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Föhr-Amrum-Treffen 2017 : Wo Grabsteine Geschichten erzählen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Auf dem Besuchsprogramm der Insel-Friesen stand in diesem Jahr auch ein virtueller Rundgang über den Süderender Friedhof.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 12:30 Uhr

Mit über 70 Anmeldungen war das Föhr- Amrumer Treffen, das seit vielen Jahren schon von der Alkersumer Ferring-Stiftung organisiert wird und jährlich wechselweise auf Föhr oder Amrum stattfindet, außergewöhnlich gut besucht. In den Stiftungsräumen begrüßte Dr. Volkert Faltings, Vorsitzender und „Sprecher“ der Föhrer Gastgeber, seine „Stammesbrüder“ von der Nachbarinsel und deutete die vollen Räume als gutes Zeichen ungebrochener Verbundenheit. Ein umfangreiches und informatives Tagesprogramm möge das Seinige getan haben, so viele Insulaner anzusprechen.

Der Tag startete mit der Besichtigung des Weingutes Waalem, durch das die Föhrer Architektin Holle Paulsen die Besucher führte. Die innenarchitektonischen Detaillösungen fanden viele Bewunderer, während manche den Standort als kritisch ansahen.

Mit einem virtuellen Rundgang über den zirka einen Hektar großen Süderender Friedhof bewies Referent Joachim Taege, dass jemand, der für eine Sache brennt, in anderen ein Feuer entzünden kann: Mit Sachkenntnis und Akribie beschäftigt sich Taege seit Jahren als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Ferring-Stiftung mit dem Kirchspiel St. Laurentii und gewährte nun den Zuhörern einen Einblick in die Historie der Grabsteine. „Die Grabmale des 17. bis 19. Jahrhunderts sind ein Spiegel der Zeitgeschichte und erscheinen als Chronik der friesischen Volkskultur“, erklärte der Referent und ergänzte, dass noch heute rund 250 alte Grabsteine auf dem Friedhof zu finden seien. Von Hausgrabstätten zu Familiengräbern, vom hellen Sandstein zur leichter zu bearbeitenden Roten Sandsteinfliese, von Ornamenten aus dem Barock bis zu solchen aus dem Rokoko – anhand vieler Details und sorgfältig ausgewählter Fotos der betreffenden Gräber wurde deutlich, warum Taege seinen Vortrag mit „Redende Grabsteine“ überschrieben hatte, denn noch heute können sie dem Betrachter viel über das Leben der früheren Inselbewohner „erzählen“.Die Inschriften, die in ihrer Schriftart ebenso dem Zeitgeist entsprachen, berichten über das Familienleben, den Beruf und/oder besondere Ehrenämter der Verstorbenen.

Die zumeist von Föhrer Steinhauern entworfenen Ornamente legen dabei nicht nur Zeugnis ab von der tiefen Gläubigkeit der alten Föhrer, sondern machen immer wieder deutlich, wie gut diese ihr Handwerk verstanden. Dabei waren sie gar nicht ausgebildete Steinmetze, sondern ehemalige Seefahrer oder kamen aus einem anderen Handwerksberuf. Die Größe der Grabplatten des 17. und 18. Jahrhunderts, die zu Platzmangel auf dem Friedhof führten, machten es notwendig, dass an ihre Stelle die Stelen kamen. Traditionell wurden sie mehrfach benutzt, in dem sie abgeschliffen und neu bearbeitet wurden. Während die sogenannten „Arme-Leute-Steine“ ganz schlicht nur mit den Initialen und dem Sterbedatum versehen sind, finden die handwerklichen Fähigkeiten der Steinhauer, die sich auf vielen Stelen der Wohlhabenderen verewigt haben, immer noch große Anerkennung. Anerkennender Beifall rundete den Vortrag ab.

Nachmittags passierte dann, was noch nie passiert war: Ein Programmpunkt fiel ins Wasser. Buchstäblich. Und weil der geplante Besuch der Oevenumer Vogelkoje nicht möglich war, gab Heie Sönksen-Martens sein profundes Kojen-Wissen in den Räumen der Stiftung mittels Dias weiter. Etwas Besonderes ist das allemal, denn die vier Vogelkojen, die es in Deutschland noch gibt, befinden sich alle auf Föhr. Während dort 1789 noch knapp 67  000 Krickenten gefangen wurden, sind es heute noch rund 200 Stockenten. „Die Krickenten haben sich alle verzogen“, sagt der Experte, der dank seiner Expertise und überlegten Art im Lauf der Jahre auch die Naturschutzgruppen auf seine Seite brachte, die dieses Kulturgut der Föhrer Geschichte mittlerweile akzeptieren. Heute gilt es als Ruhestätte für durchziehende Vögel und als deren Rückzugsgebiet im vollen Gästesommer.

Bewegend schön gestaltet sich stets der Schluss dieser inselübergreifend interessanten Veranstaltung: Zum Kaffee in „Grethjens Gasthof“ klang „Rüm hart klaar kiming“ durch den Saal. Schön für Friesen und Nichtfriesen!

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