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Atomkraftwerk Brokdorf „Informationspolitik wie vor 40 Jahren“

Von Volker Mehmel | 19.06.2018, 05:09 Uhr

Einen Rückfall in die 70er Jahre sieht der Grünen-Landtagsabgordnete Bernd Voß in der Information zum Thema Castortransporte.

Die erste große Informationsveranstaltung zur geplanten Aufnahme von Castoren aus dem britischen Sellafield im Zwischenlager am Kernkraftwerk Brokdorf hat offenbar nicht nur zufriedene Zuhörer hinterlassen. Während die Brokdorfer Bürgermeisterin Elke Göttsche die Informationserwartungen der Gemeinde „voll erfüllt“ nannte (wir berichteten, d.Red.), sieht der energiepolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Bernd Voß, einen „Rückfall in die 70er Jahre“. Daran habe ihn jedenfalls „der Informationsstil des Betreibers erinnert“.

„Die Chefs von AKW, Zwischenlager und die Vertreter für Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft für Zwischenlager trugen als Botschaft vor: Das ist alles heute und zukünftig sicher und läuft sich schon zurecht“, stellt Voß rückblickend fest. Nachfragen zur Sicherheit der verschiedenen Castortypen sowie zu deren Lebensdauer und zur möglichen Erfordernis einer Reparatur seien mit der Auskunft beantwortet worden: „Das wird wieder verschweißt“.

Der Politiker moniert insbesondere, dass die Frage der anschließenden Transportfähigkeit in ein Endlager offen geblieben sei. Eher Verblüffung hat bei Voß auch die Einschätzung ausgelöst, bei einem etwaigen Hochwasser im Bereich des unmittelbar an der Elbe gelegenen Kraftwerksgeländes und einem damit verbundenen Risiko, sei im Notfall eine Castor-Kühlung durch Wasser sogar noch besser als über die Luft.
„So banal waren auch vor 40 Jahren die Antworten, als es um den Bau allgemein und die Risiken des Baues der AKW ging.“

Natürlich, so räumt auch Bernd Voß ein, müssten die Castoren aus Sellafield zurück genommen werden und könnten auch nicht auf der Straße stehen bleiben. „Doch man darf dabei mögliche Risiken nicht einfach negieren.“ Als „mutiges Zeichen“ wertet es der Grüne, dass der Leiter der verantwortlichen Atomaufsicht des Bundes zum Ende der Veranstaltung persönlich fest davon überzeugt gewesen sei, dass bis 2031 ein Standort für ein Endlager gefunden werden muss. „Die Bedeutung, diesen Termin einzuhalten, kann ich nur unterstreichen. Die Zwischenlager an den Atomkraftwerken dürfen nicht zu Endlagern werden.“