Zwischen Büdelsdorf und Borgstedt : 100 000 Bäume für einen neuen Wald

Abschlussbaum: Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein (l.), Bürgervorsteher Dieter Ellefsen und Borgstedts Bürgermeister Gero Neidlinger (halb verdeckt) legten Hand an. Foto: meu
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Abschlussbaum: Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein (l.), Bürgervorsteher Dieter Ellefsen und Borgstedts Bürgermeister Gero Neidlinger (halb verdeckt) legten Hand an. Foto: meu

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22. März 2011, 08:14 Uhr

Büdelsdorf | Auf den ersten, flüchtigen Blick scheint zwischen Büdelsdorf und Borgstedt, gleich hinter dem Druckzentrum des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, nur ein riesiger Acker zu liegen. Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass hier der größte Neuwald des Landes entsteht. Mehr als 100 000 Bäume sind hier in den letzten Monaten gepflanzt worden, Stieleichen, Traubeneichen, Rotbuchen, Kiefern, Traubenkirschen und 17 weitere Baum- und Straucharten in kleineren Mengen. Schon jetzt von einem richtigen Wald zu sprechen, wäre allerdings stark übertrieben. Die Bäume sind gerade einmal 30 Zentimeter hoch und müssen noch mächtig wachsen.

"Der Plan der Aufforstung ist schon mehr als 20 Jahre alt", sagte Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein, als er gestern zusammen mit Bürgervorsteher Dieter Ellefsen, seinem Borgstedter Kollegen Gero Neidlinger und Kreispräsident Lutz Clefsen den letzten Baum pflanzte. Damit war die Basis gelegt für ein attraktives Naherholungsgebiet mit fast drei Kilometern Wander- und Reitwegen, Waldwiesen und direkter Anbindung zum Treidelweg an der Eider und dem Borgstedter Rundwanderweg. Für Hein ist der Wald zwischen Stadt und Gemeinde mehr als ein weiteres gemeinsames Projekt. "Hier verschmelzen Borgstedt und Büdelsdorf - dieser gemeinsame Wald ist ein Zeichen für die hervorragende Zusammenarbeit."

Insgesamt 600 000 Euro investierte die Stadt Büdelsdorf in ihren neuen Wald. Eine halbe Million wurde für den Kauf von Land ausgegeben, knapp 100 000 Euro kosteten die Pflanzen. Öffentliche Mittel wären zwar zu haben gewesen, die Stadt lehnte jedoch dankend ab. "Aus taktischen Gründen", wie Jürgen Hein verriet. Das bessere Geschäft witterte die Büdelsdorfer Verwaltung bei den Ausgleichsflächen: Wenn bei einer Baumaßnahme Fläche versiegelt wird, muss an anderer Stelle ein Ausgleich zu Gunsten der Natur geschaffen werden. Dafür stellt Büdelsdorf seinen "Nachwuchswald" zur Verfügung - und lässt sich dafür bezahlen, ohne dass sich an den Eigentumsrechten etwas ändert. Die Gemeinde Fockbek und ein privater Investor aus Eckernförde haben das Angebot bereits angenommen, weitere Verhandlungen sind im Gange.

Bis Büdelsdorfer und Borgstedter auf echten Waldwegen spazieren, auf Lichtungen picknicken und unter mächtigen Eichen Pilze sammeln können, werden allerdings noch einige Jahre vergehen, wie der Büdelsdorfer Umweltbeauftragte Dietmar Sieg erläuterte. "Im ersten Jahr wachsen die Bäume nicht. Sie werden nur grün. Danach ist mit einem Wachstum von knapp einem halben Meter pro Jahr zu rechnen." Erst nach sieben Jahren wird der Zaun entfernt, der zurzeit noch verhindern soll, dass Rehe die zarten Pflanzen abfressen. Die Baumreihen wurden bewusst eng gepflanzt, damit die Bäume sich in die Höhe entwickeln. Nach einigen Jahren soll dann Platz im Wald geschaffen werden, damit die Stämme sich auch in die Breite entwickeln können: Jeder zweite Baum wird gefällt. Sieg hält es für realistisch, dass der Wald einmal nicht nur der Erholung dient, sondern auch bewirtschaftet wird.

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