Wohnen in Wyk : Zwei Jahre gelebtes Miteinander

Auch beim gemeinsamen Grillen verstehen sich Jung und Alt prächtig.
Auch beim gemeinsamen Grillen verstehen sich Jung und Alt prächtig.

Genossenschafts-Projekt in der Erfolgsspur: Das Mehrgenerationenhaus in der Strandstraße steht finanziell gut da.

shz.de von
14. Mai 2015, 12:30 Uhr

„Eines unserer wichtigsten Ziele, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf Föhr, haben wir auf jeden Fall erreicht.“ Zufrieden kann dies Dirk Hartmann, Vorstandsmitglied der insularen Wohngenossenschaft „föhreinander“, im Anschluss an eine Genossenschaftsversammlung am Ende des zweiten Jahres des Miteinander-Wohnens feststellen. Er und sein Vorstandskollege Dr. Manfred Hinrichsen hatten deutlich machen können, dass ihre Organisation auf gesunden finanziellen Beinen steht.

Zwei Jahre gelebtes Miteinander der Generationen ist zwar kein Anlass für eine große Jubiläumsfeier, aber doch ein Grund zum Rückblick auf ein Projekt, auf dessen erfolgreiche Verwirklichung vor knapp zehn Jahren kaum Wetten abgeschlossen worden wären. Die Idee wurde von engagierten Mitgliedern der Inselgruppe Föhr-Amrum des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) „geboren“. Informationsveranstaltungen, die Suche nach Partnern und Interessenten und viele Stunden der Beratung wurden damals investiert.

Die Stadt Wyk zeigte sich aufgeschlossen und die Umwelt-Lotterie Bingo ermöglichte die Machbarkeitsstudie – weitere Meilensteine, die zeigten „da bewegt sich was“. Als besonders schwer zu nehmende Hürde erwies sich seinerzeit die Suche nach einem geeigneten Standort für die Mehrgenerationen-Wohnanlage. Doch als die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) ihre alte Busgarage an der Strandstraße aufgab, gelang es endlich, „Nägel mit Köpfen“ zu machen. Das Grundstück konnte gekauft und die Genossenschaft „föhreinander“ gegründet werden.

Sie ist die Organisationsform für ein privates Projekt, in dem jedes Mitglied genau eine Stimme hat. Die Geschäftsanteile der Genossen machten es möglich, die notwendigen 15 Prozent Eigenkapital für den Bau des Gebäudes aufzubringen, an dem auch der BUND und die „Brücke“ sowie die Stadt Wyk Anteile haben, und das auch durch das Land Schleswig-Holstein gefördert wurde. Die Wohnbau-Genossenschaft, übrigens die erste ihrer Art in Nordfriesland, hat nach Überzeugung von Dirk Hartmann auch den Vorteil, dass die Bewohner nicht nur Mieter, sondern gleichzeitig auch Eigentümer der Anlage sind.

In den 28 Wohnungen, davon 26 geförderte Einheiten, wohnen seit zwei Jahren rund 60 Menschen, von denen zwei im Verlauf der vergangenen zwei Jahre geboren wurden. Bisher ist noch keinerlei Fluktuation bei den Bewohnern festzustellen: Die Mieter der ersten Stunde wohnen alle noch in der Strandstraße. Bei einem Mieterwechsel wäre die Dauer der Mitgliedschaft in der Genossenschaft von Bedeutung. „Die Altersstruktur der Bewohner ist zur Zeit ideal verteilt“, stellt auch Karin Graff, Mitglied des Aufsichtsrates fest, der Jüngste ist im Säuglingsalter und der älteste Bewohner fast 80 Jahre alt.

Familien, Alleinerziehende und Rentner wohnen in der Strandstraße Tür an Tür. Das Prinzip dabei: Jeder kann mitmachen, aber keiner wird dazu gezwungen. „Es hat sich aber gezeigt, dass in Notfällen sofort Unterstützung von allen Seiten geboten wird. Die spontane Hilfe funktioniert bei uns 100-prozentig“, betont Karin Graff.

Auch bei den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften ist eine rege Beteiligung zu verzeichnen. So gibt es Gruppen, die sich mit der Gestaltung des Grundstücks befassen, und andere kümmern sich um technische Dinge. Und auch die Einrichtung und Gestaltung des Spielplatzes hatten die Eltern in Eigenregie vorgenommen.

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