Experimente im Klassenzimmer Fürs Forschen entflammt

Von Udo Carstens | 25.03.2019, 18:44 Uhr

Physik und Chemie mit dem mobilen Forschungsexpress: Schüler lassen Funken fliegen und verarbeiten Windeln zu Kühlpacks. Alle Experimente dienen dem Zweck, den Nachwuchs mit Naturwissenschaften und Technik vertraut zu machen.



Als die Stichflamme aufflackert, weiten sich die Augen einiger Jungen und Mädchen. Dass Experimentieren so cool sein könnte, das hatten sie nicht erwartet. Und Feuer im Klassenzimmer erst recht nicht. „Ist ja eigentlich nicht erlaubt“, sagt Gerrit Vogel (9). Aber an diesem Tag gilt die Ausnahme. Denn der Kieler „Forschungsexpress“ ist da.

Mit Hilfe des mobilen Labors unter der Schirmherrschaft der Kieler Universität dürfen Grundschüler mit Haut und Haaren entdecken, dass Physik und Chemie nicht nur Teil ihres Alltags sind, sondern auch richtig spannend sein können. Alles was die Drittklässler der Theodor-Heuss-Schule zu einem flammenden Experiment brauchen, sind ein Strohhalm, ein Löffel, eine Kerze, Holzmehl und Eisenpulver. Nicht zu vergessen Schutzbrille und Kittel. Unter Anleitung von Ingenieurin Claudia Herges pusten die Schüler durch den Strohhalm Holzmehl und Eisenpulver in die Kerze. Was dann passiert, notieren die Jungen und Mädchen auf ihren Arbeitszetteln zum Thema Feuer. Sie forschen zu Fragen wie der Brennbarkeit von festen und feinen Materialien. So entdecken sie, dass ein Eisennagel nur zu glühen beginnt, Eisenpulver aber Funken schlägt wie eine Wunderkerze.

Kiels Bürgermeisterin Renate Treutel überzeugt sich selbst davon, wie viel Freude Experimente mit den Grundelementen machen können – sie schaut den Schülern über die Schulter und staunt mit. In der Nachbarklasse etwa schneiden die Kinder Wegwerfwindeln auf, kippen das feine Granulat in ein Glas und geben Wasser hinzu. Eine geleeartige, weiche Masse entsteht. Daraus zaubern die Schüler später Kühl-Packs. Renate Treutel ist beeindruckt – der Einblick bestätigt sie in der Entscheidung der Ratsversammlung, das Projekt für drei Jahre mit 15 000 Euro zu unterstützen: „Man kann gar nicht früh genug anfangen, Kinder für Naturwissenschaften zu begeistern.“ Das Interesse zeige den Erfolg: Allein für 2019 haben sich 22 Schulen um eine Teilnahme beworben.