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In Norddorf : Zurück zu den Insel-Wurzeln

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der neue Leiter des Naturzentrums ist gar nicht so neu: Henning Volmer hat dort bereits seinen Zivildienst gemacht.

Die Geschichte über Amrums neuen Naturzentrumsleiter könnte auch starten wie eine romantische Vorabendserie. Aber das sparen wir uns auf für später – ist auch ganz in seinem Sinne. „Machen wir erst mal das Grundlegende“, sagt Henning Volmer und grinst. Der 31-jährige Biologe ist neuer Chef im Norddorfer Naturzentrum, was – genau wie das Öömrang Hüs – zum von Jens Quedens initiierten Öömrang Ferian gehört. Und Quedens ist sich sicher: „Der ist gut, da hab ich ein gutes Gefühl.“ Nachdem Volmers Vorvorgänger Thomas Chrobock 2016 nach vier Jahren ging, weil der Job seiner Frau einfach nicht inselkompatibel war (Hörgeräteakustikmeisterin), und Vorgänger Christian Vogel bereits am Ende seiner Probezeit wieder Richtung Festlandssockel zog, hat Quedens bei Henning Volmer eine gewisse Der-weiß-worauf-er-sich-einlässt-Hoffnung: Volmer war nämlich schon mal da. Vor knapp zwölf Jahren, 2005/2006. „Ich habe meinen Zivildienst hier gemacht, da war Till Meinrenken Leiter“, sagt Volmer. „Das war ein tolles, prägendes Jahr.“ Hinter ihm, an der Wand seines Büros, hängen Fotos von den Teams der letzten zig Jahre. Seins auch. Ein ganz schönes Gefühl so eine Rückkehr.

Nach dem Biologie-Vordiplom an der Uni Kiel hat Volmer mit Bio und Germanistik fürs Lehramt weitergemacht. Sein Zwei-Jahres-Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Uni-Außenstelle Büsum war thematisch dann auf jeden Fall schon so was wie ein Vorbote: Ökologie mariner Tiere. Arbeitsgruppe Seevögelforschung und Wattenmeerökologie. Das letzte Jahr vor Amrum arbeitete Volmer in einem Planungsbüro in Oldenburg.

„Die Aufgaben hier im Naturzentrum haben sich geändert“, sagt Volmer mit Blick auf seine Zeit damals. Das Maritur im alten Schwimmbad gab es noch nicht, ebenso den Naturerlebnisraum Vogelkoje Meeram. „Die Arbeit ist umfangreicher geworden.“ Und sie habe sich etwas verlagert, meint der Biologe: Von der reinen Naturschutzarbeit in den zu betreuenden Schutzgebieten (Dünen und Küste) mehr in Richtung Umweltbildung. Was Volmer eigentlich auch gut findet. „Ist wichtig.“ Es mache aus den Gästen natursensible Urlauber, die wiederum den Verein durch Spenden unterstützen. Rund 15  000 Gäste haben sich im letzten Jahr die Ausstellungen zu Kojenmännern, Seefahrern und Amrums Natur angeschaut. Und noch einmal 10  000 Gäste wurden von den vier Freiwilligendienstlern ins Watt und zu Hügelgräbern, Salzwiesen, Strand, Marsch und Vogelkiek geführt. „Das Angebot wollen wir natürlich aufrechterhalten.“ Aber Volmer möchte auch viel praktischen Naturschutz machen. „Wir müssen einen Mittelweg finden“, sagt er mit Blick auf das, was auch getan werden muss: Verhindern, dass die feuchten Dünentäler mit Birken und Kiefern zuwachsen, wie zum Beispiel vor dem Wriakhörn-See in Wittdün. „Ein Lebensraum, den es nicht häufig gibt.“ Die Heide ist auch so ein Thema, weil sie vergreist und verholzt. Auch die Zusammenarbeit der Naturschutzverbände ist ihm wichtig.

Dass sein neuer Arbeitgeber ein lokaler Verein ist, freut ihn besonders. Super vernetzt und mit Fokus auf die Insel und die Menschen. „Man kann ja Naturschutz nicht gegen die Leute machen, man muss es mit ihnen tun“, sagt Volmer, der sich auf die Zusammenarbeit freut. Er guckt aus dem Oberlicht seines Bürofensters und weist auf die Vereinsfahne: „Da steht es: Naturschutz für Amrum.“

Seine erste Priorität gehört dem Pottwal-Skelett, das demnächst im Naturzentrum ausgestellt werden soll. „Der Wal wird das Jahr massiv prägen“, sagt Volmer, der es toll findet, so ein großes Projekt im Haus zu haben. Wie weit ist man? „Als nächstes setzt der Präparator das Skelett zusammen.“

Volmer kennt die Insel seit Kindertagen. Mindestens alle zwei Jahre fuhr die Familie nach Norddorf in die Ferien. Einen Draht zum Naturschutz hatte er immer schon. Da er nach seinem Zivildienst immer Kontakt gehalten hat zu den Naturschützern der Inseln und Halligen, ist ihm vieles hier oben vertraut. Er kennt auch einige der Experten, die in Husum arbeiten, darunter Armin Jeß, bis 2012 Leiter des Naturzentrums. Und den Odde-Vogelwärter Dieter Kalisch kennt er, weil er als Student fast jedes Jahr ein paar Wochen als Vogelwart in Amrums einsamsten Häuschen verbracht hatte.

Volmer hat einen Sohn: Jonne, acht Monate. Seine Freundin Juliana Höfer ist Gesundheitswissenschaftlerin, ausgebildete Physiotherapeutin und arbeitet derzeit in einem Forschungsprojekt zum Thema Autismus-Spektrum-Störung. Nicht alleine auf die Insel zu kommen, sieht er als großen Vorteil. „Ich habe ein Leben nach Feierabend.“

Feierabend. Vorabendserien-romantisch ausgedrückt kehren Volmer und seine Freundin nun zu den Wurzeln ihrer Liebe zurück. Denn hier, in den weißen Dünentälern unter dem weiten Horizont haben sich die beiden vor zwölf Jahren kennengelernt. Er als Zivi im Naturzentrum, sie machte ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Satteldüne. Einen gesunden Realismus haben beide – trotz Insel-Flausch: „Die Frage war: Was muss eintreffen, damit es für uns beide passt? Die wunderschöne Natur hier entschädigt sicherlich für vieles. Aber eben nicht für alles.“ Und jetzt erst mal ran an das Walprojekt.

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erstellt am 26.Mai.2017 | 10:00 Uhr

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