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VHS Brunsbüttel Volkshochschule ist Multikulti

Von Jens Neumann | 17.09.2018, 10:45 Uhr

Die Leiterin Elke Schmidt-Wessel arbeitet ab Januar 2019 ihre Nachfolgerin ein.

Sechs Jahre ist es her: Am 1. Oktober 2012 hat Elke Schmidt-Wessel die Leitung der Volkshochschule in der Schleusenstadt von Wolfgang Plüghan übernommen. Am 31. März 2019 geht sie selbst in den vorgezogenen Ruhestand.


Frau Schmidt-Wessel, haben Sie schon einen Nachfolger gefunden?
Ja, nach mehreren Auswahlrunden aus über 50 Bewerbungen haben sich der VHS-Vorstand und der Hauptausschuss der Stadt im Juni entschieden. Meine Nachfolgerin ist derzeit stellvertretende Direktorin einer größeren kommunalen Volkshochschule in Ostwestfalen. Sie kommt am 2. Januar und übernimmt spätestens am 1. April die alleinige Leitung. Ich bin mit dieser Wahl übrigens sehr zufrieden. Da kommt eine sehr erfahrene Kollegin mit viel Lust auf die neue Aufgabe.

Als gemeinnützig anerkannter Verein ist die VHS Brunsbüttel fast ein Wirtschaftsunternehmen. Welche Bedeutung haben Elbeforum, Stadtgalerie und Heimatmuseum?
Die Volkshochschule ist ganz klar das Mutterschiff und gibt mit ihrem Kernanliegen, nämlich Erwachsenenbildung, die Richtung für alle „Satelliten“ vor. Nur Party, Comedy und Laienkunst sind mit uns nicht zu machen. Insbesondere das Elbeforum ist ein ziemlicher Brocken mit einer größeren Haushaltssumme als die Kern-VHS selbst. Und natürlich sind die Angebote von weit überörtlicher, besonders im Fall der Stadtgalerie von weit überregionaler Bedeutung. Zusammen mit dem Heimatmuseum, dem Schleusenmuseum „Atrium“ und den Gästeführungen im Schleusen-Informationszentrum sind wir nicht nur ein ansehnlicher Arbeitgeber mit immerhin 24 hauptberuflichen Mitarbeitenden, etwa 40 geringfügig Beschäftigten und über 100 freiberuflichen Lehrkräften, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Menschen – und damit Kaufkraft – nach Brunsbüttel zieht.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen der vergangenen sechs Jahre?
Zunächst sicher die Haushaltskonsolidierung. Kaum war ich im Amt, fand ich mich mit externen Unternehmensberatern konfrontiert. Schließlich zählt die öffentliche Unterstützung für alles, was wir hier tun – vom Theaterbetrieb über die Stadtgalerie und das Heimatmuseum bis hin zur Kern-VHS – zu den freiwilligen Leistungen, bei denen die Stadt den Rotstift ansetzen kann. Dann natürlich die Notwendigkeit, vor drei Jahren einen neuen Fachbereich „Deutsch als Zweitsprache“ quasi aus dem Nichts zu schaffen. Unser gesamtes Team hat sich in diese Aufgabe gestürzt und öffentliche Aufträge der Bundesagentur für Arbeit übernommen, die eine Bezahlung erst nach Abschluss der mehrere Monate dauernden Kurse vorsahen. Ende 2015 waren wir mit unserer Liquidität so weit herunter, dass wir auf die rettenden Spenden einiger Großbetriebe, privater Spender und der Macher des „Moin Refugees“-Konzerts angewiesen waren.

Politik ist eines Ihrer großen Steckenpferde: Warum haben Sie sich entschieden, für die Ratsversammlung zu kandidieren?
Weil ich Brunsbüttel liebe! Hier ist seit mehr als 40 Jahren mein Lebensmittelpunkt, und ich will hier zufrieden und glücklich alt werden können. Dafür muss ich aber etwas tun, etwa indem ich mich für den Erhalt, teilweise auch Ausbau von Strukturen einsetze. Für mich ist das Ehrensache und Bürgerpflicht.

Werden Sie den Politischen Club im Heimatmuseum weiterführen?
Nein, der Politische Club soll sich immer wieder auch Themen der Kommunalpolitik widmen. Da würde es sich nicht gehören, wenn mir die VHS ein solches Forum bieten würde. Im Heimatmuseum möchte ich aber zukünftig gern ehrenamtlich mitarbeiten: Vielleicht kann ich helfen, die Inventarisierung etwas voranzubringen.

Eigentlich wollten Sie den „Ruhestand“ für Ihr zweites Standbein, die Fachschriftstellerei, nutzen. Bleibt dafür noch Zeit?
Ja sicher – die 50 Wochenstunden, die ich jetzt für die VHS aufwende, wird die Politik nun doch nicht ganz erfordern. Einige Lehrbücher, die ich geschrieben oder zu denen ich Beiträge geleistet habe, müssen überarbeitet werden. Außerdem sind neue Projekte geplant. Darauf freue ich mich schon, denn ich schreibe gern – auch wenn’s in diesem Fall nur Fachliches und keine Belletristik ist. Vielleicht kommt die aber auch noch. Einige literarische Skizzen liegen schon in der Schublade.

Lebendig, bunt, vielfältig: So haben Sie die VHS im Vorwort des jüngsten Programmheftes beschrieben. Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin und Ihrem alten Team?
Dass sie sich rasch „zusammenraufen“ und ansonsten nicht beirren lassen. Volkshochschule war schon buntes Multikulti, bevor dieser Begriff überhaupt erfunden war, und die Bedürfnisse der Menschen, für die wir unser Programm machen, waren immer wichtiger als die Frage, womit man schnell viel Geld verdienen kann. So soll es bleiben dürfen, auch wenn der ökonomische Druck wächst. Und ich wünsche den Kollegen eine glückliche Hand bei der Auswahl der zukünftigen Themen und Angebote.