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Brokstedt Schreiben für eine friedliche Welt

Von Frauke Reuter | 23.10.2009, 04:59 Uhr

Seit mehr als 30 Jahren schreibt Irmgard Filter Gedichte und Kurzgeschichten.

"Das Thema ist erst im Kopf, dann im Herzen und dann auf Papier", beschreibt Irmgard Filter die Entstehung ihrer heiteren und sinnlichen Gedichte und Kurzgeschichten. Der Liebe wegen zog sie von Neumünster nach Brokstedt und seit mehr als drei Jahrzehnten veröffentlicht sie ihre literarischen Werke in Tageszeitungen und Jahrbüchern. Darüber hinaus hält sie Lesungen in und rund um Kiel, Scharbeutz, Neumünster und auf Kreuzfahrtschiffen. Am 25. Oktober steht sie wieder bei den "Schrägen Tönen" neben Hobbykünstlern mit diversen anderen Talenten auf der Bühne im Bürgerhaus Brokstedt.

"Ich schreibe über alles, was mich freut, was mich ärgert sowie über die Natur, zwischenmenschliche Beziehungen etc.", verrät die Schriftstellerin, die sich im Hochdeutschen und im Niederdeutschen gleichermaßen Zuhause fühlt. So, wie das Leben eben sei: Mal ernst und mal fröhlich. Viele Jahre veröffentlichte sie ihre Werke unter anderem auch in der Norddeutschen Rundschau. Sie gehörte dem Autorenstammtisch der Stadt Neumünster an und beteiligt sich seit 15 Jahren an dem NDR-Wettbewerb "Vertell doch mal", und sie hat bereits einen Buchpreis gewonnen.

Seit 2004 ist Irmgard Filter Mitglied im Verband "Schriftsteller in Schleswig-Holstein e.V." und seit kurzem beteiligt sie sich ebenso an dem Klaus-Groth-Wettbewerb für Niederdeutsche Geschichte, der alle zwei Jahre in Heide stattfindet.

"Ich habe als zwölfjährige Gymnasiastin meine ersten Gedichte geschrieben und meine Lehrer haben mir Talent bestätigt", erinnert sich Irmgard Filter, die in Neumünster die Klaus-Groth-Schule besuchte, als diese noch ein reines Mädchengymnasium war. Als kleines Kind habe sie noch die Bombenangriffe auf Neumünster miterleben müssen und "das hat mich wach gemacht". "Immer sind die Kinder, die eigentlich eine glückliche Kindheit verleben sollen, die Leidtragenden", bedauert Irmgard Filter, die mit ihrem Vater viele Gespräche geführt hat und der sie unter dem Motto "Tue Recht, scheue niemanden und währe den Anfängen" erzogen hat. Couragiert die Meinung sagen, Gleichgesinnte suchen und Mehrheiten bilden, war der Leitsatz. So hat sie sich an Ostermärschen beteiligt, hat friedlich vor Kasernen gesessen, wo Atomsprengköpfe gelagert wurden, und sie hat bei Lichterketten gegen Rassismus und Fremdenhass in Hamburg mitgemacht. "Ich lebe und schreibe für eine friedliche Welt", ist ihr Lebensmotto.

"Mein Vater, Wilhelm Lassen, war Malermeister und Ratsherr in Neumünster und wollte gern, dass ich etwas in Malerei oder Grafik erlerne", erinnert sie sich und begann deshalb, Modedesign zu studieren. In ihrer Freizeit spielte sie Theater.

Mit 19 Jahren lernte sie auf dem 80-jährigen Jubiläum der Malerinnung Neumünster ihren zukünftigen Ehemann kennen. Der Brokstedter Malermeister Günter Filter erlebte das Fräulein Lassen auf der Bühne, als diese ein selbst verfasstes Gedicht vortrug - und konnte sie nicht wieder aus dem Kopf und dem Herzen "streichen". Nach eineinhalb Jahren haben die beiden geheiratet und sie zog als Irmgard Filter nach Brokstedt, gab das Studium auf. Mit 21 Jahren bekam sie ihre erste Tochter und fünf Jahre später wurde die zweite Tochter geboren.

"Aber das Schreiben blieb meine große Leidenschaft", betont Irmgard Filter. Dann schlug das Schicksal bitter zu: Günter Filter kam bei einem Autounfall ums Leben und Irmgard Filter war mit nur 35 Jahren Witwe. "Ich musste mein Leben mit meinen zwei kleinen schulpflichtigen Kindern meistern, aber ich habe mir immer meine Sensibilität erhalten. Schreiben ist eigentlich eine einsame Tätigkeit, die Lesungen umso öffentlicher", betont die Autorin, die noch einen kleinen, individuellen Verlag sucht, um ihre über 300 Werke je nach Thematik zu veröffentlichen. "Ich möchte die Herzen der Menschen erreichen."

."Schräge Töne", Sonntag, 25. Oktober, 15 Uhr, Bürgerhaus Brokstedt.