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Ein Artikel der Redaktion

Bundestagswahl 2021 Warum Schleimünde der Knackpunkt für den Küstenschutz sein könnte

Von Rebecca Nordmann | 05.09.2021, 12:48 Uhr

„Lasst uns unsere Küste schützen!“ – im Fall von Schleimünde scheint der Aufruf der SPD angebracht zu sein. Dass die Situation kritisch ist und wie man ihr begegnen könnte, sollte ein Abend auf der „Schlei Princess“ zeigen.

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Der Ort war gut gewählt, die Protagonisten adäquat ausgesucht: Eineinhalb Stunden lang hörten die knapp 40 Gäste an Bord der „Schlei Princess“ eine anregende und in Teilen leidenschaftliche Debatte, deren Titel „Lasst uns unsere Küste schützen!“ schon Aufrufcharakter hatte. Und in Kappeln scheint das schon seit Längerem besonders bei der Halbinsel Schleimünde angebracht zu sein. Wie passend, dass die „Schlei Princess“ ihre Gäste eben dorthin fuhr. Eine Patentlösung zum Küstenschutz stand am Ende der 90 Minuten Fahrt zwar nicht, aber das war erstens auch nicht zu erwarten und zweitens kann es manchmal schon helfen, einfach nicht locker zu lassen.

Ex-Bundesumweltministerin Hendricks an Bord

Franziska Brzezicha, Bundestagskandidatin der SPD im Wahlkreis 1 und an diesem Abend unterstützt vom Kappelner Ortsverein, hatte ihre Parteikollegin, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks eingeladen, die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Flensburg, Karen Clausen-Franzen, sowie Philipp Zülsdorff als Vorsitzenden des Vereins Naturnaher Wasserwanderplatz Schleimünde. Und während sich Brzezicha als aufmerksame Moderatorin präsentierte, lieferte Hendricks den globalen Blick, Clausen-Franzen die Sicht der Landwirte und Zülsdorff sprach als lokaler Verfechter für den Erhalt der Lotseninsel. Und jeder zeigte sich firm auf seinem Gebiet.

„Jedes Land ist verpflichtet, das zu tun, was es finanziell und technologisch tun kann, um die Erderwärmung zu begrenzen. Es ist jede Anstrengung wert.“
Barbara Hendricks, Bundestagsabgeordnete und Ex-Bundesumweltministerin

Pariser Klimaabkommen

Barbara Hendricks, in deren Zeit als Ministerin die Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens fiel, fasste eben jene Vereinbarung mit prägnanten Worten zusammen: „Jedes Land ist verpflichtet, das zu tun, was es finanziell und technologisch tun kann, um die Erderwärmung zu begrenzen.“ Und ihre eigene Überzeugung schob sie hinterher: „Es ist jede Anstrengung wert.“

„Seit 30 Jahren wird von der Seeseite immer weiter Land abgetragen. Und nach jedem Sturm fehlt wieder ein Stück mehr.“
Philipp Zülsdorff, Naturnaher Wasserwanderplatz Schleimünde

Online-Petition zur Rettung von Schleimünde

Davon kann Philipp Zülsdorff bereits einige vorweisen, wenn es um Schleimünde geht. Wie die Situation der Halbinsel, die die Schlei von der Ostsee trennt, aussieht, beschrieb er deutlich: „Seit 30 Jahren wird von der Seeseite immer weiter Land abgetragen. Und nach jedem Sturm fehlt wieder ein Stück mehr.“ Die Kläranlage der Insel, die nach Zülsdorffs Worten ursprünglich in einen Hügel eingebaut war, stehe inzwischen frei, immer mehr Bäume würden Halt verlieren und ins Wasser fallen. Vor knapp zwei Jahren hatte Zülsdorff daher die Initiative „Schleimünde retten“ ins Leben gerufen und sammelt seitdem in einer Online-Petition Unterschriften, um die Funktion der Halbinsel als Hochwasserschutz für dahinterliegende Bereiche wiederherzustellen.

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„Eventuell werden wir landwirtschaftliche Flächen mit Voranschreiten des Klimawandels aufgeben müssen.“
Karen Clausen-Franzen, Kreisbauernverband Flensburg

Dass auch die Landwirtschaft unter dem steigenden Wasserspiegel leidet, verdeutlichte Karen Clausen-Franzen, die ihren Schleswiger Kreisvorsitzenden Klaus-Peter Dau vertrat. Sie betonte: „Eventuell werden wir landwirtschaftliche Flächen mit Voranschreiten des Klimawandels aufgeben müssen.“ Und sie signalisierte Bereitschaft, solche Flächen in Moore umzuwandeln. Clausen-Franzen: „Moore sind die großen Klimasenker. Die Landwirtschaft verändert sich, und die Landwirte sind bereit dazu.“

Das Podium diskutierte untereinander und auch mit dem Publikum. Philipp Zülsdorff erläuterte etwa auf Nachfrage, dass sich die Situation in Schleimünde aufgrund zunehmender Ostwindlagen und verschobener Sandfrachten verschärft habe. Und er blieb dabei: „Das, was dort passiert, hat Konsequenzen. Und die sind greifbar.“ Er wünschte sich Gutachten und die Auseinandersetzung mit Beispielen, wie andere betroffene Regionen mit der Herausforderung umgegangen sind. Und während es für Zülsdorff offenbar gerne schneller gehen könnte, was die Klima- und Küstenschutzbemühungen betrifft, gab sich Barbara Hendricks optimistisch. „Wir sollten zuversichtlich sein“, sagte sie. „Aber wir sollten handeln.“

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Klimaschutz als Gemeinwohlaufgabe

Diesem Handeln verschloss sich niemand, der auf dem Podium saß, so sprach Karen Clausen-Franzen etwa davon, dass die Landwirtschaft die Düngemengen in der Vergangenheit bereits deutlich reduziert habe – in dem Bewusstsein, dass auch sie zu den Verursachern des Klimawandels zähle. Und anknüpfend an dieses Verständnis für Schritte, die gegangen werden müssen, will man sich ans Klimaabkommen halten, formulierte Barbara Hendricks schließlich einen eindringlichen Appell: „Am Ende geht es darum, die Gemeinwohlaufgabe Klimaschutz über Einzelinteressen zu stellen.“