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Kernkraftwerk Sicherer Einschluss statt Rückbau

Von rp | 17.11.2013, 08:00 Uhr

Kernkraftgegner Karsten Hinrichsen möchte den Brunsbütteler Atommeiler gern verschwunden wissen, aber erst wenn die Endlagerung steht.

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Es ist idyllisch bei Karsten Hinrichsen: Die Katze hat es sich an der Heizung gemütlich gemacht, der Blick in den Garten reicht bis zum Elbdeich und der gleichmäßig vor sich hintickende Geigerzähler signalisiert keine ungewöhnlichen Strahlungswerte – wer beinahe in Sichtweite zum Kernkraftwerk wohnt wie der Brokdorfer, mag auf solche Information aus erster Hand nicht verzichten. Eigentlich könnte der 70-jährige, engagierte Kernkraftgegner (Brokdorf akut) zufrieden sein, stehen doch zumindest beim zweiten Atomkraftwerk in Hinrichsens Nachbarschaft, dem Meiler in Brunsbüttel, die Zeichen auf Abriss – die ungeliebte Anlage soll ab 2017 vom Erdboden verschwinden. Doch so einfach ist das nicht mit dem Gefühl der Zufriedenheit. Denn Hinrichsen gefällt nicht, wie der auf rund 15 Jahre ausgelegte Rückbau von Statten gehen soll.Darüber gibt der vom Betreiber Vattenfall erstellte 169 Seite dicke Sicherheitsbericht zu Stilllegung und Abbau des Brunsbütteler Kernkraftwerks Auskunft. Grundsätzlich könne die Reststoffbearbeitung und Abfallbehandlung in bestehenden Kontrollbereichen der Anlage vorgenommen werden, heißt es dort. Denkbar sei auch die Errichtung eines rund 4000 Quadratmeter großen Gebäudes für diese Aufgabe. Laut Sicherheitsbericht sind lediglich zwei Prozent der Kraftwerksmasse von insgesamt 300 000 Tonnen strahlenbelastet (6000 Tonnen), die übrigen 98 Prozent könnten demnach grundsätzlich wiederverwertet werden. Die schwach- bis mittelradioaktiven Materialien kommen in ein geplantes 15 000 Quadratmeter großes Lager – und sollen später in das Endlager Schacht Konrad gebracht werden. Der übrige strahlende Abfall kommt ins Standortzwischenlager, bis ein Endlager gefunden ist.Diese als vorübergehend geplante Einlagerung gefällt Karsten Hinrichsen überhaupt nicht. Ihm ist das zu unsicher. „Das finde ich total fahrlässig“, sagt er. Denn: „Man kann doch nicht sicher sein, dass beim Rückbau nichts passiert.“ Denkbaren Unfällen widmet sich der Sicherheitsbericht zwar, doch Hinrichsen bleibt skeptisch. Er sorgt sich um „die Strahlenexposition von Mitarbeitern, Nachbarschaft und Umwelt“. Was passieren könne, wenn ein Kran beim Abbau eine Last verliert – etwa ein Fass mit radioaktivem Inhalt –, wenn die Elbe plötzlich doch mehr Hochwasser führt, als der über acht Meter hohe Deich abhalten kann, darüber macht sich der Brokdorfer Sorgen. Und er kommt für sich zu dem Schluss, dass der Sicherheitsbericht hier „zu unspezifisch“ sei.Aus seiner Sicht gibt es nur eine Möglichkeit: „Am sichersten ist, die Stoffe im Atomkraftwerk selbst zu lagern.“ Und zwar so lange, bis tatsächlich die Endlagerstätten feststehen. Dann bräuchten nicht zusätzliche Gebäude errichtet werden, die irgendwann ohnehin wieder abgerissen werden müssten. Karsten Hinrichsen schwebt der so genannte sichere Einschluss vor. Dazu sagt Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger: „Beide mögliche Varianten – direkter Rückbau und sicherer Einschluss – sind im Atomgesetz gleichberechtigt. Wir haben uns in Brunsbüttel für den direkten Rückbau entschieden, unter anderem da er den Vorteil bietet, die Erfahrungen und Fachkenntnisse unserer Mitarbeiter optimal zu nutzen.“Hinrichsen und seine Mitstreiter der Initiative Brokdorf akut sind zum Scoping-Verfahren am 18. Dezember im Elbeforum eingeladen, so wie Vertreter anderer Organisationen. Dabei geht es um die vorgeschriebene Prüfung der Umweltverträglichkeit des Rückbaus. Für ihn eine Gelegenheit, kritisch nachzufragen.Bereits am 9. Dezember plant Vattenfall eine – gesetzlich nicht vorgeschriebene – Info-Veranstaltung für interessierte Bürger zum geplanten Rückbau im Elbeforum. Sicher ist: Bis Karsten Hinrichsen sich zufrieden zurücklehnen kann, wird noch einige Zeit vergehen.> Infos: www.perspektive-brunsbüttel.de

> Infos: www.perspektive-brunsbüttel.de