgebaut. Durch das Seminar soll das risikoreiche Verhalten korrigiert werden. Das bleibt auch nach der Reform so. Doch dann muss Mahler nur noch zwei Sitzungen selbst übernehmen. Auf die Punktesünder kommen dann zwei Einzeltermine beim Verkehrspsychologen zu.

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