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itzehoe Ein König im Zeitwahn

Von Peter A. Kaminsky | 05.04.2011, 03:59 Uhr

Der Philosoph Augustin antwortete vor mehr als 1300 Jahren auf die Frage "Was ist Zeit?" mit einem tiefsinnigen "Wenn mich niemand fragt, dann weiß ich es; sobald ich aber gefragt werde, weiß ich es nicht".

Eine kindgerechte Antwort auf diese uralte Frage zu finden, setzte sich das Hamburger Theater "Brekkekekex" zum Ziel. Im ausverkauften Studio des theater itzehoe erlebten die Kinder dann tatsächlich eine nachvollziehbare, erfahrbare und mit Mitteln des Theaters überzeugend gespielte Antwort: "Tempo Tempo!"

Ganz gemächlich und mit Verspätung fängt das Stück an. Die beiden Schauspieler, Frank Tuchalla und Sandra Kiefer, erzählen zunächst das Märchen vom König Kurznach und dessen plietscher Tochter Schönlöckchen. Sodann schlüpfen sie selbst in die beiden Rollen. Der König ist immer ein wenig zu langsam, ihm gelingt erst immer alles kurz nach allen anderen. Das verleiht ihm den sprechenden Namen.

Der dauernde Zeitverlust ärgert ihn. Er beschließt, seine Zeit sinnvoll einzuteilen, sein Leben will er ganz der Zeit unterordnen. Folglich nennt er seine schöne Tochter von nun an Viertelvorzwölf; denn zu der Zeit ist sie geboren. Aber die Tochter mag das Zeit korsett nicht. Naiv schlau fragt sie: "Kann die Zeit meine Freundin sein, wenn ich sie nie sehe? Habe ich sie verloren, wenn ich sie suche?"

Schwierige Fragen für den Papa, der gerade keine Zeit hat. Also sucht die Tochter die Zeit, und zwar im Uhrwald. Aber sie findet sie nicht. Von der Zeit gibt es nur ein Bild, einen Traum, ein Gefühl. Je mehr sie fragt, desto weniger erfährt sie. Sie kehrt zurück und heilt den Papa vom Zeitwahn.

Die beiden Schauspieler kommen mit wenigen Requisiten, aber mit viel Musik daher. So schrumpft die Stunde zu einem schnellen, häufig auch sehr lustigen, aber keineswegs oberflächlichen Erlebnis. Während man als Erwachsener nach diesem Theaterstück die Antwort Augustins viel besser nachvollziehen kann, gehen die Kinder pragmatisch mit ihrem Theatererlebnis um, wie dieser abgelauschte Dialog belegt: Mutter: "Habt ihrs verstanden?" Sohn: "Nö." Tochter: "Ja, sofort!" Viel Beifall!