kiel Zentralbad - teuer und umstritten

Von Constanze Emde | 29.11.2012, 03:59 Uhr

Auf Kosten von drei Stadtteilbädern soll 2014 ein zentrales Sport- und Freizeitbad an der Hörn erbaut werden / Kieler bemängeln Lage und Kosten

Die Landeshauptstadt liegt direkt am Wasser und muss mit ihrer einzigartigen Lage noch mehr punkten - so war es nicht nur zuletzt im Wahlkampf zu hören. Doch wenn die Kieler dann auch mal den direkten Wasserkontakt unabhängig vom Strandwetter suchen, sieht es schlecht aus. Das beliebte Lessingbad am Schrevenpark - das einzige in der Innenstadt - wurde 2008 kurzerhand wegen akuten und zu kostenintensiven Sanierungstaus geschlossen. Die Schwimmhalle in Gaarden ist stark marode und baufällig. Wer nicht aufs Ostufer oder in die zeitlich begrenzte Uni-Schwimmhalle will, muss bis nach Schilksee raus, um baden zu können.

Abhilfe soll jetzt das neue Sport- und Freizeitbad an der Hörn schaffen. Doch unumstritten ist das sogenannte Zentralbad in der Landeshauptstadt keineswegs - allein schon wegen der geplanten Lage an einer alten Industriebrache unweit des Arbeitsamtes. Das gern genannte Argument, das neue Bad werde gerade wegen seiner Bus- und Bahnhofsnähe gut besucht, dürfte besorgten Eltern dennoch ein flaues Gefühl bereiten, wenn ihre Kinder nach dem Schwimmen das dunkle Gelände passieren müssen. Doch die Einschätzung teilt Sportdezernent Adolf-Martin Möller nicht: "Das ganze Areal entstehe neu. Wenn alles fertig ist, steht dort keine Beweidung oder Buschwerk mehr."

Ein Problem dürfte es allerdings beim Blick auf die Baukosten geben: Geplant war ein Bad für 17 Millionen Euro, kosten soll es jetzt rund 23,6 Millionen - leichte Abweichungen laut Verwaltungsvorlage nicht ausgeschlossen. Wie kann das die Stadt bei dem hohen Defizit finanzieren? Sportdezernent Adolf-Martin Möller erklärt: "Die Zinsen sind derzeit so niedrig, das können wir uns über einen Abzahlungszeitraum von 30 Jahren leisten." Außerdem habe das Innenministerium signalisiert, dass es seine Zustimmung außerhalb der normalen Kreditfinanzierung genehmige. Möller: "Zusätzlich erhoffen wir uns Fördermittel des Landes von 1,4 Millionen Euro und weitere Einnahmen durch den Verkauf des Geländes, auf dem jetzt noch die Schwimmhalle Gaarden steht." Doch bis die marode Halle geschlossen und abgerissen werden könne, um das Gelände zu verkaufen, dauert es mindestens bis 2016. Denn erst dann sollen die ersten Gäste in die Fluten des neuen Sport- und Freizeitbades springen können.

Doch dann heißt es auch Schluss mit dem Freibad Katzheide. Denn nur bei gleichzeitiger Schließung der beiden Gaardener Bäder gehe die Rechnung auf. Warum wurden die vorhandenen Bäder nicht rechtzeitig saniert, sondern geschlossen um ein Zentralbad zu bauen? Möller: "Alle Bäder sind stark sanierungsbedürftig. Wir haben anfangs versucht, die einzelnen Stadtteilbäder zu modernisieren, doch es fand sich kein privater Betreiber." Katzheide habe allein im vergangenen Jahr 396 000 Euro Minus gemacht, weil die Besucher fehlten. Mit den 2,4 Millionen, die die Stadt jährlich der Tochtergesellschaft Kieler Bäder GmbH zuschießt, sei das nicht machbar gewesen. An der Summe soll sich auch mit dem neuen Bad nichts ändern, wenngleich Möller hofft, dass es billiger werden könnte. "Wir haben dann dreimal soviel Badefläche, einen attraktiven Freizeitbereich für Innen und Außen, Schulschwimmen wird möglich. Ich bin überzeugt, dass mehr Besucher kommen werden." Die Eintrittspreise sollen erst einmal gleich bleiben. Wie das allerdings bei steigenden Energiekosten ist, lasse sich schwer sagen, so Möller.

Steht die Schließung Katzheides fest? Möller: "Wir planen für Januar/Februar 2013 eine Infoveranstaltung in Gaarden, bei der wir über die Defizite und den Sanierungsbedarf mit Bürgern sprechen und auf der Datengrundlage gemeinsam nach Lösungen suchen wollen." Doch ob die Gaardener bereit sind mitzuarbeiten, um ihr Freibad zu erhalten, bleibt fraglich. Die Stadt kann es finanziell neben dem Zentralbad nicht mehr leisten.

Am 4. Dezember geht die Verwaltungsvorlage in den Finanzausschuss, am 13. Dezember wird es Thema in der Haushaltsdebatte der Ratsversammlung. Wird alles wie geplant abgesegnet, sollen im Oktober 2013 die ersten vorbereitenden Maßnahmen auf dem zwei Hektar großen Gelände getroffen werden, richtiger Baubeginn soll 2014 sein.