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Heide in Dithmarschen : Jagdverband erklärt: Darum tauchen Wildschweine in der Stadt auf

vom
Aus der Onlineredaktion

Vier Menschen wurden bei einer Wildschwein-Attacke in Heide verletzt. Was kann man tun, wenn man den Tieren begegnet?

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 14:43 Uhr

Heide | Nachdem zwei Wildschweine am Freitag in Heide mehrere Passanten in der Innenstadt verletzt haben, stellt sich die Frage: Wie gefährlich sind Wildschweine für Menschen? Zur Konfrontation in Siedlungsräumen  kommt es eher selten. Gefahr besteht dann, wenn man dem Muttertier, der Bache, mit Frischlingen zu nahe kommt. In Dithmarschen wurde es auch ohne Jungtiere auf offener Straße gefährlich.

Was kann man tun, wenn man welchen begegnet? „Aus dem Weg gehen und in Ruhe lassen und bloß nicht in Bedrängnis bringen“, sagt Marcus Börner, Pressereferent beim Landesjagdverband. Viel mehr könne man nicht tun. Das aggressive Verhalten der Tiere sei nicht verwunderlich. Sie hätten schließlich Angst. Für die Wildschweine bedeutet die Situationen zwischen Mauern, Neugierigen und Straßen reiner Stress.

Es komme allerdings immer mal wieder vor, dass sich die Tiere, die sich in den letzten Jahrzehnten in Schleswig-Holstein stark ausgebreitet haben, in die Stadt verirren. Ausschlaggebend für die Verirrung in Heide könnte der abrupte Verlust von Lebensraum durch die Maisernte sein. Das hält auch Heides Stadtjäger Horst Allwardt für möglich. „Überall ist jetzt Erntezeit. Es wird gehäckselt und wenn die Wildschweine aufschrecken, toben sie los.“ Allwardt geht davon aus, dass die Keiler mehrere Kilometer unterwegs waren, ehe sie das Stadtgebiet erreichten. „Wenn die heiß gelaufen sind, ist das für Menschen eine richtig gefährliche Situation. Bisse des großen bunten Keilers sind tödlich.“

Sparkassen-Mitarbeiter Werner Marten-Hansen, der selbst in Heide vor Ort war, ist ebenfalls Hobby-Jäger: „Die Tiere sind schnell und wendig. Sie besitzen rassiermesserartige Zähne und können schwerste Verletzungen hervorrufen.“

Vor allem im Südosten des Landes sind die Populationen groß. Nicht jedoch in Dithmarschen. Während im Herzogtum Lauenburg und Ostholstein pro Jagdjahr mehrere Tausend Wildschweine erlegt werden, waren es in Dithmarschen 2015/16 nur 30, 2016/17 bislang 36. Das Ereignis am Freitag, das süffisanterweise auf den ersten Tag der Dithmarscher Wildwoche in Heide fällt, sei aber auch ein Indiz dafür, dass die Wildschweine im Westen weiter auf dem Vormarsch seien.

Land fordert vermehrte Abschüsse wegen Pestgefahr

Aufgrund der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest hatte das Landwirtschaftsministerium in Kiel im September die Jägerschaft aufgerufen, das Schwarzwild-Monitoring zu intensivieren. Zudem sind die Waidmänner gehalten, zur Bestandsreduzierung verstärkt Wildschweine zu bejagen. Damit seien die Jäger jedoch schon allein aus Zeitgründen überfordert, sagt Börner. Man könne Wildschweine effektiv nur im Dunkeln bejagen und dafür sei Vollmondschein, gutes Wetter oder Schnee notwendig. Für die so genannte Erntejagd am gerade gehäckselten Maisfeld müssen Hobby-Jäger neben dem Beruf auch erstmal die Zeit finden.

Sollte sich die Schweinepest ausbreiten, würden die Katastrophenpläne Methoden zulässig machen, die mit der klassischen Jagd nichts mehr zu tun haben, da ist Börner überzeugt. Neben der Erlaubnis von Nachtsichtgeräten – wie in Bayern aufgrund der nahenden Pest genehmigt – stünde wohl auch der Gebrauch von Saufängen im Raum. In Polen nutzt man solche reusenartigen Holzverschläge mit Mais als Lockmittel und Falltor bereits. Diese können mit einem Schlag ganze Rotten wie einen Fischschwarm zur Tötung einfangen. Als Versuchsprojekt gibt es die unwaidmännische Methode auch in Baden-Württemberg.

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