Föhr : Wo die Hornisse mit der Kamera fliegt

Leuchtende Wolken über dem Insel-Strand.
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Leuchtende Wolken über dem Insel-Strand.

„Neue Sichten“: Der Wyker Künstler Harald Bickel zeigt seine Drohnen-Fotos im Reedereigebäude.

shz.de von
03. August 2018, 13:00 Uhr

Es klingt, als würde eine große Hornisse durch die Luft schwirren, als Harald Bickel seine Drohne starten lässt. Vertikal steigt der Quadrokopter in die Luft, bis auf die zulässige Höchstgrenze von 100 Metern. Die Drohne selbst könnte, wenn sie wollte, 400 Meter höher steigen. Bickel zeigt, was das Teil alles kann. Als wäre es so selbstverständlich wie Atmen oder Schlucken lässt er seine Drohne auf der Stelle drehen, sie seitlich wegrollen und – natürlich – Bilder machen.

Denn darum geht es vor allem für den Wyker Grafiker und Fotografen, und darum geht es auch in seiner Ausstellung „Neue Sichten“, die er jetzt im Reedereigebäude am Hafen eröffnet hat. „Der Blick, der sich einem durch die Drohne auftut, ist relativ unvertraut. Aus dem Flugzeug blickt man meist aus größerer Höhe herab, auf einer Leiter am Boden ist man nicht ganz so hoch. Dadurch haben sich für mich tatsächlich neue Sichten auf die Insel aufgetan“, sagt er. Und die sind teils spektakulär: In riesigen Vertikal- und Horizontalpanoramen zeigt Bickel zum Beispiel die Südspitze Föhrs in der Abenddämmerung oder einen Blick von der Mittelbrücke über die Rüm-Hart-Schule bis hin zum Fernsehturm. Das Besondere: Ganz unten am Bildrand hat man eine vertikale Draufsicht auf das Motiv, hier etwa die Mittelbrücke. Den Fernsehturm am oberen Bildrand hingegen sieht man in seitlicher Ansicht. Das kommt deshalb, weil Bickel bei den Fotos fünf bis sechs Einzelbilder aneinandergefügt hat, die von einem Standpunkt aus fotografiert sind. Es entsteht der Eindruck, man wäre selbst am Ort der Drohne und würde einmal den Blick von unten nach oben schweifen lassen.

Bei den Horizontalpanoramen oder auch den sogenannten „Little Planets“, den kleinen Planeten, bei denen ein Panorama zur Illusion einer Weltkugel zusammengerollt wurde, fügt Bickel sogar mehr als 40 Bilder zusammen. Mittlerweile hat er seine Drohne so programmiert, dass er, einmal am passenden Ort, nur noch auf den Auslöser drücken muss, und das Fluggerät macht die Bilder selbst. Am Computer muss Bickel die Bilder lediglich noch zusammensetzen, kleine Fehler korrigieren und die Retusche machen – fertig ist das neue Panorama. Das richtige Motiv zu finden, ist dagegen schwer. „Nicht alles sieht von oben auch gut aus“, sagt der Fotograf zu seinen Bildern.

Die wirken bereits am Bildschirm beeindruckend, auf den riesigen Leinwänden im Reedereigebäude entfalten sie aber ihre komplette Schlagkraft. Und nicht nur die Panoramen, auch die „einfachen“ Aufsichten oder Luftaufnahmen, die Bickel dort präsentiert. Wer will, kann sich auch eine App auf sein iPhone oder sein iPad laden und die Bilder in der virtuellen Realität erfahren.

Die Besucher der Ausstellungseröffnung sind begeistert. Wie zum Beispiel Andreas Petzold. Der ist selbst Künstler, malt etwa große Figuren in den Sand vor Föhr. „Da brauche ich Harald, ohne ihn könnten die Bilder nie ihre Wirkung entfalten. Denn er fotografiert sie von oben“, sagt er. Ein Lieblingsbild? „Das ist schwer, von oben sieht vieles anders aus. Die Kombination der Bilder ist schon ganz großes Kino.“

Auch Bickel kann sich nicht entscheiden: „Als symbolisches Bild für die Ausstellung habe ich das Panorama des Hafens gewählt, aber ein Lieblingsbild habe ich nicht.“ Das Problem ist eher, dass er zu viele gute Bilder hat, mittlerweile sind tausende entstanden. „Ich hätte auch fünf Räume bestücken können.“


Die Ausstellung „Neue Sichten“ ist noch bis zum 20. September im Reedereigebäude zu sehen, täglich von 8 bis 17 Uhr. Einige der Bilder werden am Ende versteigert.

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