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Zurück nach kenia Gastpastor nimmt Abschied

Von mal | 19.11.2013, 17:24 Uhr

Mruttu Bartholomayo Balozi kehrt nach drei Jahren in Münsterdorf mit vielen Erfahrungen nach Kenia zurück. Vielleicht werden in Nairobi dann bald Goldene Hochzeiten gefeiert. Denn Balozi möchte einige deutsche Bräuche mitnehmen.

„Wo bin ich denn hier gelandet?“, fragte sich Mruttu Bartholomayo Balozi, als er im Dezember 2010 erstmals deutschen Boden betrat. „Es waren gefühlte 50 Grad Minus“, berichtet der Kenianer. Und als dann noch ein Mädchen einen Schneeball nach ihm warf, bangte er um sein Leben. „Ich dachte, die will mich steinigen“, sagt er und kann heute darüber lachen. Inzwischen hat sich der evangelische Pastor an das deutsche Klima und auch an die deutsche Mentalität gewöhnt. Drei Jahre arbeitete er je zur Hälfte in der Gemeinde Münsterdorf und im Zentrum für Mission und Ökumene in Hamburg. Nun heißt es: Abschied nehmen. Ende des Jahres reist Pastor Balozi zurück in seine Heimat, im Gepäck wird er vor allem viele neue Erfahrungen mitnehmen.„Ich habe einerseits gemerkt wie gut meine eigene Kultur ist und andererseits auch, wie schlecht sie ist“, sagt er im Rückblick. In Kenia schätze er die offenen Türen, das gute Miteinander und die engen Beziehungen. Die Deutschen gingen mehr auf Distanz und würden die Privatsphäre lieben. Dagegen mag er die Disziplin der Menschen hier. „Wenn hier eine Kiste Bier im Keller steht, dann wird sie nicht gleich leer getrunken“, nennt Balozi als Beispiel. In Kenia werde vielen Menschen das mangelnde Maß zum Verhängnis, Alkoholismus sei ein weit verbreitetes Problem.In Münsterdorf übernahm der 32-Jährige die Aufgaben eines gewöhnlichen Pastors von der Jugendfahrt bis zum Konfirmandenunterricht, von der Taufe bis zum Hausbesuch. Nur an Beerdigungen habe er sich noch nicht heran getraut. Der Umgang mit Trauernden sei ein zu sensibles Thema. Dafür seien seine Sprachkenntnisse einfach noch nicht gut genug. Ein gewöhnlicher Gottesdienst mit Predigt bereitet dem Kenianer inzwischen allerdings keine Probleme mehr. Und sogar einen Satz auf Plattdeutsch nimmt er mit in seine Heimat: „Ick bün bi di“ – so der Titel eines beliebten Kirchenlieds.Die Münsterdorfer Gemeindemitglieder hatten den Gast schnell in ihre Herzen geschlossen und machten sich vergangenes Jahr mit einer kleinen Gruppe sogar zu einem Besuch in seiner Heimat auf. Dort mit den Frauen über dem Feuer auf dem Boden zu kochen sei schon eine Herausforderung gewesen, berichtet Anke Lorenz vom Kirchengemeinderat. „Aber der große Zusammenhalt der Familien hat mir schon imponiert“, berichtet die Münsterdorferin.Wenn er sich nun verabschiede, dann gehe er mit einem lachenden und einem weinenden Auge, sagt Pastor Balozi. Denn natürlich ist ihm Münsterdorf ans Herz gewachsen, aber in seiner Heimat warten Familie und Freunde auf ihn. Schon jetzt zählt er auf einem Maßband in seiner Wohnung die Tage bis zur Abreise. Was er mitnehmen werde in seine Gemeinde in der Hauptstadt Nairobi, sei auf jeden Fall das enorme Arbeitstempo des Münsterdorfer Pastors Ralf Greßmann. „Der fährt durchgehend 130 Stundenkilometer“, veranschaulicht Balozi. Außerdem werde er versuchen die deutsche Gewohnheit, Jubiläen zu feiern, wie goldene Hochzeit oder goldene Konfirmation, in seiner Gemeinde einzuführen.Was in Münsterdorf von dem Gast zurückbleibt, ist zum einen die gute Erinnerung: „Die Leute waren von der Persönlichkeit von Pastor Balozi beeindruckt, der sehr menschenfreundlich ist und sehr gut mit Kindern umgehen kann“, sagt Pastor Greßmann. Zum anderen hat der Kenianer bereits am Reformationstag zwei Obstbäume auf dem Friedhof als Zeichen der Freundschaft gepflanzt.Bei einem Treffen im Gemeindehaus am Sonnabend, 23. November, um 15 Uhr, soll gemeinsam überlegt werden, wie eine Partnerschaft in Zukunft aufrecht erhalten werden kann. „Es wäre schön, wenn dort etwas wächst“, sagt Pastor Greßmann und lädt alle Gemeindemitglieder herzlich ein.Der Abschied wird am vierten Advent, 22. Dezember, 10 Uhr mit einem Gottesdienst und einem großen Fest gefeiert, bevor Mruttu Bartholomayo Balozi am 30. Dezember seine Rückreise antritt.