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Neue EU-Regeln Viele Farben verboten: Wie geht es den Tattoo-Studios in Itzehoe nun?

Von Jonas Bargmann | 26.01.2022, 12:29 Uhr

Seit 4. Januar dieses Jahres dürfen zahlreiche Farben nicht mehr verkauft und verwendet werden, da sie gesundheitsschädlich sein sollen. Die Tattoo-Studios mussten für die neuen Farben tief in die Tasche greifen.

Seit dem 4. Januar gelten für Tattoo-Studios strengere Vorschriften. Künstler dürfen seither diverse Tattoo-Farben nicht mehr verwenden. Grundlage hierfür ist die so genannte REACH-Verordnung, die innerhalb der Europäischen Union (EU) gilt. Sie verbietet die Verwendung zahlreicher Chemikalien, die in fast allen Tattoo-Farben enthalten sind, da sie laut Europäischer Chemikalienagentur (ECHA) als krebserregend gelten oder genetische Mutationen verursachen. In Itzehoer Tattoo-Studios führt dies zu erheblichen Veränderungen.

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Im Tattoo-Studio Lucky Heads im Kremper Weg werden derzeit keine Motive gestochen, die von den verbotenen Farben betroffen sind. „Wir müssen abwarten, bis ein Großteil der Farben lieferbar sind“, heißt es dort. Daher werden aktuell nur Zeichnungen in schwarzer oder grauer Farbe unter die Haut gebracht.

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Der Wert der entsorgten Farben in dem Studio wird auf rund 3000 Euro pro Tätowierer geschätzt. „Die konnte man alle in den Müll werfen.“ Die Kosten für die Neuanschaffung soll sich ungefähr auf das Doppelte belaufen.

Verbot der Tattoo-Farben: Das Warten hat bald ein Ende

Im „Tattoo+Piercing Studio“ im Sandberg werden die Termine durch das geltende Verbot neu strukturiert oder umgeplant. „Bei großen Farbprojekten besteht beispielsweise die Möglichkeit, die Konturen, Schattierungen und Schwarz-Weiß-Arbeiten zu erledigen. Diese Vorarbeiten sind ja für das fertige Motiv ohnehin notwendig“, sagt Sven ‚Maddy' Matthießen. Auch er ist von dem Verbot massiv betroffen. Rund 40 Prozent seiner Arbeiten sind Cover Ups – das Übertätowieren eines vorherigen Motivs. „Für sowas brauchst du natürlich die Farben.“

Laut Matthießen, der seit mehr als 25 Jahren tätowiert, hat das Warten allerdings ein baldiges Ende. „Wir warten lediglich auf die Freigabe der Farben.“ Ab Mitte Februar soll seiner Meinung nach mit World Famous Ink einer der führenden Hersteller REACH-konforme Farben in Deutschland verkaufen dürfen. Diese seien dann zertifiziert und würden den Vorgaben entsprechen.

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