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Insel-Bote

23. Oktober 2017 | 20:03 Uhr

FTG-Austritt : Wyk zieht die Reißleine

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Stadtvertretung verschiebt die Kündigung der Verträge mit der Tourismus GmbH um ein Jahr. Wyk kehrt an den Verhandlungstisch mit Föhr-Land zurück.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2013 | 09:00 Uhr

Der Austritt der Stadt Wyk aus der Föhr Tourismus GmbH (FTG) zum Jahreswechsel ist vom Tisch – zumindest vorläufig. Mit großer Mehrheit beschlossen die Stadtvertreter am Donnerstagabend, an den Verhandlungstisch mit den Landgemeinden zurückzukehren und die bereits ausgesprochenen Kündigungen – sollte es zu keiner Einigung kommen – um ein Jahr zu verschieben.

Vorausgegangen waren dieser Entscheidung Sitzungen mit Vertretern der Landgemeinden – mal mit, mal ohne Moderator Cornelius Obier – in denen die Wyker, die sich im derzeitigen Gesellschaftsvertrag, sowohl was die Zahlungsmodalitäten als auch was das Stimmrecht angeht, ungerecht behandelt fühlen – positive Signale der Landbürgermeister empfangen hatten. Außerdem gab es ein Gutachten der Treuhandgesellschaft Fides, die seit vielen Jahren für die Stadt tätig ist und vor unkalkulierbaren Risiken eines Austritts aus der FTG zum 31. Dezember 2013 gewarnt hatte, da in so kurzer Zeit keine eigenen funktionsfähigen Organisationsstrukturen geschaffen werden könnten. Und schließlich wird wohl auch die klare Ansage des Wirtschaftsministeriums Wirkung gezeigt haben, nach der der Zuschusstopf des Landes für die Wyker künftig fest verschlossen bleiben würde, sollten sie aus der gesamtinsularen Fremdenverkehrsorganisation austreten.

Und dabei sei laut Fides noch nicht mal abschließend geklärt, ob nicht sogar bereits gewährte Zuschüsse zurückgezahlt werden müssten, gab Till Müller (Grüne) zu bedenken, der eindringlich dafür warb, die Kündigung der beiden Verträge zu verschieben. Zur Vermeidung wirtschaftlicher Nachteile und Risiken sei eine Umstellung frühestens im Januar 2015 möglich, zitierte Müller aus dem Gutachten der Fides. „Das Ding ist auf einem guten Weg“ empfahl er seinen Kollegen, sich wieder in den Moderationsprozess einzubringen, zumal zwischen Stadt und Land bereits Einigkeit darüber herrsche, dass man im Marketing weiter gemeinsame Wege einschlagen will, Aquaföhr und Veranstaltungsbereich aber wieder von der Stadt betrieben werden sollen. „Eine Verschiebung der Kündigung um ein Jahr ist die einzig realistische und vernünftige Variante“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Verschieben ja, aber nicht ganz, war dagegen das Anliegen von Annemarie Linneweber und ihrer Fraktionskollegin Sabine Gilleßen. Das Risiko, Fördergelder zu verlieren, sei ihr auch zu groß, so Linneweber. „Aber das Aquaföhr sollte schnellstmöglich an die Stadt zurückgehen“, warb sie dafür, dies bereits zum Jahresende umzusetzen. Ihre Begründung: Am maroden Wellenbad bestehe dringender Sanierungsbedarf, „umso eher wir das Gebäude in städtischer Hand haben, umso eher können wir daran gehen“, so Linneweber. Offenbar war der SPD-Politikerin, für die es immerhin schon die zweite Wahlperiode ist, genauso wenig wie dem Stadtvertretungs-Neuling Gilleßen bewusst, dass für den Zustand des lediglich an die FTG verpachteten Gebäudes auch jetzt schon allein die Stadt zuständig ist. „Wir können morgen schon anfangen, am Dach und Gebäude zu tun, was wir wollen“, belehrte denn auch Bürgermeister Paul Raffelhüschen (CDU) die beiden Sozialdemokratinnen.

„Die Runde mit den Bürgermeistern von Föhr-Land war sehr eindrucksvoll, es gab Anzeichen von zunehmendem Vertrauen“ ruderte am Donnerstag auch Wyks früherer Bürgermeister Heinz Lorenzen (Kommunale Gemeinschaft), bislang vehementer Befürworter eines Ausstiegs aus der FTG zum Jahreswechsel, zurück. Lorenzen sah außerdem die Umsetzung der Beschlüsse in den verbleibenden drei Monaten als stark gefährdet an, da davon auszugehen sei, dass weder die Verwaltung noch sein Nachfolger, noch der Hafenbetrieb, der das Aquaföhr „erben“ soll, diese mit Nachdruck vorantreiben würden. „Aufgrund des Zeitdrucks, und um das zarte Pflänzchen des wachsenden Vertrauens zwischen Föhr-Land und Wyk nicht zu zerstören, sollten wir die Kündigung um ein Jahr verschieben“, lenkte Lorenzen ein, in dessen Regierungszeit, wie zuvor in etlichen Redebeiträgen moniert worden war, auch nichts geschehen war, um die bereits im Dezember 2012 beschlossene Kündigung des Gesellschaftsvertrags umzusetzen.

„Was vergeben wir uns, wenn wir die Verträge um ein Jahr verlängern“, warb auch Erland Christiansen (CDU) um Zustimmung zu einer entsprechenden Beschlussvorlage, um die es ganz zum Schluss dann noch ein wenig Konfusion gab. Peter Schaper (SPD) hatte beantragt, über Gesellschaftsvertrag und Dienstleistungsvertrag getrennt abzustimmen. Doch worüber sollte beim Dienstleistungsvertrag abgestimmt werden: Die Kündigung komplett zu verschieben oder im Marketing weiterzumachen, Auquaföhr und Veranstaltungen aber bereits der Stadt zu übertragen?

Schließlich gab es drei namentliche Abstimmungen. Dafür, dass die Kündigung des Gesellschaftsvertrags mit der FTG um ein Jahr auf den 31. Dezember 2014 verschoben wird, stimmten 15 Stadtvertreter, lediglich Klaus Herpich (KG) sprach sich dagegen aus. Veranstaltunsgbereich und Aquaföhr bereits jetzt aus der FTG herauszunehmen lehnten zwölf Stadtvertreter ab, dafür waren Sabine Gilleßen, Klaus Herpich, Annemarie Linneweber und Peter Schaper. Den Dienstleistungsvertrag mit der FTG komplett ein weiteres Jahr beibehalten wollten zwölf Stadtvertreter, dagegen waren Klaus Herpich und Peter Schaper, Linneweber und Gilleßen enthielten sich.

 

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