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getrennte wege : Wyk verweigert den Schulterschluss

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Entscheidung ist gefallen: Mit acht Nein- und fünf Ja-Stimmen sowie vier Enthaltungen sprachen sich die Stadtvertreter gegen die Fortführung einer Föhrer gesamtinsularen Tourismusorganisation aus.

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erstellt am 17.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Die Entscheidung ist gefallen: Mit acht Nein- und fünf Ja-Stimmen sowie vier Enthaltungen sprachen sich die Stadtvertreter gegen die Fortführung der gesamtinsularen Tourismusorganisation aus. Damit ist nach rund ein halbes Jahr dauernden Verhandlungen unter der Moderation Cornelius Obiers deren Ergebnis (wir berichteten) Makulatur und Wyk steht vor der schwierigen Aufgabe, bis zum Jahresende tragfähige Tourismus-Strukturen zu entwickeln.

Eine Entscheidung, die paradox erscheint, denn einstimmig hatte die Stadtvertretung sowohl für die Gründung eines Zweckverbandes als auch für den erarbeiteten Finanzierungsschlüssel gestimmt. Das Gesamtpaket – die Veränderung der Aufgaben und Strukturen der Föhr Tourismus GmbH (FTG) – aber wurde abgelehnt. Aus finanziellen Gründen, rechtfertigte der Fraktionssprecher der SPD, Peter Schaper, die Entscheidung. Angestrebt sei gewesen, dass die Veränderungen zu geringeren Kosten führen. Wyk aber werde durch das Konzept schlechter gestellt und müsste künftig rund 2,7 Millionen Euro einbringen (bisher 2,5 Millionen). Auch müsse mit der Einzahlung von 67 Prozent des Gesamtbeitrages für die FTG die Möglichkeit verbunden sein, Entscheidungen zu treffen, hadert Schaper zudem mit den geplanten 75 Prozent, die für Entscheidungen im Zweckverband künftig erforderlich sein sollen.

Dass Wyk mit der neuen Struktur wesentlich schlechter dasteht, findet auch Dr. Silke Ofterdinger-Daegel. Sieben Wyker sitzen im jetzigen Aufsichtsrat der FTG drei Mitgliedern von Föhr-Land gegenüber, beschreibt die Fraktionssprecherin der Kommunalen Gemeinschaft die Crux aus Sicht ihrer Partei. Die künftige Pari-Situation in der Zweckverbandversammlung und dem Aufsichtsrat der neuen FTG sei der Hauptgrund für die Ablehnung der KG.

Groß ist die Enttäuschung bei Amtsvorsteherin Heidi Braun, „dass Wyk nach vielen Verhandlungsstunden eine gesamtinsulare Entscheidung nicht mittragen will“. Föhr-Land, so Braun, werde – vorbehaltlich der Zustimmung aller Gemeinden – an dem Konzept festhalten und den Zweckverband allein gründen. Schließlich solle sich der Verband um das gesamtinsulare Marketing kümmern, „das aber machen die Wyker ja nun allein“. Für die aus Sicht der Amtsvorsteherin kein Platz in dem neuen Organ sein wird: „Es geht nicht an, dass sie sich an einem Zweckverband beteiligen, nicht aber an dessen Grundsätzen“. Gespräche allerdings schließt Braun, wenn auch auf anderer Ebene, nicht aus.

Unisono wollen auch die Stadtvertreter die Gespräche trotz des Alleingangs weiterführen. Als Podium soll der Zweckverband dienen, um, wie Bürgermeister Paul Raffelhüschen (CDU) betonte, das Tischtuch nicht noch weiter zu zerschneiden. Ohnehin ist die Entscheidung für Raffelhüschen ebenso wie für die Grünen und deren Fraktionssprecher Till Müller nicht das richtige Signal. „Ein Schritt in die falsche Richtung, der mit Sicherheit nicht gut für die Insel ist“, so der Kommentar des Stadtoberhauptes. Müller betonte, dass Wyk nun ebenso wie Föhr-Land mit dem Aufbau neuer Strukturen beginnen müsse, „sonst wird sich das am Ende bitter rächen“.

Rächen wird sich die Entscheidung auch anderweitig. Denn die Signale aus dem Wirtschaftsministerium sind eindeutig: Wyk wird mit dem Ausscheiden aus der Lokalen Tourismus-Organisation (LTO) keinen Anspruch mehr auf Fördermittel haben, die an die Existenz einer LTO gebunden sind. Die ortsübergreifend sein muss, so die Vorgabe in den Förderrichtlinien des Landes. Realitätsfern seien vor diesem Hintergrund die Vorstellungen einiger Stadtvertreter, so Till Müller, den Status einer LTO durch lose Absprachen zu erreichen.

Mit Hochdruck muss die Stadt nun an einem tragfähigen Tourismuskonzept arbeiten, das bis zum Jahresende in trockenen Tüchern sein muss. Lediglich Grobplanungen wurden bisher erarbeitet, obwohl die Kündigung der Verträge mit der FTG bereits seit rund eineinhalb Jahren ein Thema ist. „Man hätte sich längst um das Aquaföhr kümmern können“, legt Silke Ofterdinger-Daegel den Finger in die Wunde, denn schon lange sei klar gewesen, dass das Bad wie auch die Veranstaltungen an Wyk zürückgingen.

Momentan sind einige Modelle im Gespräch, die unter anderem vorsehen, dass das Wellenbad in Form einer GmbH weitergeführt wird. Auch eine große GmbH ist im Gespräch, zu deren Aufgaben zusätzlich die Liegenschaften und der kommunale Wohnungsbau gehören könnten. Auch könne der Bereich Tourismus, so Silke Ofterdinger-Daegel, in einer Betreiber-GmbH an den Hafenbetrieb übergehen, die das Wellenbad, die Veranstaltungen und das Marketing betreut.

Mit Hochdruck sollen die Planungen vorangetrieben werden. Bereits am kommenden Montag treffen sich die Fraktionsvorsitzenden und am Dienstag wird die Stadtvertretung tagen. Für Till Müller ein zweischneidiges Schwert: Wie Föhr-Land müsse Wyk jetzt etwas aufbauen. „Gleichzeitig bekunden alle ihren Willen zu weiteren Gesprächen. Mittelfristig wird sich eine Zusammenarbeit dann aber ausschließen“.

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