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Geburtshilfe : Wyker fordern Einsicht in Gutachten

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Stadtvertretung will weiter für die Wiedereröffnung des Kreißsaals kämpfen. Die Insulaner fordern, dass sich der Runde Tisch des Kreises auch damit beschäftigen soll.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 20:30 Uhr

Auf der Tagesordnung der Stadtvertretung stand die Geburtshilfe erst an 13. Stelle, in Form eines Antrags des Seniorenbeirats, dass das Gremium sich mit der Schließung des Wyker Kreißsaals Anfang Oktober und der Situation insgesamt am Krankenhaus befassen möge. Doch dann kam das Thema bereits in der Einwohnerfragestunde auf den Tisch, zeigten die als Zuhörer zur Sitzung erschienen Insulaner, dass sie noch lange nicht bereit sind, das Aus für die Geburtshilfeabteilung zu akzeptieren.

Mit dem großen Haftungsrisiko, wenn einmal in der kleinen Inselkinik eine Geburt schief gehen sollte, hatte der Chef des Klinikums Nordfriesland, Frank Pietrowski, die Schließung der Geburtshilfe auf Föhr begründet. In der Stadtvertretersitzung fragte deshalb die Föhrer Heilpraktikerin Christine Blum, ob es möglich sei, dass Frauen unterschreiben, dass sie selbst die Verantwortung übernehmen und auf eine Haftung der Hebammen verzichten. Doch so einfach ist es offenbar nicht, denn, so antwortete Till Müller von den Grünen – im Hauptberuf Jurist – im Schadensfall würden nicht die Mütter, sondern die Krankenkassen die Ansprüche stellen. „Das Haftungsrecht ist extrem kompliziert“, ergänzte Peter Schaper (SPD).

Die Kommunalaufsicht des Kreises habe die von Klinik-Geschäftsführer und Landrat ohne Einbeziehung des Kreistags verfügte Schließung für rechtens befunden, weil es sich um keine richtige Klinikabteilung handele, da dort Belegärzte und Beleghebammen arbeiten, antwortete Bürgermeister Paul Raffelhüschen auf eine Frage der Wyker Ärztin Cornelia Davids.

Gestürmt hatte es am Tag der Sitzung, und so fragte abends der Wyker Willy Asmussen die Stadtvertreter, was wäre, wenn an einem solchen Tag, an dem keine Fähren fahren und kein Hubschrauber fliegen kann, eine Insulanerin Wehen bekommen würde. „Wir haben zwei Hebammen auf der Insel, die werden das schon können“, lautete die flapsige Antwort von Bürgermeister Paul Raffelhüschen, der sich in den zurückliegenden Wochen immer wieder gegen Vorwürfe aus der Bevölkerung wehrte, er setze sich in seiner Eigenschaft als Kreistagsabgeordneter nicht genügend für die Wiedereröffnung des Kreißsaaals ein.

In der Stadtvertretersitzung war es der Seniorenbeiratsvorsitzende Volker Kahl, der erklärte, dass „es auf Föhr und Amrum zurzeit nichts wichtigeres zu tun gibt, als diese Aufgabe zu bewältigen“.

Till Müller nahm allerdings denjenigen den Wind aus den Segeln, die hofften, der vom Kreistag eingesetzte Runde Tisch zur Geburtshilfe werde es schon richten. „Alle, die ich auf Kreisebene gesprochen habe, haben gesagt dass es nicht die Aufgabe dieses Runden Tisches sei, Möglichkeiten zur Wiedereröffnung zu finden,, sondern ein Notfallkonzept zu entwickeln“, berichtete Müller. Er forderte Raffelhüschen dazu auf, darauf zu achten, dass dieser Runde Tisch auch eine Wiedereröffnung im Blick hat. Und noch etwas verlangte Till Müller: Dass endlich wenigstens in einer nichtöffentlichen Sitzung das Gutachten auf den Tisch kommt, auf das sich Pietrowski bei der Schließung des Wyker Kreißsaals berufen hatte und das er unter Verschluss hält. „Für mich ist es zwingend, dass der Runde Tisch sowie Stadtvertretung oder Amtsausschuss Zugang zu diesem Gutachten erhalten, denn nur so haben wir die Chance, zu sehen wo Defizite sind und gegenzusteuern“, sagte Müller.

„Wir dürfen nicht locker lassen, sondern müssen massiv darauf einwirken, dass der Runde Tisch an dem arbeitet, was wir möchten“, stieß Peter Schaper ins gleiche Horn. Es sei ein „unseliges Argument“, dass eine Entbindung auf dem Festland für die Insulanerinnen sicherer sei, betonte er. „In 25 Jahren gab es auf Föhr drei Komplikationen, in den zurückliegenden sechs Wochen gab es auch schon drei Fälle.“

„Wir brauchen dieses dämliche Gutachten und eure Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass wir das kriegen“, verlangte Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (Kommnale Gemeinschaft), von den Kreistagsabgeordneten, doch Paul Raffelhüschen hat da offenbar nur wenig Hoffnung. Der Kreistag als Gesellschafterversammlung des Klinikums bekomme einmal im Jahr den Jahresabschluss vorgelegt, „sonst ist das alles im Aufsichtsrat. Und Fort Knox ist gegen diesen Aufsichtsrat ein offenes Haus“, meinte er.

Einstimmig folgte die Stadtvertetung schließlich dem Antrag Till Müllers, vom Kreis zu fordern, dass der Runde Tisch sich auch mit den Möglichkeiten einer Wiedereröffnung des Wyker Kreißsaals zu beschäftigen habe und das Gutachten zur Geburtshilfe den Föhrer Politikern in nichtöffentlicher Sitzung vorgelegt wird.

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