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Konzert in Niebüll : Jazz und Lyrik mit Tiefenwirkung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bewegender Kulturabend im Haizmann-Museum: Leslie-Meier-Trio zeigt die vielen Facetten der Werke von Peter Rühmkorf.

Wer den Lyriker Peter Rühmkorf (1929-2008) nur noch vage in Gedächtnis hatte, dem ist er am Sonnabend im Richard-Haizmann-Museum (RHM) an einem denkwürdigen Abend nachhaltig in Erinnerung gerufen worden. Zu verdanken ist dieser der Literaturwissenschaftlerin und Vorsitzenden des Vereins der RHM-Freunde Dr. Karin Tuxhorn. Sie hatte Kontakt mit Peter Missler, Dozent für Saxophon und Obertongesang sowie Mitglied des Leslie-Meier-Trios, das mit seinem Rühmkorf-Programm erfolgreich durch die Bundesrepublik, Österreich und die Schweiz tourt und dank der Vermittlung der Wahlnordfriesin Station in der kunstfreudigen Stadt Niebüll machte.

Sie erinnerte daran: Peter Rühmkorf gilt als einer der bekanntesten deutschen Lyriker nach Kriegsende. Zusammen mit Literaturgrößen wie Böll, Enzensberger, Lenz, Schnurre, Jens und Grass gehörte er der legendären „Gruppe 47“ an, die Spuren in der deutschen Nachkriegsliteratur setzte. Rühmkorf schrieb Gedichte und Essays, die inhaltlich und formal eine beachtliche Bandbreite umfassten und bisweilen an unvergesslichen Ereignissen festzumachen waren, die zeitlich einen weiten Bogen überspannen.

Der Schriftsteller peppt vermeintliche Banalitäten mit Zutaten wie Beef, Rührei zu einem deftigen Mittagstisch auf und sagt „Mahlzeit“. Bisweilen lässt er auch seine Liebe zum deutschen Volkslied anklingen, die der Pianist Ulrich Jokiel, Maler und Autor und bekannt vom Düsseldorfer Kommödchen, mal mit Matthias Claudius‘ „Abendlied“, mal mit dem ostpreußischen „Ännchen von Tharau“ von Simon Dach ebenso behutsam wie feinfühlig anschlägt, während der Literaturwissenschaftler Bernd Rauschenbach inhaltlich abgewandelte Texte rezitiert. An die Freunde der „schönsten Nebensache der Welt“ hat der Schriftsteller (selbst Fußballfan?) auch gedacht und erinnert an die großen Zeiten der Kicker wie Jürgen Klinsmann, Andy Brehme und Rudi Völler.

Doch noch etwas anderes war das Besondere an diesem Abend, der nicht nur ein literarisches, sondern auch musikalisches Event war und dem angekündigten Motto „Jazz und Lyrik“ gerecht wurde. Peter Rühmkorf hat einen Teil der Gedichte selbst vertont. Zu anderen Texte steuerte das Trio Eigenkompositionen und Jazz-Variationen bei.

Doch wurde (leider) auch ein akustischer Mangel deutlich. Das RHM, einst Rathaus und Arbeitsplatz der örtlichen Administrative, genügt zwar den Ansprüchen des heutigen Museums, jedoch aber nicht den Ansprüchen von Musik und Sprache, wenn sie gemeinsam geboten werden. Die Folge: Die Musik dominierte, der Sprache war nur in Wortfetzen zu folgen, so dass die eine oder andere Feinheit – und zuweilen auch Derbheit – der Sprache gar nicht erst den Weg ins Gehör fand. Es blieb dennoch ein erinnernswerter Abend, von dem vieles nachklingen wird.

Ob es der „einmal etwas andere“ Peter Rühmkorf war, der messerscharfe Beobachter und Kritiker seiner Zeit, der zuweilen mal von Ängsten befallene, mal mit Geistesblitzen überraschende Erzähler oder eben nun der Lyriker in der Tradition seiner deutschsprachigen Vorbilder – das bleibt dem Besucher dieses Abends überlassen, eines Abends, von den es auch heißen könnte: nur ein Abend mit dem Lyriker Peter Rühmkorf ist nicht genug. 

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