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Imland-Kliniken : „100 Prozent“ Bezahlung gefordert

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Auszubildende der Imland-Kliniken werden nicht nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes entlohnt. Verdi lud zur Diskussion ein.

146 junge Frauen und Männer machen zurzeit eine Ausbildung bei den Imland-Kliniken. Bezahlt werden sie aber nicht nach dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD). Sie erhalten nur 86 Prozent davon – das macht im dritten Ausbildungsjahr ein Minus von fast 200 Euro monatlich. Wie sehr das Thema die jungen Menschen bewegt, zeigte der große Andrang bei einer Diskussionsveranstaltung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Montagabend in der Gaststätte „Schützenhof“ in Groß Wittensee. Mehr als 100 Imland-Azubis waren gekommen, um ihrer Forderung nach Tarifentlohnung Nachdruck zu verleihen. Kira Tapper aus Schleswig ist im ersten Ausbildungsjahr. Sie habe sich vor Ausbildungsbeginn verschiedene Kliniken angeschaut und sich nach einem Praktikum für die Imland-Klinik entschieden, berichtete die 21-Jährige. „Die Ausbildung ist super. Aber wir können nicht weniger als 100 Prozent Leistung geben, und deshalb wollen wir auch 100 Prozent Bezahlung“, sagte Kira Tapper unter dem Beifall der Zuhörer.

Diese Forderung stellt auch Verdi. Die Bezirksgeschäftsführerin Ute Dirks erläuterte zu Beginn der Veranstaltung, dass alle Azubis der Imland GmbH, in der der TVAöD gelten würde, einen Ausbildungsvertrag mit dem Ausbildungszentrum Mittelholstein (AZM) haben. Gesellschafter des AZM ist zu 100 Prozent die Imland GmbH, deren 100-prozentiger Gesellschafter der Kreis Rendsburg-Eckernförde ist. „Das AZM wurde seinerzeit gegründet, um die Ausbildung billiger zu machen“, betonte Dirks. „Wir als Gewerkschafter sagen: Das AZM wurde gegründet, um Tarifflucht zu begehen.“ Kai Dolgner, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, forderte, in einem „überschaubaren Zeitraum von zwei oder drei Jahren“ zu einer Bezahlung nach Tarif zu kommen. In allen Einrichtungen, an denen der Kreis beteiligt ist, müsse der TVAöD gelten, betonte Dolgner.

„Wie werden Pflegeberufe attraktver?“, ist nach Ansicht von Jan Butenschön (FDP) die entscheidende Frage. Wenn das gesparte Geld in die Qualität der Ausbildung investiert würde, stiege auch die Attraktivität des Berufs, meinte er. Aber auch seine Fraktion werde sich dem Thema TVAöD nähern, sagte Butenschön, ohne einen Zeitrahmen zu nennen.

Geld allein steigere die Attraktivität der Pflegeberufe nicht, meinte Konstantinos Wensierski (CDU). Familienfreundliche Arbeitszeiten, eine gesicherte Kinderbetreuung und ein akzeptabler Schichtdienst seien entscheidender dafür, in Zukunft mehr Pflegekräfte zu haben. Wensierski sprach sich dafür aus, sich schrittweise der Bezahlung nach Tarif zu nähern. Der Imland-Geschäftsführer Hans-Markus Johannsen zeigte Verständnis für die Forderung nach 100 Prozent. Zurzeit habe die Imland GmbH das Geld dafür nicht, räumte er ein. Er könne nur das ausgeben, was er habe. Johannsen sprach sich dafür aus, über „einen gestreckten Zeitraum“ zu einer Bezahlung nach Tarif zu kommen. Es sei gut, dass sich die Politik des Themas annehme, betonte er.

„Wir wollen, was uns zusteht“, sagte Ole Sievers, der im dritten Ausbildungsjahr ist. Er wies darauf hin, dass einige Azubis sogar einen Nebenjob angenommen hätten, um über die Runden zu kommen. „Wie viel Lebensqualität bleibt dann noch?“, fragte Sievers.

Fakten

>Zur Imland gGmbH gehören die Kliniken in Rendsburg und Eckernförde mit knapp 800 Planbetten.
>Insgesamt sind hier 2000 Menschen beschäftigt, die täglich über 1000 Menschen versorgen.

> Ausgebildet werden Gesundheits- und Krankenpfleger, außerdem Energieelektroniker, Informatiker und Kauffrauen im Gesundheitswesen.

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