Norddorf : Wo vieles wunderschön ist

Einmal im Jahr wird das Gemeindehaus zur Galerie.
Einmal im Jahr wird das Gemeindehaus zur Galerie.

Reden, schauen, kaufen: Beim Künstlerfest des Rotary-Clubs herrscht stets eine ganz besondere Stimmung.

shz.de von
08. August 2018, 14:00 Uhr

Künstler Felix Karweick hatte das schönste Hemd. Amrums Rotary-Präsident Mario Bruns den schönsten Hut. Und Musiker und Maler Georg Dittmar einen schönen Gedanken: „Das Grandiose an der Kunst ist, dass sie völlig zweckfrei ist und man sich einfach an ihr freuen kann.“ Das Künstlerfest des Rotary-Clubs Amrum im Norddorfer Gemeindehaus und seinem Garten war – wieder einmal – ein Treffpunkt für viel Schönes.

Während manche Besucher auf der Suche nach einem kleinen, nicht so teuren Kunststückchen waren, stand anderen der Schweiß im Gesicht bei der Überlegung, welche Kunst für welches ihrer Häuser wohl am Gelungensten wäre. „Notfalls müssten Sie noch ein Bild malen. Ich bräuchte das Format zweimal.“ Nun denn – dem Zweck der Veranstaltung käme auch das zugute, denn schließlich haben die Rotarier bei ihrem Künstlerfest immer Jugendprojekte im Hinterkopf, die sie hernach unterstützen. Und zwar „aus den Spenden, die wir von den Künstlern für ihre verkauften Werke bekommen“, sagte Michael Langenhan, der den Rotary-Club Amrum 2008 mit gründete. Der derzeitige Präsident Mario Bruns und der rotarische „Sonderbeauftragte für Verkaufserfolg“, Freddie Flor, flanierten nie ohne Tun durch die Reihen der Künstler. Hier ein Verkauft-Button ans Bild, dort ein Gespräch, hier ein kleiner Kauf für das eigene Heim.

Die Föhrerin Petra Kleibömer mit ihren „verschobenen“ Bilden war das erste Mal dabei. Wie vielen anderen gefiel ihr sehr die Hintergrundmusik von Manuel Pabst am Klavier, der mit „Fineness“ eine eigene CD mitbrachte, die er samt Notenbuch verkaufte. Seinen Platz auf der Empore teilte sich Pabst, der früher als Lehrer auf Amrum arbeitete, mit Felix Karweick, der Bildhauerin Ria Bredemeyer und Otfried (Panscho) Schwarz.

Zwischen viel Kunst auch etwas Kitsch. Und manchmal ein Flächenbrand aus Öl und Acryl, wenn die satten Farbwerke sich in ihrer Aneinanderreihung bedrohlich verdichteten. Was schade war, denn manches hätte lichter betrachtet bestimmt gefangen genommen. Was den Kitsch betrifft, so ist auch er subjektiv, und warf dennoch eine verwegene Idee auf: Hätte man hier und da eine dieser Schneekugeln dazugestellt, mit Delphin oder vielleicht mit Leuchtturm und Robbe; sie hätte sich nahtlos eingefügt – und vielleicht sogar ihre Fans gefunden.

Vorne im Saal brachte Anna Susanne Jahn mit Engelsgeduld bei ständig um sie herumfragenden Gästen ihr Aquarell-Stillleben mit Maus und Nektarine zu Ende. „Reden, konzentrieren, malen – das ist Teil des Spiels“, sagte sie lachend. Auch Karin Theisingers wunderschöne Fische und verschleierte Wattlandschaften waren ein Hingucker. Die Kölnerin Ann Schiffer hatte Arbeiten nach japanischem Holzschnitt mitgebracht und feine Linolschnitte mit Strukturen aus der Natur.

Mit Kinka Tadsen und Sven Sturm standen sich Bauch und Kopf der Amrumer Fotokunst gegenüber. Sie, die sich von Menschen, Land und Himmel intuitiv begeistern lässt und ihre Sujets gern spontan in den Moment bannt und er, der Mimikry-Kästen für seine Kamera austüftelt, womit dann faszinierende Aufnahmen von Austernfischern face to face gelingen. So, wie sich beide daran erfreuten, den neugierigen Fragen nach dem Befinden der Tiere, dem Zug der Wolken, der Belichtung und Perspektive nachzugehen, so waren es auch bei den anderen Künstlern wieder einmal die Geschichten hinter dem Gezeigten, die dieses Fest so besonders machen. Es wird viel geredet. Miteinander. Spontan. Neugierig.

Ein Highlight waren Raimund Behrends fantastische Deichlandschaften in Ölpastellkreide. Die Kunst des 84-Jährigen war eine Bereicherung dieser Ausstellung. Die Amrumer Künstler, die bei der Erstveranstaltung vor zehn Jahren das Fest noch allein bestritten, sind eine feste Größe. Amrum in all seinen Facetten spiegelte sich in der Aquarellmalerei von Birgitt Sokollek, Hilla Randow und Andrea Hölscher und auch in Kai Quedens’ Eitempera-Gemälden. Georg Dittmar präsentierte neben seinen Landschaften auch die limitierte Auflage eines Linolschnittes, mit dessen Verkauf er die Produktion seiner neuen Crazy-Horst-CD unterstützen wollte. Nick Jungclaus hat sich auf Acrylmalerei und Linoldruck spezialisiert. Sein düster-raues Gewitter-Bild war ein sehr beliebter Fotohintergrund der Ausstellung.

Bei einsetzender Dunkelheit projizierte Torge Peters eine Lichterschau auf Front und Dach des Gemeindehauses, die wie eine ausflutende Lavalampe wirkte, der Quallen und Luftblasen entstiegen. Als sich seine Bubbles langsam hinter dem Dachfirst auflösten, gingen auch die Menschen schlafen.





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