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Probleme mit Adler-Wohnen Hunderte Mieter in Hochhäusern am Holstein-Center ohne Heizung

Von Andreas Olbertz | 28.05.2021, 07:30 Uhr

Wohnungen, Praxen, die Geschäfte im Holstein-Center und auch die Staatsanwaltschaft sind von dem Defekt einer Pumpe betroffen.

Herta Jürgens sitzt in ihrem Sessel. Die 98-Jährige hat eine dicke Wolldecke auf ihren Beinen liegen, ein elektrischer Heizlüfter pustet mit voller Kraft und trotzdem friert sie: Seit Freitag vergangener Woche funktioniert die Heizung nicht, Warmwasser hat sie ebenfalls keins. „Der Puster ist die ganze Nacht durchgelaufen, sonst hätte ich es gar nicht ausgehalten“, erzählt sie. Die Rentnerin trägt ihr Schicksal mit Fassung: „Ich muss halt mit dem Heizlüfter zufrieden sein.“

Mit ihr frieren viele hundert weitere Itzehoer – sie alle sind Mieter der Adler-Wohnen in den beiden Hochhäusern über dem Holstein-Center. Auch die Staatsanwaltschaft in dem angrenzenden Gebäude ist betroffen. Und in dem Komplex ist die Heizung ausgefallen. Mal wieder.

„Das haben wir öfter“, erzählt Dagmar März. Sie betreibt in der Brunnenstraße 5 einen ambulanten Pflegedienst und eine Wohngruppe. Sie hat die komplette zweite Etage gemietet. „Aber sonst ist das höchstens mal für einen Tag“, berichtet sie. Gleich am Freitag informierte sie den Hausmeisterservice – ein externes von Adler engagiertes Unternehmen. „Wir sind am Ball“, wurde ihr versichert. Weil aber am Dienstag immer noch keine Wärme da war, wandte sie sich direkt an den Vermieter. „Oh, das geht ja gar nicht. Ich schicke jemanden vorbei“, wurde ihr versichert. „Da musste ich innerlich schon lachen, weil ich wusste, dass nichts passieren wird“, berichtet die Unternehmerin.

Sie hat mit dem Vermieter schon so ihre Erfahrungen. Im März mussten bei ihr Brandschutz-Türen eingebaut werden. „Ich durfte mir sogar die Farben aussuchen“, so März. Ein Unternehmen wurde zwar mit dem Einbau beauftragt, führte die Arbeiten aber nicht zu Ende. Die Türen wurden eingebaut, über den Zargen klaffen seitdem allerdings breite Spalten, aus denen Dämmwolle quillt. An einigen Stellen wurde zwar verputzt, aber nicht gemalt. Eine Tür fehlt, weil sie falsch geliefert worden war. März: „Deshalb kann ich eine Wohnung nicht belegen.“ So entgehen ihr jeden Monat 850 Euro. Angeblich würden viele Unternehmen nicht mehr für Adler arbeiten wollen, weil der Konzern eine so schlechte Zahlungsmoral habe.

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Dagmar März hat 17 Angestellte und in der Brunnenstraße 15 zu pflegende Personen, die jetzt frieren – Alte, Kranke, Pflegebedürftige. „Ich finde es unverantwortlich, was die Adler mit uns macht“, ärgert sich März: „Wir sind bemüht, es hier trotzdem so gemütlich zu machen wie möglich.“ Dazu gehört, dass sie reichlich Heizlüfter aufstellt. „Wir gehen jeden Morgen mit Wasserkocher von Zimmer zu Zimmer. Duschen ist nicht. Wir können zurzeit nur notdürftige Körperpflege machen“, berichtet sie von ihrem Pflegealltag.

„Das ist bei der Adler alles bekannt, aber es passiert nichts.“
Heinz Necke, Mieter

Heinz Necke ergeht es ähnlich. Er wohnt in dem anderen Hochhaus am Feldschmiedekamp 4. Er nimmt die Situation mit einem gewissen Galgenhumor: „Ich bin Bundeswehr erprobt. Mir macht es nichts aus, mit kaltem Wasser die Haare zu waschen.“ Einen Teil seiner Mieter habe es noch schlimmer erwischt als ihn. „Die haben schon seit acht Wochen kein Heißwasser, weil dort ein Hauptstrang kaputt ist.“, weiß er zu berichten: „Das ist bei der Adler alles bekannt, aber es passiert nichts.“

Pumpe defekt

Im konkreten Fall soll ein Pumpe defekt sein. 250.000 Liter Öl werden im Keller gebunkert. Die Heizungsanlage befindet sich aber im 20. Stock des Feldschmiedekamp-Hochhauses – da kommt es ohne Pumpe nicht hin, also bleibt das komplette Areal kalt.

Eine Anfrage beim Adler-Pressesprecher blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.