Tourismus GmbH : Wyk stellt FTG erneut infrage

Geht die Stadt im  Fremdenverkehr demnächst wieder eigene Wege? Foto: pk
Geht die Stadt im Fremdenverkehr demnächst wieder eigene Wege? Foto: pk

Gesellschaftsvertrag mit der Tourismus GmbH soll gekündigt werden - Stadt will weniger zahlen und mehr Rechte.

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16. Januar 2013, 09:01 Uhr

Föhr | Es ist gerade mal 15 Monate her, dass die Kommunen auf Föhr sich zusammengerauft und den Fortbestand der gesamtinsularen Tourismus GmbH (FTG) gesichert haben. Nun knirscht es schon wieder im Gebälk. Die Wyker Stadtvertretung hat, wie Bürgermeister Heinz Lorenzen berichtete, in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, den Gesellschaftsvertrag mit der FTG zum 1. Januar 2014 zu kündigen. Grund ist eine aus Sicht der Wyker nicht mehr hinnehmbare Benachteiligung der Stadt. "Unzufrieden sind wir schon seit langem, irgendwann kommt es dazu, dass das nicht mehr zu tragen ist", so Lorenzen.

Was den Wykern so sauer aufstößt, ist eine Klausel im Vertrag, durch die die Landgemeinden sich bei der Gründung der FTG im Jahr 2007 dagegen absichern wollten, von der Stadt dominiert zu werden, die mit 53,8 Prozent die Mehrheit der Anteile an der FTG hält. Denn für jeden Beschluss von Gesellschafterversammlung oder Aufsichtsrat ist eine Zweidrittelmehrheit nötig, außerdem muss neben Wyk noch mindestens eine Landgemeinde zustimmen. Angesichts der Tatsache, dass die Stadt das meiste Geld in die FTG schießt - im Jahr 2012 von insgesamt knapp 3,3 Millionen Euro immerhin 2,6 Millionen, also rund 80 Prozent - für die Wyker ein unhaltbarer Zustand. Wyk habe den Vertrag so ändern wollen, dass in Bereichen, die zum größten Teil von der Stadt finanziert werden, beispielsweise Aqua Föhr, Kurmittelhaus oder Veranstaltungen, bei Beschlüssen die einfache Mehrheit ausreicht. "Aber das wurde abgelehnt und eine Goodwillbekundung der Landgemeinden war uns zu wenig", so Lorenzen. Und auch mit dem Wunsch, die Dienstleistungsentgelte wie bei der früheren Marketingorganisation "Föhr-Touristik" anhand der Übernachtungszahlen zu berechnen, scheiterte Wyk laut Lorenzen in der Gesellschafterversammlung der FTG. "Wir zahlen mit den Steuergeldern unserer Bürger Fremdenverkehrsaufgaben für die ganze Insel mit", schimpft der Bürgermeister.

Zwar trage Wyk als zentraler Ort der Insel für den Tourismus insgesamt Verantwortung und sei deshalb auch gefordert, mehr zu zahlen. "Aber das muss vernünftig und angemessen sein", betont Lorenzen, dass die Stadt, sollte es nicht doch noch zu einer Einigung mit den Landgemeinden kommen, das Auseinanderbrechen der FTG in Kauf nehmen würde. "Ein Ausscheiden aus der FTG wäre zwar ein Rückschritt in die Steinzeit und die optische Wirkung wäre miserabel, aber ich sehe die Chance, dass man mittelfristig einsieht, dass man nur gemeinsam vorankommt". Lorenzen hofft, dass die Wyker Kündigung dazu führt, dass sich Stadt und Landgemeinden doch noch einmal zusammensetzen und andere Bedingungen aushandeln.

Doch zunächst, so kündigte Amtsvorsteherin Heidi Braun an, wollen die sich ohne die Wyker zusammensetzen. "Ich habe die Bürgermeister von Föhr-Land, den Tourismus-Chef und die Aufsichtsratsmitglieder eingeladen, um gemeinsam eine Lösung zu finden", berichtet Braun. Sie bedauere, dass die Wyker nach nur einem Jahr die Diskussion über die Verträge wieder neu entfachen, zumal die Landgemeinden den Wykern seinerzeit entgegengekommen seien und mit ihrer Bereitschaft, mehr an die FTG zu zahlen, ein Zeichen gesetzt hätten. "Das erwischt uns jetzt bitter", so Braun, die dennoch betont, dass Föhr-Land Gesprächen aufgeschlossen gegenüber stünde. "Doch notfalls müssen wir uns neu aufstellen", so die Amtsvorsteherin.

"Relativ gelassen" gibt sich FTG-Chef Armin Korok, zumal die Stadt ihm gegenüber betont habe, dass sie an der gesamtinsularen Zusammenarbeit festhalten wolle. "Über die Konditionen wird man reden müssen, aber wir haben ja ein Jahr Zeit, um eine Lösung zu finden", so Korok. Trotzdem ist auch er alles andere als glücklich über den Wyker Vorstoß. Es sei völlig inakzeptabel dass dieser Konflikt auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werde, die schon seit über drei Jahren immer wieder verunsichert würden und sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze machten. "Wir wollen verdammt noch mal endlich in Ruhe unsere Arbeit machen und uns mit den Gästen auf der Insel beschäftigen und nicht mit irgendwelchen Verträgen", schimpft Korok.

Doch welche Konsequenzen hätte es, sollten sich Stadt und Land nicht rechtzeitig einigen? "Für die Arbeit der FTG zunächst keine, weil die an den Dienstleistungsvertrag gekoppelt ist", so Korok. Auch wenn Wyk als Gesellschafter ausscheide, könne die Stadt Dienstleistungen bei der FTG einkaufen - hätte dann aber keinerlei Mitbestimmungsrechte mehr. Richtig teuer würde es für Wyk, wenn die Stadt der FTG ganz den Rücken kehre, denn dann müssten komplett neue Strukturen aufgebaut werden. "Denn die Rechte am Logo, an der Webadresse foehr.de, an den Datenbeständen und an der Zimmervermittlung liegen bei der FTG", betont Korok.

Ist Wyks Kündigungsdrohung dann etwa nur Kampfgetöse angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl? Diesen Gedanken weist Heinz Lorenzen weit von sich. "Wahlkampf steckt meiner Meinung nach überhaupt nicht dahinter", betont er, zumal der Kündigung Mitglieder aller Fraktionen zugestimmt hätten.

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