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Norddeutsche Rundschau Erst Info-Center, jetzt die Verwaltung

Von Volker Mehmel | 28.03.2014, 18:10 Uhr

Kernkraftwerk Brokdorf rüstet sich für 2021 / Kritik an Atomkraftgegnern

Mehr als 30 Gäste waren geladen, nur knapp ein Drittel kam zur „Brokdorfer Redezeit“ ins ehemalige Informationszentrum des Kernkraftwerks Brokdorf. „Aber je kleiner die Runde, desto besser kann man ins Gespräch kommen“, meinte Werkleiter Uwe Jorden zur Begrüßung. Die Veränderungen am Standort Brokdorf Richtung Einstellung des Betriebs spätestens bis Dezember 2021 werden Stück für Stück deutlicher – was mit der Schließung des Info-Zentrums begann, wird in diesem Jahr mit der Übertragung der kaufmännischen Funktionen wie Einkauf, Rechnungswesen und Buchhaltung zur Eon-Zentrale nach Hannover, fortgesetzt.

Das generelle Thema gestern war allerdings nicht der Rückbau, sondern vielmehr die Frage nach der Verlässlichkeit der Stromversorgung, die, so machte Jorden anhand von Ergebnissen des vergangenen Jahres deutlich, immer noch auf der Stromerzeugung durch Kernenergie fußt. Schwankungen im Stromnetz werden vom Kraftwerk aufgefangen. Gerade die kurzfristige Reaktion auf Schwankungen im Netz erstaunte die Gesprächsteilnehmer. Unregelmäßigkeiten können umgehend ausgeglichen werden. Anhand einer Stromverbrauchs-Analyse mit Einspeisung von Photovoltaik und Wind wurden besonders in den Wintermonaten die Versorgungskapazität und –engpässe deutlich. Während nur geringer Strom durch Photovoltaik floss, war zwar die Windstromkapazität höher, reichte aber lange nicht an den tatsächlichen Bedarf heran. 40 Prozent der Stromversorgung läuft noch über das Kernkraftwerk, übers Jahr mit Schwankungen auch 40 Prozent über Photovoltaik und Windenergie. Das bedeute, dass in den nächsten Jahren zusätzlich mindestens 40 Prozent durch die erneuerbaren Energien hinzu kommen müsse, entsprechend mehr Anlagen müssten gebaut werden. Und: „Eigentlich noch mehr, will man die Schwankungen auffangen.“

Im vergangenen Jahr erzeugte das Kernkraftwerk Brokdorf rund 11,7 Milliarden Kilowattstunden Strom, insgesamt seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1986 rund 300 Milliarden Kilowattstunden. Allein mit der Jahresleistung werde CO2-freier Strom für drei Millionen Haushalte erzeugt. Doch Klimaschutz durch CO2-Reduktion stehe nicht mehr im politischen Fokus. Dafür gehe die Tendenz wieder verstärkt zu Stein- und Braunkohle-Verbrennung über. Hauke Rathjen, Kommunikationsleitung am Standort Brokdorf: „Es wird so viel Braunkohle verbrannt wie seit 1990 nicht mehr.“

Kritik übte Uwe Jorden ebenso wie Hauke Rathjen an den Atomkraftgegnern, die Ängste in der Bevölkerung schürten. Als Beispiel genannt wurde der Vorwurf von Brokdorf akut der erhöhten Strahlenbelastung während der Revision. Das hat Eon-Kernkraft nachprüfen lassen. Das Ergebnis, das auch behördlich bestätigt wurde: „500 solcher Kraftwerksrevisionen entsprechen ungefähr der Strahlung, der man bei einem einzigen Transatlantikflug ausgesetzt ist.“ Die Angst der Bürger werde genutzt, um Stimmung zu machen. Jorden: „Es ist beschämend, was da so läuft.“

Die Frage, ob das Zwischenlager auf dem Kernkraftwerksgelände Brokdorf möglicherweise für Castorbehälter aus Sellafield genutzt werden würde, verneinte Jorden. Schon aus dem Grunde, weil sie aufgrund fehlender Gleisanlagen gar nicht antransportiert werden könnten. Zudem: 100 Castorbehälter könnten insgesamt eingelagert werden, der Lagerbestand zählte zum 28. März diese Jahres 26 – und die Restkapazität müsse ebenfalls für eigene Behälter vorgehalten werden.