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Vortrag in der Ferring-Stiftung : Zwölf Tote, viele Verletzte – Bilanz zweier Angriffe

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

„Es war das dramatischste Ereignis auf den Inseln während des Krieges“, so beschrieb Heinz Lorenzen die Fliegerangriffe britischer Jagdflugzeuge auf zwei Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei im Sommer 1944.

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erstellt am 30.Jun.2015 | 19:30 Uhr

„Es war das dramatischste Ereignis auf den Inseln während des Krieges“, so beschrieb Heinz Lorenzen die Fliegerangriffe britischer Jagdflugzeuge auf zwei Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) in den Sommermonaten 1944. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der pensionierte Lehrer und frühere Wyker Bürgermeister mit den Hintergründen der Anschläge und forscht auf den Spuren der Betroffenen. Die Ergebnisse seiner Arbeit hat er nun in der Ferring-Stiftung vor rund 70 Zuschauern präsentiert.

Am 26. Juni 1944 griffen zwei britische Jagdflugzeuge die Fähre „Föhr-Amrum“ während ihrer Einfahrt in den Hafen von Wittdün an. Der Kapitän Wilhelm Nommensen wurde tödlich von mehreren Kugeln getroffen, blieb jedoch der einzige Tote bei dem Angriff, der nur etwa zehn Sekunden dauerte. Allerdings wurden viele der rund 30 Passagiere verletzt.

Genau zwei Wochen später, am 10. Juli 1944, wurde ein weiteres Schiff der WDR angegriffen. Mindestens ein britisches Flugzeug griff die „Kapitäne Christiansen“ während der Überfahrt von Dagebüll nach Wyk mit Bordkanonen und Maschinengewehren an. Das leichte Gewehr, das nach dem ersten Angriff auf jedem Schiff der WDR montiert worden war, konnte nichts ausrichten. Von offiziell 45 Personen an Bord, Heinz Lorenzen hat Namen von 52 Passagieren gefunden, starben elf, 19 wurden schwer oder leicht verletzt. Durch die Explosions- und Brandmunition, die eingesetzt wurde, entstand auf dem Schiff ein Feuer. Die Überlebenden mussten von dem auf den Strand gesetzten Dampfer springen oder auf Motorboote umsteigen, ein geordnetes Verlassen war nicht möglich. Bei der Trauerfeier vier Tage später wurden die Toten als belanglose Opfer des Krieges bezeichnet.

Eindrucksvoll hat Heinz Lorenzen, der ebenfalls Verwandte bei den Angriffen verloren hat, die Namen und Geschichten der Passagiere beider Boote herausgefunden und rekonstruiert. Einem interessierten Publikum erklärte er in der Ferring-Stiftung die Situation auf Föhr während des Krieges, von Fliegerangriffen als ständiger Gefahr, Day-Ranger-Flügen und dem Plan, Föhr zu einem Militärstützpunkt zu machen. Zudem ging er auf die Piloten ein, die die Angriffe geflogen waren. Das 69-jährige Föhrer Urgestein schloss mit einem Appell gegen den Krieg: „Euer Opfer ist unsere Verpflichtung: Frieden.“

Um die Erinnerung an dieses Ereignis lebendig zu halten, wird gegen Ende des Jahres ein Buch mit den Ergebnissen von Lorenzens Arbeit erscheinen. Dort wird es auch genauere Angaben zu den Passagieren geben. Zwölf Jahre hat sich Heinz Lorenzen intensiv mit den Angriffen beschäftigt und viele Dokumente gesammelt, die darüber berichten. Während seines zweistündigen Vortrages zitierte er mehrfach aus Briefen oder Reden und vermittelte so einen sehr direkten Eindruck von der Stimmung auf den Schiffen.

Das Publikum war von dem Vortrag beeindruckt. Immer wieder konnte man betroffenes Seufzen hören, am Ende gab es viel Applaus. Heins Lorenzen hat sein Ziel also erreicht: Die Erinnerung an dieses Ereignis wachzuhalten und daran zu erinnern, dass auch auf Föhr damals Menschen gestorben sind.

 

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