Amrum : Wo der Maler höhentauglich sein muss

Wieder aufgehübscht: Bis heute weist das 1875 erbaute Seezeichen Schiffen in der deutschen Bucht den Weg.
Wieder aufgehübscht: Bis heute weist das 1875 erbaute Seezeichen Schiffen in der deutschen Bucht den Weg.

Der Leuchtturm bekam einen neuen Anstrich. Aufs Dach kletterten dafür Mitarbeiter einer Spezialfirma.

shz.de von
26. Juli 2018, 11:00 Uhr

Für viele Urlauber ist es ein Muss, den Amrumer Leuchtturm wenigstens ein Mal während des Inselaufenthalts zu besteigen – nicht nur der schönen Aussicht wegen. Die 297 Stufen von der Düne bis zum Balkon stellen nämlich auch – gerade bei der derzeitigen Sommerhitze – eine sportliche Herausforderung dar. Wer da lieber doch nicht klettern und schwitzen wollte, hatte in den letzen Wochen eine gute Ausrede. Der Turm war nämlich für Besucher geschlossen. Der Grund: Alle fünf Jahre bekommt Amrums rot-weiß gestreiftes Wahrzeichen einen neuen Anstrich verpasst.

Das ist jetzt geschafft und der Turm kann wieder besucht werden. Über einen Monat haben die aufwendigen Instandhaltungsarbeiten gedauert. „Wir hatten dieses Mal beste Wetterbedingungen. Und in den zwei Wochen, in denen es starken Wind gab, haben wir Innenarbeiten gemacht“, berichten die Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Tönning (WSA), die die Renovierungsarbeiten ausgeführt haben. Denn ab Windstärke 4 sei das Malen draußen nicht mehr möglich. Der Fahrkorb außen am Turm komme dann zu sehr ins Schwanken.

WSA-Mitarbeiter haben die Hauptarbeiten an dem über 40 Meter hohen Gebäude von einem Fahrkorb aus gut gesichert in schwindelerregender Höhe von 38 Metern geleistet. Um überhaupt außen am Turm arbeiten zu dürfen, mussten sie eine ärztliche Untersuchung zur Höhentauglichkeit bestehen. „Es war nicht immer einfach draußen im Fahrkorb, aber es hat alles reibungslos geklappt”, berichtet ein junger WSA-Mitarbeiter, der zum ersten Mal beim Anmalen des Leuchtturms dabei war.

Eine spezielle Dampf-Dispersionsfarbe wurde bei dem 1875 erbauten Seezeichen verwendet, denn so kann keine Feuchtigkeit von außen in das alte Gemäuer eindringen, jedoch von innen hinaus – der Stein kann atmen.

Die äußerste Turmspitze mussten die WSA-Leute aber nicht erklimmen. Kletterer einer Spezialfirma haben das Dach des Leuchtturms gestrichen. Außerdem hat die Amrumer Malermeisterin Martina Hansen einige Innenmalereien übernommen.

Von fast überall auf Amrum ist der Leuchtturm zu sehen und jetzt sind die rot-weißen Streifen wieder in hell leuchtender Farbe. Und auch wenn er vier Wochen nicht bestiegen werden konnte, blieb der Leuchtturm eine Touristen-Attraktion. Denn wo gibt es ein schöneres Fotomotiv als das Insel-Wahrzeichen vor blauem Himmel?

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen