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Schleswig-Holstein Musik Festival : Wunderschöne Flötentöne

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Michala Petri und Lars Hannibal musizierten zum zweiten Mal in der Boldixumer St.-Nicolai-Kirche. Und wieder verzauberten sie ihr Publikum.

von
erstellt am 24.Aug.2015 | 15:30 Uhr

„Ich hätte nie gedacht, dass man mit einer Blockflöte so tolle Musik machen kann“. Von einer Freundin ins Konzert der dänischen Blockflötenvirtuosin Michala Petri mitgeschleppt, war die Insulanerin zunächst skeptisch – und dann hellauf begeistert.

Offenbar haftet der Blockflöte in den Köpfen vieler Menschen immer noch das Image des Kinderinstrumentes an, auf dem der genervte Nachwuchs ebenso genervten Verwandten am Weihnachtsabend furchtbar schrille Lieder vorspielen muss. Dabei kann ein großer Blockflötenchor es klanglich locker mit einer Orgel aufnehmen und Solokünstler wie der im vergangen Jahr verstorbene Niederländer Frans Brüggen oder die Dänin Michala Petri haben seit Jahrzehnten bei ihren Konzerten bewiesen, wieviel Großes in dem kleinen Instrument steckt.

Bereits zum zweiten Mal hat Petri dies nun auch im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der Boldixumer St.-Nicolai-Kirche gezeigt, einer Kirche, in der sich die Flötistin und ihr kongenialer Begleiter, der Gittarist und Lautenist Lars Hannibal, sichtlich wohl fühlten. „Ich freue mich, dass ich noch mal in dieser Kirche mit der wunderschönen Akustik spielen darf“, meinte sie eingangs, um am Ende des Konzertes zu bemerken, dass sie bei dieser Akustik am liebsten noch gar nicht aufhören möchte. Dazwischen lagen gut eineinhalb Stunden, die auch den letzten Blockflöten-Skeptiker im Publikum verzauberten.

Barockmusik stand im ersten Teil des Abends auf dem Programm, Werke für Blockflöte von Corelli, Händel und Vitali sowie – die erste der Cello-Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach. Die vertrauten, ein wenig schwermütigen Klänge erfüllten in Petris Bearbeitung den Kirchenraum mit ungeheurer Leichtigkeit und Fröhlichkeit – ein völlig neues Hörerlebnis.

Auch im zweiten Konzertteil präsentierten die beiden wunderbar miteinander harmonierenden dänischen Musiker Stücke, die man zunächst nicht unbedingt mit der Blockflöte in Verbindung bringen würde und die auch für andere Instrumente komponiert wurden, für Streicher und Klavier. Es erklang Musik von Tschaikowsky und Grieg – und „L’histoire du Tango“ von Astor Piazzolla. „Der Tango wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit Flöte und Gitarre gespielt“, berichtete Petri dem Publikum – genauso wie an diesem wunderschönen Boldixumer Sommerabend, an dem sie und Lars Hannibal das Publikum auf eine musikalische Reise vom Barock bis in die Gegenwart mitnahmen.

So spielte Hannibal noch das berühmte Prélude Nr. 1 e-Moll für Gitarre solo von Heitor Villa-Lobos und Michala Petri das meditative „Nachtstück“ ihres 2012 verstorbenen Landmannes Axel Borup-Jørgensen.

Gut gelaunt beendeten die Musiker den Abend mit zwei Zugaben, die die Zuhörer nicht nur schmunzeln, sondern laut lachen ließen: Michala Petri spielte Variationen über das dänische Volkslied „Mads doss“ solo und doch zum Teil „zweistimmig“, indem sie gleichzeitig die Flötentöne blies und die Melodie summte. In einen urkomischen Dialog traten Hannibals Gitarre und Petris Blockflöte dann beim wirklich allerletzten Stück des Abends ein: Bachstelze und Kuckuck von Asger Lund-Christiansen. Ja, und dann wartete auch schon die Fähre zum Festland auf die beiden Künstler, denen man noch Stunden hätte zuhören können.

 

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