Ein Artikel der Redaktion

Azubiz Itzehoe informiert Ausbildung in Teilzeit: Große Chance für Tahani Hajji Issa und Angelique Hackl

Von Athanassia Savvas | 31.08.2022, 12:19 Uhr

Eine Berufsausbildung in Teilzeit ist seit 2020 für alle möglich. Zwei Auszubildende erzählen von ihren Erfahrungen in Itzehoe.

„Eine Ausbildung in Vollzeit wäre für mich nicht möglich gewesen“, sagt Tahani Hajji Issa. „Ich habe ein kleines Kind.“ Nun macht die Barmstedterin eine Ausbildung in Teilzeit zur Steuerfachangestellten in Pinneberg und besucht das Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) in Itzehoe.

Maximal könne sie 34 Stunden pro Woche arbeiten, um Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Denn sie habe keine Familie in Deutschland, die diese Aufgabe übernehmen könnte. Stressig sei es zwar, aber die 31-Jährige ist glücklich über die Option, später einen qualifizierten Berufsabschluss zu haben:

„Diese Chance hätte ich ohne die Teilzeitausbildung nicht gehabt.“
Tahani Hajji Issa
Auszubildende in Teilzeit

Bevor sie nach Deutschland kam, habe sie in Syrien Französische Literatur studiert und dann als Lehrerin gearbeitet. „Ich habe mein Studium durch die Arbeit als Buchhalterin finanziert“, sagt Issa. Als sie Ende 2017 nach Deutschland kam, wollte sie im Finanzwesen weitermachen, nach einer Weile stieß sie auf die duale Ausbildung als Steuerfachangestellte.

Mehr Informationen:

Bei einer Ausbildung in Teilzeit legen Betrieb und Azubi fest, welche wöchentlichen und täglichen Ausbildungszeiten machbar sind. Die Arbeitszeit kann dabei maximal um die Hälfte gekürzt werden. Dadurch verlängert sich die Ausbildungsdauer auf das höchstens Eineinhalbfache, also maximal auf viereinhalb Jahre. Berufsschulunterricht findet in der Regel in Vollzeit statt. Wenn die reduzierte Ausbildungsvergütung nicht ausreicht, können Teilzeitauszubildende eine Beihilfe bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen.

Seit 2020 ist eine Ausbildung in Teilzeit grundsätzlich für jeden möglich. Aber Issa empfiehlt das nur, wenn ein wichtiger Grund vorliegt: „Wenn es anders nicht geht außer in Teilzeit, dann ja.“ Sie verdiene durch die verminderte Stundenanzahl etwa 30 Prozent weniger – und die Ausbildung dauere länger. Zumindest normalerweise, die 31-Jährige kann wegen guter Schulnoten um ein halbes Jahr verkürzen. Für den Betrieb sei diese Ausbildungsform kein Problem, sie habe viel gelernt, nicht nur beruflich: „Ich habe mich als Ausländerin gut integriert.“

Ein halbes Jahr länger

Angelique Hackl aus Brande-Hörnerkirchen geht am RBZ in dieselbe Klasse. Die 25-Jährige hat eine Tochter, die in den Kindergarten gehen sollte, deshalb absolviert sie die Ausbildung zur Steuerfachangestellten in Teilzeit.

Hackl arbeitet 30 Stunden pro Woche, sechs Stunden am Tag. „Ein halbes Jahr mache ich länger“, sagt sie. Es sei schwierig, einen Betrieb zu finden, der eine Ausbildung in Teilzeit zustimmt, manchmal habe sie auch das Gefühl, als Teilzeitkraft weniger wahrgenommen zu werden. Auch nach ihrer Ausbildung wird Hackl weiter in Teilzeit arbeiten.

„Teilzeitausbildung für alle!“

„Eine Teilzeitausbildung ist in jedem Beruf möglich“, sagt Antje Gerdau, Beraterin für Ausbildung in Teilzeit von der Handwerkskammer Lübeck. Diese ist am Freitag, 23. September, mit einem Stand auf der Jobmesse Azubiz vertreten: „Es gibt super Berufsaussichten im Handwerk“, betont Gerdau. Auszubildende, Fachkräfte und Führungskräfte würden gesucht. Wer mit einem höherem Schulabschluss einsteigt, hat die Möglichkeit, parallel eine Variante zum technischen Betriebswirt zu absolvieren – das funktioniere in Teilzeit wie in Vollzeit.

„In unseren Handwerksbetrieben haben wir in unterschiedlichen Bereichen Teilzeit-Auszubildende“, ergänzt sie. Weitere Berufe kämen voraussichtlich hinzu. Am Projekt „Teilzeitausbildung für alle!“ nehmen die Handwerkskammern Lübeck und Flensburg sowie die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck teil. Diese Variante sei eine tolle Alternative zur Vollzeit-Ausbildung und auch als berufliche Perspektive wichtig, sagt Gerdau: „Wir sehen es als gute Möglichkeit, mehr Auszubildende in den Betrieben zu haben.“

Noch keine Kommentare