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Rendsburg-Eckernförde : 1000 Familien haben allein 36 Millionen Euro Schulden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Insolvenzberatung der Diakonie stellt starke Nachfrage fest und verzeichnet viele Versandhaus-Schuldner.

Die Zahl der verschuldeten Haushalte im Kreis verharrt auf einem hohen Stand – zu dem Ergebnis kommt die Evangelische Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle des Diakonischen Werks Rendsburg-Eckernförde. Dem Jahresbericht 2014 zufolge befanden sich 1019 Haushalte in der Beratung. Zusammen haben sie mehr als 36 Millionen Euro Schulden.

Damit ist jede dieser Familien oder Einzelpersonen im Durchschnitt mit 35  389 Euro im Zahlungsrückstand. „Gegenüber 2013 ist dieser Betrag auf einem hohen Niveau geblieben“, sagte Fachbereichsleiter Ulrich Kaminski zur Landeszeitung. In der Vergangenheit war die durchschnittliche Verschuldung gestiegen – 2010 lag sie noch bei rund 34  000 Euro. Damals befanden sich 941 Schuldner in der Beratung, 2013 waren es 1009. Gleichzeitig ist das durchschnittliche Haushaltseinkommen jedoch gering: Mit rund 1490 Euro im vergangenen Jahr stieg es zwar moderat gegenüber 2013 (1463 Euro), doch „das fängt nicht einmal den Anstieg bei den Energiekosten auf“, sagte Telse Hansen. Sie ist Beraterin bei der Diakonie. Der Anstieg sei auf eine Erhöhung der Sozialleistungen zurückzuführen. Das Einkommen befinde sich eher im Sinkflug, 2010 verdienten die Familien noch 140 Euro mehr im Durchschnitt.

„Wir haben eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Schuldner- und Insolvenzberatung festgestellt. Wir sehen darin eine Auswirkung der Finanz- und Wirtschaftskrise“, schreibt Ulrich Kaminski im Bericht. Seine Einrichtung ist für ein Gebiet weit über die Grenzen Rendsburgs hinaus mit 81  000 Einwohnern zuständig. Darin sei der Anteil von Hartz-IV-Empfängern im Vergleich zu den Gebieten der drei anderen Beratungsstellen im Kreis am höchsten.

An erster Stelle stehen bei den Klienten Kredit- und Mietschulden. Aber auch die Zahl derer, die wegen offener Versandhaus-, Telekommunikations- und Energierechnungen in der Kreide stehen, ist hoch und hat gegenüber 2013 zugenommen (siehe Kasten rechts).

Als Hauptursache für die Überschuldung haben die Experten der Diakonie Arbeitslosigkeit festgestellt. Wer seine Stelle verliere, könne eben die Raten für das Eigenheim oder das Auto nicht bezahlen, so Kaminski. An Platz zwei stehe jedoch das Konsumverhalten. Es komme etwa durchaus vor, dass sich Klienten einen teuren Urlaub auf Kredit geleistet haben, berichtete Telse Hansen. Ein weiterer Grund seien Scheidungen, nach denen plötzlich zwei Mieten, ein weiteres Auto oder Unterhalt fällig werden. Es hapere jedoch häufig auch am Wissen um richtige Haushaltsführung, so Hansen. Bei einem Kreditvertrag müssen Interessenten eben unbedingt das Kleingedruckte lesen. Dann würden sie auch erfahren, dass sich die Raten im zweiten Vertragsjahr erhöhen. Auch sei es sinnvoll, ein Haushaltsbuch zu führen. „Allein das Aufschreiben führt dazu, dass man weniger ausgibt“, erklärte Ulrich Kaminski. Sein Tipp ist, sich Beratung zu holen, bevor der Schuldenberg unüberschaubar wird. Dann können er und seine Berater noch beispielsweise mit Privatinsolvenzverfahren helfen.

>Die Beratungsstelle befindet sich an der Prinzenstraße 9 in Rendsburg, sie ist unter Tel. 0  43  31/6  96  30 zu erreichen.

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erstellt am 11.Apr.2015 | 08:00 Uhr

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