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70. Jahrestag : Wyker Delegation zum Gedenken in Putten

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Vor 70 Jahren wurde der niederländische Ort von der Wehrmacht zerstört und die wehrfähige Bevölkerung deportiert. Viele verloren im Konzentrationslager ihr Leben.

Besuche in Putten stehen seit vielen Jahren regelmäßig auf der Tagesordnung Wyker Amtsträger, sei es am Volkstrauertag oder zum Jahrestag jener Razzia, bei der die niederländische Gemeinde am 2. Oktober 1944 von der deutschen Wehrmacht niedergebrannt worden war. Zum 70. Mal jährte sich der Tag in diesem Jahr und mit Wyks Bürgermeister Paul Raffelhüschen (CDU), Heinz Lorenzen und Eberhard Schaefer (beide KG) sowie Usche Meuche (Grüne) und Pastor Jörg Weißbach hatte sich eine fünfköpfige Delegation auf den Weg nach Putten gemacht, um des Tages zu gedenken. Raffelhüschen ging der Besuch, wie er bekannte, „ans Herz, ich war sehr ergriffen“.

Die Stadt ist in besonderem Maß in die damaligen Ereignisse involviert, bei denen der Wyker Friedrich Christiansen eine unrühmliche Rolle gespielt hatte. Dieser hatte in seiner Funktion als Wehrmachtsbefehlshaber in den Niederlanden die Deportation der wehrfähigen männlichen Bevölkerung Puttens und die Zerstörung des Ortes angeordnet. Der Befehl erfolgte als Reaktion auf einen Anschlag einer Widerstandsgruppe auf ein Auto mit deutschen Offizieren. 661 Bewohner wurden seinerzeit verschleppt, von denen 552 ihr Leben ließen – 111 allein in Ladelund, einem Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme.

Ereignisse, die der Stadt nicht angelastet werden können, wohl aber die Ereignisse nach dem Krieg. Denn Christiansen war zwar im August 1948 von einem Sondergericht in Arnheim zu zwölf Jahren Haft verurteilt, im Januar 1951 allerdings bereits wieder begnadigt worden. Unverzüglich erneuerte der Wyker Stadtrat Christiansens Ehrenbürgerschaft und benannte die „Große Straße“ – zum zweiten Mal nach 1932 – nach ihm um. Erst 1980 sollte die Straße ihren ursprünglichen Namen zurückbekommen.

Zehn Jahre ist es her, dass sich Vertreter der Gemeinde Putten und der Stadt Wyk die Hand zur Versöhnung reichten. Damit wurde der Weg für ein freundschaftliches Miteinander geebnet, auch wenn die Wunden tief sitzen. Gegenseitige Besuche gab es seither einige, dieser Jahrestag aber war ein besonderer und wurde mit einem großen Gottesdienst begangen. Dem die Wyker als Gruppe mit 31 Ladelundern beiwohnten, mit denen sie gemeinsam nach Putten gefahren waren.

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erstellt am 10.Okt.2014 | 19:00 Uhr

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