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In Utersum : Wo die Oma mit der Enkelin tanzt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Beim Fering Inj wurde wieder kräftig gefeiert. Daneben kam auch der Austausch mit Festlands- und Amrumer Friesen nicht zu kurz.

Über alte Zöpfe zu reden, hat meistens einen negativen Beigeschmack. Das trifft allerdings nicht für Gudrun Fuchs zu, die als Vorsitzende des Nordfriesischen Vereins auf dem Fering Inj, der traditionellen Feier des Fering Ferian, ihren alten Zopf der Utersumer Trachtengruppe schenkte. Bekanntermaßen gehört ein geflochtener Zopf zum Kopftuch der Friesentracht. Wer sein Haar normalerweise kurz trägt, muss auf ein falsches Exemplar zurückgreifen. „Gut, dass ich ihn so lange aufgehoben habe!“ sagte Fuchs, die den begeisterten Zuhörern verriet, dass ihr alter Zopf von 1966 sei.

Außergewöhnlich viele Trachtentänzerinnen und Gäste konnte Carl Rickmers als Vorsitzender des Fering Ferian zum Traditionsabend begrüßen, auch wenn eindeutig wieder ein Frauenüberschuss herrschte. Das liegt in der Natur der Sache, denn die Tänze, die von allen Föhrer Trachtengruppen vorgeführt wurden, werden ausschließlich von Frauen getanzt.

Unter der Leitung von Margret Ketelsen zeigte die Kindertrachtengruppe, dass auch schon ganz kleine Damen mit ansteckender Fröhlichkeit ihre Füße sehr geordnet zur Musik bewegen können, die anfangs aus dem CD- Player kam, aber erst richtig viel Freude machte, als Conny Prasser ihr Akkordeon zur Hand nahm.

„Friesenurgestein“ Ella Christiansen freute sich besonders darüber, dass auch alte, klassische Tänze getanzt wurden und nicht in Vergessenheit gerieten. Aber auch ganz moderne, flotte Töne, präsentiert von Roluf Hennig, halten die Frauen in der schweren Föhrer Tracht nicht auf den Plätzen. Und da neben dem Frauenüberschuss eine weitere Besonderheit des Fering Inj ist, dass Alt und Jung gemeinsam feiern, ist die Konstellation im Paartanz Oma/Enkelin ganz normal.

Damit altes friesisches Liedgut nicht verlorengeht, schlug Roluf Hennig vor, zusammen mit seinem Freund Volkert Rörden eine CD zu bespielen, die auch auswärtigen Bands zur Verfügung gestellt werden kann, falls diese einmal auf Föhrer Familienfeiern aufspielen sollten.

Den besonderen Charme des gemeinsamen Feierns lobten Alastair Walker, ehemals Mitarbeiter der friesischen Wörterbuchstelle der Universität Kiel, und Frank Nickelsen, Geschäftsführer des Friesenrates, Sektion Nord, der mit seiner Kollegin Anni Karnebogen extra zum Fest auf die Insel gereist war. Nickelsen warb in seinen Grußworten für das „Tuhuupe luupe“ – zusammen (Fahrrad) laufen –, eine für 2018 geplante Fahrradtour von Nord- nach Westfriesland. Und Karnebogen berichtete vom diesjährigen Musikwettstreit, für den schon viele Beiträge eingegangen seien, allein ein Drittel komme bis jetzt von Föhr. Erstmals konnte Rickmers auch Dr. Ute Lörding-Schwerdtfeger als Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes begrüßen, während der Amrumer Jens Quedens als Vorsitzender des Öömrang Ferian vom Fering Inj eigentlich nicht wegzudenken ist. Dass in Anwesenheit von Amrumer „Exoten“ der jeweilige Lokalpatriotismus betont wurde, tat der Feierlaune keinen Abbruch, sondern sorgte für angeregte Diskussionen.


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