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Unhaltbarer Zustand : Wyks Lebensretter brauchen Hilfe

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

DLRG-Einsatzzentrale: Teure Ausrüstung zwischen Terpentin und Taubendreck. Jugend- und Nachwuchsschulung gefährdet.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2017 | 12:30 Uhr

Ortstermin mit Brar Nissen, dem Vorsitzenden der Föhrer Gliederung der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft im Hemkweg. Hier ist der alte Fritsch-Bauernhof, der sich mittlerweile im Besitz der Stadt Wyk befindet, derzeitiger Stützpunkt des ehrenamtlichen Vereins. In Teilen der alten Scheune und des Kuhstalles wartet hier die hochwertige Ausrüstung auf die Einsätze. Das Ersteinsatzfahrzeug, ein Wagen für die Taucheinsätze, ein Multifunktionsfahrzeug mit Bootsanhänger und ein Squad stehen hier neben Restmaterial von Bootsrestaurationen, alten Farbdosen und vollen Müllsäcken. Der Geruch von Terpentin liegt in der Luft – gut so, möchte man sagen, denn er übertüncht den Gestank des Taubendrecks.

„Die Problematik, in der sich unsere Insel-DRLG befindet, ist leider sehr vielschichtig“, weiß Brar Nissen zu berichten. „Der Ort, an dem wir unsere Fahrzeuge warten und instand halten, ist für jedermann zugänglich. Wir haben keine Möglichkeit, die hohen Sachwerte der Ausrüstung so zu schützen, wie es notwendig wäre. Andauernd werden Kabel entwendet, mit denen wir die Fahrzeuge einsatzbereit halten, und so kann es schnell passieren, dass Teile der Ausrüstung nicht funktionieren, weil sie nicht geladen wurden. Im Ernstfall das Schlimmste, was passieren kann.“

Mit Plastikplanen versuchen die ehrenamtlichen Helfer, das Hab und Gut der DLRG vor den Hinterlassenschaften der Vögel zu schützen. Sollte das einmal nicht geklappt haben, folgt das nächste Problem auf dem Fuß: Zum Reinigen gibt es vor Ort keinen Wasseranschluss.

„Wir haben hier zwar einen Personalraum, aber auch der ist nicht abzuschließen.“ Aufgrund dieser Situation sieht Nissen auch die Qualität der Jugend- und Nachwuchsschulung gefährdet: „Notgedrungen mussten wir hier eine Veranstaltung durchführen. Bei der blieb den über 80 Teilnehmern wegen der Umstände eine Menge Spaß verwehrt. Weiterbildungen und Schulungen sind gar nicht möglich – qualitativ stagnieren wir deshalb“.

Um die politische Diskussion anzuregen und die ortsansässigen Politiker mit ins (Rettungs-)Boot zu holen, lud Nissen die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien zur Jahresversammlung der DLRG nach Midlum ein. „Ehrlich gesagt bin ich enttäuscht, denn lediglich die SPD war mit ihrem Fraktionssprecher Peter Schaper vertreten, die Kommunale Gemeinschaft ließ sich wegen anderer Termine entschuldigen und von der CDU und den Grünen habe ich nichts gehört. Nun, es war ein erster Schritt, und wir bleiben natürlich nach allen Seiten diskussionsbereit.“

Wie könnte es weitergehen mit dem DLRG-Stützpunkt auf Föhr? „Da gibt es Realität und Wunschtraum. Soweit ich weiß, sind beim Bauvorhaben für die Strandkörbe am Laglumsweg nur Kapazitäten für die saisonalen Rettungsschwimmer frei, die dort jeweils ein Bett und ein Fahrrad bekommen sollen, um ihren freiwilligen Dienst am Strand leisten zu können. Das ist schön, hat aber mit uns wenig zu tun. Soweit die Realität.“ Nissen weiter: „Ein Traum wären für uns die Unterstützung der Politik und der Öffentlichkeit und ein Einsehen in die Notwendigkeit, an einem Strang zu ziehen, um auch in Zukunft in lebensbedrohenden Situationen einsatzfähig zu sein. Zu jedem Ziel gehört ein erster Schritt, deshalb arbeitet unser Vorstand derzeit an der Ausarbeitung von Konzeptvorschlägen, die wir der politischen Ebene zeitnah präsentieren möchten. Natürlich sind wir offen für alle Vorschläge und jede Hilfe.“

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