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Kreis Pinneberg : Katastrophenschutz in der Region

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sturmflut, Erdbeben, Flugzeugabsturz – in den Köpfen der Verantwortlichen werden all diese Szenarien durchgespielt.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | „Als die beiden Orkane Christian und Xaver im vergangenen Herbst wüteten, haben wir uns gefragt, ob wir für den Kreis Pinneberg die Katastrophenlage ausrufen“, berichtete Uwe Koltzau von der Kreisverwaltung. Dann jedoch habe man sich dagegen entschieden, sagte Koltzaus Kollege Jürgen Tober.

Koltzau und Tober leiten gemeinsam mit vier weiteren Mitarbeitern der Verwaltung den Führungsstab des Katastrophenschutzes im Kreis Pinneberg. Über sich haben sie in der Hierarchie nur noch den Landrat stehen, der im Fall einer Katastrophe das Sagen hat. Aber eine Katastrophe, bei der die Gefahr für die Bevölkerung so groß ist, dass eine zentrale Organisation erforderlich ist, habe es im Kreis schon lange nicht mehr gegeben, sagte Tober: „Wir arbeiten hauptsächlich präventiv, sind aber für fast alles gerüstet.“ Schließlich wird der Katastrophenschutz nicht erst aktiv, wenn die gesetzlich definierte Katastrophe eintritt, sondern leistet schon vorher Hilfe – etwa während der Orkane oder als 2007 ein Zug mit Chemikalien bei Tornesch entgleiste.

Zirka zwölf Jahre ist es her, dass man sich im Kreis Pinneberg dazu entschloss, dem Katastrophenschutz eine neue Struktur zu geben. Inzwischen verfügt dieser über einen eigenen Raum in der Rettungsleitstelle, zahlreiche Hilfsmaterialien und etwa 100 geschulte Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung.

Als vor wenigen Wochen eine Phosphorgranate in Hasloh gefunden wurde, ist nichts Schlimmes passiert. „Aber das hätte auch anders sein können“, sagte Tober, „wir sind auf den schlimmsten Fall vorbereitet.“

Damit meine er, dass alle am Katastrophenschutz Beteiligten an Fortbildungen und Übungen teilnehmen würden – Sturmfluten, Flugzeugabstürze, Erdbeben und viele weitere Szenarien haben sich in den Köpfen der Katastrophenschützer bereits ereignet. „Damit wir im Ernstfall wissen, was zu machen ist“, sagte Koltzau.

Geübt wird aber nicht nur theoretisch, sondern auch mit Statisten und Requisiten: So wurde 2012 in Elmshorn ein Zugunglück simuliert und im vergangenen Jahr bildeten sich Mitarbeiter der Kreisverwaltung für den Fall fort, dass es zu einem Erdbeben im Kreis Pinneberg käme. „Wir haben schon sämtliche Ereignisse durchgespielt und den Kreis für den Ernstfall vorbereitet“, sagte Tober.

Dies sieht man auch den Katastrophenschutzräumen in der Rettungsleitstelle an. Dort herrscht Ordnung. Jedes Namensschild, jeder Karton und jedes Gerät hat seinen festen Platz. „Diese Organisation im Vorfeld ist wichtig, damit keine wertvolle Zeit verloren geht“, erläuterte Tober.

Im zentralen Raum kommen Vertreter aller Einheiten zusammen. Dort hängen eine Wasserstandskarte und Leinwände an den Wänden, auf die aktuelle Informationen projeziert werden. „Hier geht es vor allem um Koordination. Deshalb muss jeder den aktuellen Stand kennen, denn wir organisieren von hier aus gemeinsam, was die Einsatzkräfte vor Ort leisten sollen“, berichtet Koltzau.

Aber auch außerhalb der Leitstelle wurden Vorbereitungen getroffen. Für den Fall einer Flut in der Haseldorfer Marsch gebe es dort Evakuierungspunkte und auch die Route, die dabei von Bussen gefahren werde, sei festgelegt. Außerdem sei eine Sandsack-Füllmaschine angeschafft worden. „Die haben wir im vergangenen Jahr verliehen, um bei der Elbeflut zu helfen“, berichtete Koltzau.

Das Ereignis, für das sich die Katastrophenschützer derzeit rüsten wollen, ist ein langanhaltender Stromausfall. „Das will ich wirklich nicht erleben“, sagte Tober. Wenn man diesen Fall in der Theorie betrachte, gehe man von Plünderungen in Supermärkten aus und von Tieren, die sterben, weil etwa das Melken ohne Strom nicht mehr funktioniert. „Wir sind inzwischen alle vom Strom abhängig, aber kaum einer sorgt für den Fall vor, dass dieser mal ausfällt.“ Notstromaggregate seien selten. „Und unsere Aufgabe wäre es, die Bevölkerung vor Gefahren zu schützen und ihr zu helfen. Aber nicht, Strom für alle bereit zu halten“, sagte Tober. Eine Frage, die sich die Katastrophenschützer derzeit stellten, sei es, wie sie Menschen ohne Strom überhaupt erreichen könnten, denn „wer hat schon ein batteriebetriebenes Radio?“

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