Wyker Stadtvertretung : Zwei Rücktritte an einem Tag

Bürgermeister Paul Raffelhüschen (re.) führte Thomas Löwenbrück in sein Amt ein.
Bürgermeister Paul Raffelhüschen (re.) führte Thomas Löwenbrück in sein Amt ein.

Sabine Gillessen (SPD) und Ulrich Herr (CDU) legten ihre Ämter heute überraschend nieder. Für Gillessen rückte Thomas Löwenbrück nach.

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28. Mai 2015, 22:45 Uhr

Das hat es in der Wyker Stadtvertretung noch nie gegeben: An einem Tag schmissen zwei Politiker ihre Ämter hin. Sabine Gillessen (SPD) gab ihren Rücktritt heute Mittag bekannt, Nachrücker Thomas Löwenbrück wurde noch am selben Abend in der Stadtvertretersitzung vereidigt. In der gab es dann noch – nach einer kontroversen Diskussion über das weitere Vorgehen in Sachen Nationalparkhalle – einen weiteren Rücktritt. „Mit dem Ende dieser Sitzung lege ich meine sämtlichen politischen Ämter nieder“, erklärte Ulrich Herr (CDU). „Allgemeine Politik- und Fraktionsmüdigkeit“ gab er anschließend gegenüber dem Insel-Boten als Grund an.

Im Vorfeld der für die Stadtvertretersitzung angekündigten Debatte über die Einführung eines hauptamtlichen Bürgermeisters war Sabine Gillessen noch als Zünglein an der Waage gehandelt worden. Denn die SPD-Politikerin hatte in den zurückliegenden Tagen in Internet-Foren keinen Hehl daraus gemacht, dass sie in dieser Frage im Gegensatz zu ihrer Fraktion mit den Grünen sympathisiert. Allerdings: Gillessen liegt seit Monaten mit der Wyker SPD im Clinch und hat schon lange – „aus beruflichen Gründen“, wie sie betont – an keiner Sitzung mehr teilgenommen. Kommt sie am Donnerstag und liefert Grünen und Kommunaler Gemeinschaft die entscheidende Stimme – das war in den letzten Tagen die Frage.

Eine Frage, die Gillessen am Mittag völlig überraschend mit ihrem Rücktritt aus der Wyker Stadtvertretung beantwortete. Via Rundmail und per Facebook gab sie ihren Entschluss bekannt. Ein Entschluss, der, so Gillessen auf Nachfragen des Insel-Boten, in absolut keinem Zusammenhang mit der am Abend anstehenden Abstimmung stehe. „Das hat mit der heutigen Sitzung überhaupt nichts tun. Es gibt Entscheidungen, die müssen einfach irgendwann mal gefällt werden“, sagte Gillessen.

In ihrem Rücktrittsschreiben lässt die SPD-Politikerin kein gutes Haar an der Wyker Stadtpolitik. „Leider ist die Mehrheit in der Stadtvertretung nicht an wirklicher Gestaltung interessiert“, schimpft sie da. Wesentlich für den Rücktritt sei auch der Umgang innerhalb des Gremiums. So habe sie seinerzeit bei der Wahl des Bürgermeisters dem CDU-Kandidaten Paul Raffelhüschen ihre Stimme gegeben, weil es die Zusage gegeben habe, dass die CDU die Gründung einer kommunalen Wohnungsgesellschaft unterstützen werde. „Aber es ist offensichtlich so, dass manche Menschen sich nicht an Absprachen halten. Und meine Fraktion das auch nicht offensiv einfordert“, so Gillessen, die ankündigte, sich auf Landesebene weiter für die SPD politisch zu betätigen. Sie wünsche allen in der Stadtvertretung, dass sie in Zukunft für Wyk die richtigen Entscheidungen treffen. Ein wichtiger Schritt dahin sei ein hauptamtlicher Bürgermeister. „Das löst nicht alle Probleme, aber es bietet die Möglichkeit, professioneller und zukunftsorientierter zu arbeiten“, so die Politikerin. Durch ihren Rücktritt nahm sie allerdings die Chance, für diesen hauptamtlichen Bürgermeister zu stimmen, nicht wahr.

„Wir sind über diese Entscheidung nicht böse“ kommentierte SPD-Fraktionssprecher Peter Schaper am Nachmittag das Ausscheiden von Sabine Gillessen. „Nun können wir endlich die uns vom Wähler gegebene Stimme wieder nutzen“, freute sich Schaper.

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