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Große Sorgen um Kinder Petition: Eltern fordern Tempo 30 am Itzehoer Sandberg, in Fehrsstraße und Kaiserstraße

Von Lars Peter Ehrich | 18.08.2022, 19:30 Uhr

300 Unterstützer müssen sie finden: Itzehoer Eltern wollen per Petition ein Tempolimit vor Schulen und Kitas durchsetzen. Betroffen wären der untere Sandberg sowie die Fehrsstraße und Kaiserstraße auf der gesamten Länge.

Kurze Pause im Gespräch. Ein großer Laster brummt in der Fehrsstraße vorbei, laut und nicht gerade langsam. Kurz darauf kommt der nächste – die Vertreter einer Eltern-Initiative müssen nicht groß erklären, warum sie sich Sorgen machen. Sie fordern für den Zeitraum von 7 bis 17 Uhr Tempo 30 am Sandberg ab Ochsenmarktskamp sowie in der gesamten Fehrs- und Kaiserstraße. Dafür haben sie eine Petition gestartet.

Unübersichtliche Kurve

Rund 4000 Kinder besuchten in dem Bereich täglich Schulen und Kindergärten, so hat es die Initiative Verkehrssicherheit für Kinder (VSK) in einer Präsentation für das Rathaus vorgerechnet. Auf den Straßen ist viel Verkehr unterwegs, aus ihrer Sicht zu schnell. Lkw-Fahrer würden durch die Navigation über diese Route geleitet – in der Kurve vom Sandberg in die Fehrsstraße werde gebremst, bei der Fahrt geradeaus eher nicht. Besagte Kurve sei unübersichtlich, viele Kinder gingen aber dort über die Straße und nicht an der Fußgängerampel am Sandberg.

Die war im Mai ausgefallen, ein Zehnjähriger wurde angefahren. „Zum Glück ist er nicht schwer verletzt worden“, sagt Johanna Ludwig (38, zwei Kinder an der Fehrs-Schule, zwei im Kindergarten Fehrsstraße). Bald darauf gab es einen Unfall mit einer Radfahrerin an der Ecke Sandberg/Großer Wunderberg. Sie habe schon so viele brenzlige Situationen beobachtet:

„Jeden Morgen denke ich, das kann nicht angehen.“
Johanna Ludwig
Initiative Verkehrssicherheit für Kinder

Da sind sie alle einer Meinung: Christin Duns (39, ein Kind an der Fehrs-Schule), Dimi Zonios (Schulelternbeirat Fehrs-Schule, ein Kind dort), Madlen Harder (30, Schulelternbeirat Kaiser-Karl-Schule, ein Kind dort) und Christoph Lietz (Elternvertreter an der Kita Mose, ein Kind dort). Er sagt: „Es sind so viele Kitas und Schulen in einem Bereich.“ Kontakt besteht auch zum katholischen Kindergaraten am Coriansberg, zur Klosterhof-Schule und zur Auguste-Viktoria-Schule.

Unfallstatistiken ausgewertet

Das Problem der Fehrs-Schule sei automatisch ein Problem der weiterführenden Einrichtungen, sagt Harder. Von den Bushaltestellen am Sandberg, Höhe Ochsenmarktskamp, müssten die Kinder in jedem Fall die Straße queren, so Lietz. Und am anderen Ende des Bereichs werde seit anderthalb Jahren um Tempo 30 vor der Kita Mose gekämpft. Die Initiative schaute sich auch die Unfallstatistik der vergangenen Jahre an. Lietz:

„Es ist auffällig, dass mehr in den 50er-Bereichen passiert als in den 30er-Bereichen.“
Christoph Lietz
Initiative VSK

Die Kinder sollten eigenständig zur Schule gehen, und nicht von den Eltern gefahren werden, damit sie sicher ankommen, betont Duns. Das bringt nur noch mehr Verkehr – „eine Problemspirale“, sagt Harder. Wieder Duns: „Da muss etwas passieren. Es geht hauptsächlich darum, dass das Thema mit größer Priorität angegangen wird.“

Petition läuft

Von ihr stammt die Idee für die Petition, im April hatte die Stadt das Beteiligungsformat gestartet. „Wir waren auch neugierig, wie dieses Instrument funktioniert“, sagt Ludwig. Aktuell laufen diverse Petitionen zu Itzehoer Themen, die Resonanz ist sehr überschaubar. Nicht so bei der Initiative der VSK: Sie nähert sich den 300 Stimmen, die gefordert sind, damit sich die Politik mit dem Ansinnen befasst. Dafür wurde fleißig getrommelt, am erfolgreichsten war der persönliche Kontakt: „Auf dem Schulfest haben alle unterschrieben“, schildert Ludwig. Jetzt müssen sich Unterstützer allerdings beeilen: Die Petition wurde nach einem technischen Problem erst verlängert, nun aber doch wieder verkürzt – in drei Tagen läuft sie aus.

Parallel gab es schon Kontakt mit dem Rathaus, Bürgervorsteher und Bürgermeister hätten sich sehr offen gezeigt. Aber Stadtsprecherin Jana Möller macht auch klar: „Da der Sandberg eine überörtliche Durchgangsstraße ist, besteht in der Theorie allenfalls die Möglichkeit auf eine abschnittsweise Geschwindigkeitsbegrenzung.“ Gewisse Voraussetzungen müssten erfüllt sein, beispielsweise ein Unfallschwerpunkt vorliegen. Nach Angaben der Eltern ist eine Begehung geplant zusammen mit der Stadt, der Polizei und dem Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr.

Es sei die erste Initiative dieser Art, stellt Zonios fest: „Wer weiß, was daraus wird.“ Denn es sei ein Thema für ganz Itzehoe, die Situation an anderen Stellen der Stadt kenne die VSK nicht, meint auch Duns: „Vielleicht haben wir Vorbildfunktion.“

Mehr Informationen:

Eine Petition kann über die Plattform Open Petition gestartet werden. Sie wird auf der Webseite der Stadt veröffentlicht und kann acht Wochen lang unterzeichnet werden. Bis zu fünf Personen aus einem Haushalt können mit derselben E-Mail-Adresse unterschreiben. Es können auch handschriftliche Unterschriften gesammelt und als Bild hochgeladen werden. Wenn mindestens 300 Unterschriften eingehen, geht das Thema in die Politik. Wenn nicht, gibt die Stadt eine Stellungnahme ab, die veröffentlicht wird.

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