zur Navigation springen
Insel-Bote

11. Dezember 2017 | 18:34 Uhr

Auf Föhr : Wolfgang Borchert auf Friesisch

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ferring-Stiftung und Eilun-Feer-Skuul haben ein neues Buchprojekt realisiert. Schüler haben Kurzgeschichten übersetzt.

„Efterdoordeewentüüren“ (Eskapaden nach dem Frühstück) ist nun bereits das 14. Buchprojekt in Folge, dass die Oberstufe der Eilun-Feer-Skuul in Zusammenarbeit mit der Ferring-Stiftung herausgibt. Professor Volkert Faltings als Projektleiter präsentierte die ins Friesische übersetzte Kurzgeschichten-Auswahl des Nachkriegsautors Wolfgang Borchert nicht ohne Stolz auf seine jungen Mitherausgeber und Arbeitskollegen (Korrekturleser Reinhard Jannen und Layout-Verantwortliche Uta Marienfeld): „Unsere Schüler schreiben sich ihre Unterrichtsmaterialien selbst.“ Und täten dies auch noch mit großer Freude, so Schülerin Lina Hinrichsen als „Pressesprecherin“ des Projektes. Dabei scheint das Interesse an muttersprachlicher Literatur groß zu sein, denn die Präsentation in den Räumen der Alkersumer Ferring-Stiftung war sehr gut besucht, wobei auch namhafte Sprachwissenschaftler der Universität Kiel (Prof. Jarich Hoekstra, Dr. Alastiar Walker und Dr. Ommo Wilts) und der Europa-Universität Flensburg (Prof. Nils Langer) der Einladung nach Föhr gerne gefolgt waren. „Jem hebbt wat makt, wat bliiben deit“, attestierte die plattdeutsche Muttersprachlerin Karen Nehlsen, Koordinatorin für Regional- und Minderheitensprachen am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein, den Schülern in ihren Grußworten. Nehlsens Worten schlossen sich auch Gudrun Fuchs als Vorsitzende des Friesischen Vereins und Schulleiter Carl Wögens an, der seinen Schülern versicherte: „Schule ist dankbar, wenn Lernergebnisse in die Öffentlichkeit getragen werden.“

„Ihr könnt in der Tat stolz auf das Ergebnis sein. Ich habe gerne mit euch zusammengearbeitet“, so auch Faltings selbst, wobei er mit einem anerkennenden Lächeln auf das Sponsoren-Einwerben hinzufügte: „Wie ihr den Wyker Geschäftsleuten das Geld aus der Tasche gezogen habt, ist mir ein Rätsel. Wir werten das als großes solidarisches Zeichen mit dem Inselgymnasium im Allgemeinen und dem Friesischen im Speziellen.“

„Warum haben wir gerade Borchert übersetzt“, fragte Faltings in die Runde und betonte, dass die Antwort ganz einfach sei, denn Borcherts elementare Dialogsequenzen mit Rede und Antwort kämen dem Friesischen sehr entgegen und seien viel einfacher zu übersetzten als andere deutsche Literatur, die von attributiven Nominalkonstruktionen geprägt sei. Borcherts Kurzgeschichte „At bruad“ (das Brot), vorgetragen von Evje Wieck, ist von diesen knappen Dialogen geprägt und zeigt dabei sehr deutlich, dass gerade auch kurze Sätze zum langen Nachdenken anregen.

Jakob Tholund, ehemaliger gymnasialer Schulleiter und „Grundsteinleger“ der Friesisch-AG an der Schule, unterstrich die Bedeutung Borcherts als Nachkriegsautor und zeigte sich sehr erfreut über die gelungene Übersetzung: „Jam haa belewet, wat fering maage kön. Det skal üüs mud maage.“ (Ihr habt erlebt, was Fering bewirken kann. Das soll uns Mut machen.)

Zu einer Buchpräsentation gehört in der Ferring-Stiftung traditionell eine kleine Feierstunde bei Selbstgebackenem und mit musikalischer Umrahmung. Emilia Marienfeld (Geige) und Annamaria Cserepka (E-Piano) spielten aus dem Notenbuch „Folk von der Westküste“ und bewiesen, dass sich eine regionale Minderheit durch Sprache und Musik auszeichnen kann.

Traditionell ist auch, dass „Husum Druck und Verlag“ der Herausgeber der Neuerscheinung ist. Dessen Inhaber Ingwert Paulsen sprach von einer „Win-Win-Win -Situation“, die sich auf Schüler, Schule und Verlag beziehe. Er versicherte, die Bücher in den nächsten Tagen an den Buchhandel auszuliefern. Ab sofort gibt es die „Efterdoordeewentüüren“ auch in der Ferring-Stiftung selbst und deren Online-Shop.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen