zur Navigation springen

Demo in Wyk : Wütende Föhrer auf dem Rathausplatz

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Aus für die Geburtsstation in Wyk: Rund 1000 aufgebrachte Insulaner machten gestern ihrem Ärger über die geplante Schließung der Geburtshilfe Luft.

Frank Pietrowski dürfte gestern beeindruckt gewesen sein. Der Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland war Gast des Föhr-Amrumer Amtsausschusses, in dessen Sondersitzung er sich dem Gespräch über die von ihm beschlossene Schließung der Wyker Geburtshilfe stellen wollte. Einen Vorgeschmack auf das, was ihn im Sitzungssaal erwarten würde, bekam Pietrowski bereits im Vorfeld: Rund 1000 Menschen waren dem Aufruf der Elterninitiative um Heike Schuknecht, Johannes Winkler, Katrin Petersen, Till Müller, Katrina Kossack, Kerstin Bohn und Kristina Hommel gefolgt und hatten sich auf dem Rathausplatz versammelt, um mit Transparenten und Liedern oder einfach nur ihrer Anwesenheit gegen das Aus für die Geburtsstation zu demonstrieren. Deren Schließung, so war auf dem Platz vor dem Amtsgebäude immer wieder zu hören, viele wütend macht. Einig waren sich die Demonstranten aber auch in der Sorge, dass dies nur der erste Schritt sei, und die Existenz des Hauses insgesamt auf der Kippe stehe.

Bereits im Vorfeld hatten viele Insulaner ihre Wut und ihr Unverständnis über den geplanten Schritt via Internet ausgetauscht und waren aktiv geworden. Ann Fritsch etwa, medizinische Fachangestellte in Wyk, hatte kurz nach dem Bekanntwerden der Pläne spontan Unterschriftenlisten in den Geschäften und Arztpraxen ausgelegt. Mit Erfolg, so Fritsch, denn rund 700 Insulaner hatten sich bis gestern eingetragen. Noch erfolgreicher war eine von Johannes Winkler ins Leben gerufene Online-Petition. Auf der Plattform hatten – ebenfalls Stand gestern – knapp 3500 Gegner der Schließung ihre digitale Unterschrift abgegeben.

„Ich dachte, es muss etwas passieren“, begründet der Vater zweier Kinder die Petition, die sich als Selbstläufer erwies: Bereits 36 Stunden nach dem Online-Start waren es mehr als 2200 Unterschriften. Diese lägen bereits beim Kreis in Husum, berichtet Winkler, der nächste Schub soll zeitnah überreicht werden. Und die Zahl derer, die sich an dem schriftlichen Protest beteiligen, wird weiter steigen, denn noch liegen Listen in Föhrer Geschäften ebenso aus wie auf Amrum. Von der Resonanz zeigte sich Johannes Winkler selbst überrascht, der sich weitere Aktionen vorstellen kann und erfreut konstatiert: „Man spürt, dass die Insulaner bei diesem wichtigen und emotionalen Thema zusammenhalten.“

Eine Solidarität, an der sich auch viele Föhrer Gewerbetreibende und Geschäftsleute beteiligten, die ebenfalls ein Zeichen setzen wollten und in Kauf nahmen, dass ihre Kunden vor verschlossenen Türen standen. Dies galt gestern Nachmittag für Föhr-Land, insbesondere aber für Wyk, wo sich in der Innenstadt ab 16 Uhr mehr als 30 Geschäftsinhaber für eine Stunde mit dem Protest solidarisierten. Zu denen, die ihren „Laden dicht“ und sich auf den Weg zum Rathausplatz machten, gehörte auch Uwe Stammer. „Für mich ist die geplante Schließung der Geburtshilfe auch ein bisschen der Anfang vom Ende des Krankenhauses“, so der Kaufmann und vierfache Vater, der diesen Entschluss und dessen Folgen auch als Zumutung für die Frauen empfindet.

Doch nicht nur die Geschäftsleute erklärten sich mit dieser eindrucksvollen Aktion solidarisch. So blieben etwa beim Eltern-Kind-Turnen in Midlum die Türen geschlossen und auch der ADS-Kindergarten „Die Inselkinder“ hatte reagiert und das für diesen Tag geplante „Krabbelcafé“ abgesagt. Jeder sollte die Möglichkeit haben, zur Demo zu gehen: „Das betrifft nicht nur die Eltern, sondern auch den Kollegenkreis“, so Erzieherin Heike Zimmermann, die noch am Vormittag damit beschäftigt war, Plakate vorzubereiten.

Plakate, die auch im Sitzungssaal ausgerollt wurden, in dem der Klinik-Geschäftsführer dann nicht nur den Politikern, sondern vor allem aufgebrachten Bürgern Rede und Antwort stehen musste. Die reagierten vor allem darauf empört, dass der Klinikchef die Schließung der Geburtshilfe zum 1. Dezember verfügt hat, ohne ein Notfallkonzept erstellt zu haben. An dem, so Pietrowski, werde noch gearbeitet. „Man kann doch nicht einfach die Schließung der Geburtshilfe verfügen, ohne zu wissen, was mit den Menschen passiert, die man hier im Stich lässt“, meinte eine Föhrerin unter frenetischem Beifall, eine Schwangerschaft auf den Inseln werde so nicht sicherer, sondern unsicherer. Über den Verlauf der Amtsausschuss-Sitzung berichten wir noch ausführlich.

 

zur Startseite

von
erstellt am 24.Sep.2015 | 00:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen