Schwerer Unfall : 100 Schaulustige behindern Rettung

An der Bleiche kam es zu dem Unfall. Das Taxi prallte mit voller Wucht gegen den Ampelmast.
An der Bleiche kam es zu dem Unfall. Das Taxi prallte mit voller Wucht gegen den Ampelmast.

Bei einem schweren Verkehrsunfall hatten Rettungskräfte massive Probleme, sich um die Verletzten zu kümmern. Zahlreiche Schaulustige und Familienangehörige behinderten die Arbeit von Polizei und Feuerwehr.

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11. Mai 2015, 05:29 Uhr

Mit ihren Smartphones schossen sie zahlreiche Fotos, filmten das dramatische Unfallszenario kurz vorm Schiffbrückenplatz und standen dabei vor allem Polizei und Feuerwehr im Weg: Rund 100 Schaulustige behinderten die Rettungsarbeiten nach einem schweren Verkehrsunfall am späten Freitagabend in der Innenstadt.

Ein junger Taxifahrer aus Kiel wollte gegen 21.30 Uhr von der Straße An der Bleiche auf den Schiffbrückenplatz abbiegen, als sein Mercedes von einem Kleinwagen gerammt wird. Der 18-jährige Fahrer eines Toyota Yaris war nach Angabe der Polizei mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit unterwegs und schob das Taxi mit voller Wucht gegen einen Ampelmast. Durch den Aufprall wurden zwei Personen in den Fahrzeugen eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden.

Doch die Kameraden hatten es schwer, zu den Verletzten zu gelangen. Denn zahlreiche Menschen behinderten ihnen den Weg. „Wir mussten uns lautstark Platz verschaffen“, sagte Wehrführer Gerrit Hilburger gestern, der mit 25 Einsatzkräften der Feuerwehr vor Ort war.

Es waren aber nicht nur Gaffer, die die Rettungsarbeiten behinderten. Auch Familienangehörige und Freunde der Verletzten erschwerten durch ihr Verhalten die Rettung und Absicherung des Unfallortes. Ein Angehöriger versuchte mit seinem Pkw direkt an die Unfallstelle vorzufahren und lenkte dabei „bewusst und direkt“ auf einen Beamten zu, hieß es gestern von Seiten der Polizei. Um nicht überfahren zu werden, musste der Polizist zur Seite springen. Gegen den Fahrer wird Anzeige erstattet.

Dies blieb nicht der einzige Zwischenfall. Als Mitarbeiter der Imland-Klinik die Verletzten in den Rettungswagen tragen wollten, wurden sie durch die Familienmitglieder derart gestört und bedrängt, dass die Polizei erneut eingriff. Die Feuerwehr unterstützte die Beamten dabei, die teilweise hysterischen Angehörigen und Schaulustigen vom Unfallort fern zu halten. „Wir mussten einiges an Kraft aufwenden, um den Einsatzbereich frei zu halten“, sagte Hilburger. Solche Einsätze seien sehr selten, die hohe Anzahl der Verletzten und der Unfallort mitten in der Innenstadt haben zu den schwierigen Bedingungen beigetragen, so der Wehrführer.

Insgesamt wurden sechs Personen bei dem Unfall verletzt, zwei von ihnen schwer. Der Sachschaden beträgt rund 36  000 Euro.

Die Polizei ermahnt dringend, die Arbeit am Unfallort nicht durch derartiges Verhalten zu erschweren. Angehörige sollten ausreichend Abstand halten und versuchen, Ruhe zu bewahren – so die Empfehlung eines Beamten der Polizeileitstelle Kiel gestern. Für alle anderen gilt: Wenn Rettungskräfte bereits vor Ort sind, zügig vorbeifahren und keinesfalls anhalten. Wer Rettungsmaßnahmen stört, kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro belangt werden.

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