Zum Zapfen sammeln geht es hoch hinaus

Klettert  für die Zapfen in die höchsten Baumwipfel: Seit 39 Jahren ist Zapfenpflücker Karl-Heinz Hirsch (53) Samenernter. Foto: ji
Klettert für die Zapfen in die höchsten Baumwipfel: Seit 39 Jahren ist Zapfenpflücker Karl-Heinz Hirsch (53) Samenernter. Foto: ji

Mitarbeiter eines Familienbetriebs sichern Saatgut für die Forsten

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19. August 2011, 09:22 Uhr

Leck | "Waldluft hält jung", ist Karl-Heinz Hirsch fest überzeugt. Der 53-Jährige muss es wissen, denn für die Erledigung seiner Arbeit muss er hoch hinaus. Hirsch gehört zu einem auf das Ernten von Waldbaumsamen spezialisierten, landesweit aktiven Familienbetrieb mit Sitz in Langenhorn. Im Auftrag des Verbandes Schleswig-Holsteinische Landesforsten (SHLF) waren drei Angehörige jetzt unterwegs, um in einem Bestand schlanker, grad- und glattstämmiger Douglasien deren Zapfen zu pflücken und zu bergen. Die Experten handeln auf der rechtlichen Grundlage der am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen Bestimmung mit der sperrigen Bezeichnung "Forstvermehrungsgutgesetz". Dieses regelt ganz detailliert, wie, wann und wo die Samen Zapfen tragender Waldbäume geerntet werden dürfen, um sie in den Handel zu bringen oder selbst für die Baumaufzucht zu verwenden.

Jürgen Lorenzen, Chef der Revierförsterei Langenberg, erläutert den Hintergrund und Sinn der strikt einzuhaltenden Bestimmung. "Baum ist nicht gleich Baum, denn innerhalb der Arten gibt es eine große Vielfalt an äußerlich erkennbaren Unterschieden, die von den Erbanlagen und der Umwelt gesteuert wird." Während im Bereich der Landwirtschaft Fehlentwicklungen von Pflanzen aufgrund mangelhaften Saatgutes zumeist schon nach einem Jahr erkennbar sind, kommt es für die langlebigen Bäume des Waldes in besonderem Maße darauf an, "hochwertiges und Identität gesichertes forstliches Vermehrungsgut bereitzustellen, um möglicherweise enorme wirtschaftliche Schäden zu vermeiden."

Die Zapfen-Ernte ist nur in dafür amtlich zugelassen Beständen erlaubt. Im Kreis Nordfriesland befinden sich solche nur im Langenberger Forst und Karlumer Wald. Bei den im erstgenannten Revier abgeernteten Douglasien handelt es sich um rund 130 Jahre alte, zwischen 35 und 45 Meter hohe Bäume, die noch auf die Wald-Gründung durch den Provinzialforstdirektor Carl Emeis (1831-1911) zurückgehen. Ihr einwandfreier Zustand beweist, dass sie mit dem hiesigen Klima gut zurechtkommen und sich deshalb als "Mutterbäume" für neue Baumgenerationen besonders eignen. Die Arbeit der Erntekräfte mutet abenteuerlich an: Sie steigen bis in die schwankenden Wipfel, pflücken die Zapfen per Hand in luftiger Höhe und lassen diese auf eine helle Plane fallen, wo das "Bodenpersonal" sie einsammelt und in Säcke verstaut.

Für den Start des Aufstiegs und den Rest des Abstiegs nutzen die Brüder Karl-Heinz (53) und Ralf Hirsch (59) eine zehn Meter lange Leiter. Für das Zusammentragen der Zapfen sorgte ein Enkel der Firmeninhaberin Edita Hirsch: der ausgebildete "Zapfenpflücker" Udo Jung. Seine Samen-Ernte liefert das Arbeitsteam bei der Revierförsterei Langenberg ab. Dort wird sie gewogen, protokolliert und durch einen offiziellen Kontrolleur aus Pinneberg mit einem Zertifikat versehen. Nach der Darre (Aufbereitung des Saatguts zu Körnern) gelangen die Samen zu den Baumschulen oder werden als Pflanzgut verwendet.

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