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Saison gut gelaufen Das Boom-Jahr: Fahrradhändler in Itzehoe und Wilster sehr zufrieden

Von lpe | 01.01.2021, 18:00 Uhr

Die Geschäfte liefen gut, doch das Auf und Ab war anstrengend – und der Ausblick ist gemischt.

Mit dem Rad zur Arbeit, auf die Idee kam so mancher im Corona-Jahr. Aber rund 40 Kilometer für eine Strecke – das dürfte die meisten abschrecken. Eric Vogt (25) und Phil Drechsler (21) nicht: Sie radeln aus der Nähe Pinnebergs zur Arbeit in Itzehoe. Denn auf dem Bahnhof und im Zug war beiden einfach zu viel los, und zudem, so Vogt:

„Manche halten sich auch nicht an die Maskenpflicht.“
Eric Vogt

 „Wir sind sowieso an der Quelle.“ Die Einzelhandelskaufmänner – Drechsler ist in der Ausbildung – arbeiten beim Zweirad-Center Kaina. Mit ihren E-Bikes fahren sie die Strecke in anderthalb bis zwei Stunden, um nicht schon erschöpft bei der Arbeit anzukommen. Der Trainingseffekt ist eindeutig da: Inzwischen falle die Tour leichter, sagt Drechsler.

Viele neue Kunden

Im April fingen beide bei Kaina an, mitten im ersten Lockdown. Bei den Kunden sei zu spüren gewesen, dass sie mehr fuhren oder neu einstiegen, sagt Vogt. Keine Gelegenheit für Urlaub, kein Fitnessstudio, „da ist es ja eine gute Alternative“.

Diese bescherte Kaina-Inhaber Roland Scheefe einen Schub in dem Jahr, das er als „Achterbahn der Gefühle“ beschreibt. Ein sehr guter Start wurde durch Corona jäh gebremst, und gefühlt habe es nun den meisten Stress gegeben, so Scheefe: ständig neue Bedingungen, Beratung per Video und am Telefon, Probefahrten bei den Kunden zu Hause. Mit der Wiederöffnung am 10. April wurde das Geschäft überrannt, „es ging richtig durch die Decke“. Sehr schnell seien die Verluste wettgemacht gewesen, der Rest des Jahres lief „gut, eher sehr gut“. Aber anstrengend blieb es – umso schöner sei das Verständnis der Kunden. Da hat Scheefe aus Großstädten ganz anderes gehört.

Zufriedenheit auch in  Wilster

Zufrieden blickt auch sein Kollege Frank Lamberty in Wilster zurück: „Wir haben eine sehr, sehr gute Saison hinter uns“, viele hätten zu Hause auf dem Rad Urlaub gemacht. Getrübt wurde das Bild durch Lieferprobleme und teils lange Wartezeiten, auch bei Ersatzteilen. Das werde sich im kommenden Jahr verschärfen: Rohstoffe fehlten ebenso wie Transportmöglichkeiten. Lamberty stellt fest:

„Die Transportkosten haben sich aktuell verfünffacht.“
Frank Lamberty, Fahrradhändler

Sein Ausblick ist dennoch optimistisch, obwohl manche Anschaffung dank Corona vorgezogen worden sein könne. Auf der anderen Seite seien Nachzieh-Effekte denkbar, weil Neu-Radler in ihrem Freundeskreis neue Kunden animieren. Die positive Sicht auf das Rad, gestärkt durch die Politik, werde jedenfalls bleiben, sagt Lamberty.

Fahrrad bleibt interessant

„Das Fahrrad wird auch im nächsten Jahr für viele interessant sein“, pflichtet Kaina-Chef Scheefe bei. Der Umstieg auf das E-Bike wird ebenso weitergehen wie der Trend, dass Unternehmen Leasing-Räder für ihre Mitarbeiter anbieten. Sorgen macht ihm eher die Entwicklung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage: Ob das in der Branche ankomme, werde sich zeigen.

Sicher ist: Seine Mitarbeiter Eric Vogt und Phil Drechsler werden bis auf Weiteres in der Regel mit dem Fahrrad bei der Arbeit ankommen. So sei die Wahrscheinlichkeit, ein Problem mit Corona zu kriegen, einfach geringer, sagt Vogt mit Blick auf Kunden und Kollegen: „Lieber auf Nummer sicher gehen.“